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Der israelitische Lehrer · 1862-01-22 · 2 (22.1.1862) · p. Seite 12

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
2 (22.1.1862)
Date
1862-01-22
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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12 M tet," n ar abctmau oie Entschuldigung". . . . Wir sind writ cm ferut), einen Stein auf den jungen Mann zu werfen, den ein in jeder Beziehung achtenSiqerther und kenntvißreich« r Lehrer sein soll; aber aus dieser einzigen Thatsache, der viele ähnliche zur Seite gestellt werden könnten, geht unwideisprechlich hervor: die Bildung unserer Lehrer als jüdische Lehrer ist durchaus, mangelhaft und bedarf dringend j einer Verbesserung oder Umgestaltung. Wo> liegt der Mangel und wie kann ihm abgeholfcn »erden? Das war die erste Frage, welche der eben erwähnte Ausschuß und sein Referent in der Schulsraze sich vorlegten. Er> liegt nicht in dem eigentlichen Religionsunterricht unn also auch nicht in dem jetzigen ReligionSlehrer der Semmaristen, Herrn Rabbiner Seligmann in Kaiserslautcrst, bei welchem zufolge §. 20 der Verordnung über die Bildur g der Schullehrer (^den Religionsunterricht haben sie — die iSrael. Seminar-Zöglinge. — bei dem Ortsrabbiner zu nehmen"), dieselben den einschlägigen Unterricht empfangen. Im Gegentheil, Herr Rabbiner Seligmann widmet sich diesem Zweige seiner Amtsthätigkeit in anerkrnnungSwerthester, uneigennützigster. Weise, Äußer den vier eigenTichen Religionrstunden im Seminar selbst, hält er, ohne äußere Nöthigung und ohne irgend eine Geldentschädiguug 7 bis 8 Stunden wöchentlich in seinem Hanse Unterricht, hat außer der Religionölchre, der hebräischen Sprache, der Bibel im Urtext, auch Raschi, Mischila und etwas Gemara in seinen Lehrplan ausgenommen, und geht mit seinen Zöglingen auch einen Auszug aus dem Schulchan . Aruch, das Verhalten beim Gottesdienste; durch. .Nach unserer Ansicht ist dies vollkommen hinreichend, und bleibt e» nur zu verwundern, daß doch nach zwei Jahren Aufenthalt zu KchsvrÄautern im Jüdischen mitunter so unwissende Lehrer auä dem Seminare hervorgchen. Die Sache wird erklärlich, wenn wir zwei Umstände in'S Auge »fassen. Unsere Lehrer — christliche wie jüdische -rhaben vor der Aufnahme in'S Seminar einen dreijährigen VorbreitungScursuS bei einem von K. Regierung ernannten Vorbereitungslehrer.durchzumachen und am Ende jedes Jahres durch eine" Prüfung in Gegenwart des Distrikts-Tchulinspecior« ein bestimmtes in der mchrgenannten Verordnung für jedes Jahr genau vorgrzeichneteS Maß von Kenntnissen nachzuweisen, wöbei-mit keiner S'lbe der Israeliten gedacht ist. Hier ist die Lücke, hier der Grund der Unwisienhrit der Schullehrlinge in allen hebräischen Gegenständen zu suchen. Sie genießen oder genosten bisher — es fängt an hierin in neuester Zeitetwas bester zu »erden — ihn Vorbereitung fast ausschließlich bei christlichen Lehrern > und treten so, für da» Hebräische ganz ungenügend vorbereitet, in das Seminar — diese mangelhafte Vorbereitung kann selbst der beste Unterricht nicht vollkommen ersetzen. Und für den Theil ihrer zukünftigen Wirksamkeit, welche den Borsängerdienst betrifft, haben die Seminaristen in Kaiserslautern bis jetzt gar keine Gelegenheit sich vorzubereiten oder einzuüben — das allgemein Musikalische eben ausgenommen. Was folgt hieraus? ES ist nicht genug, daß die Israeliten den Schullehrlingen Stipendien aussetzen; eS müssen diese nur unter der Bedingung ertheilt werden, daß der betreffende Präparand sich auch in den hebräischen DiSciplinen vorbereitet; es sollte wie bei den christlichen Lehrlingen, ein gewiffeS Maß von Kenntnisten in der Religion und'im Hebräischen für jede« Jahr der Vorbereitung festgesetzt und der' die Unterstützung in Anspruch nehmende Lehrling über wirkliche Erlangung derselben durch eine Prüfung vor dem BezirkS- Rabbiner den Nachweis zu liefern haben. In Kaiserslautern selbst wäre, etwa durch ein Abkommen mit der dortigen Cultgemeinde und dem Vorsänger, die Veranstaltung zu treffen, daß die Seminaristen auch für den Vorsängerdienst sich vorzubereiten Gelegenheit geboten würde. Die Regierung, wie Sie aus dem Vorhergehenden wohl ersehen, ist von humanen Gesinnungen gegen die Juden überhaupt und die Lehrer im Besonderen durchdrungen. Nur ein Beispiel ist uns bekannt geworden — gegen einen würdigen nnd verdienten Lehrer in Grünstadt wo dieselbe die Unterstützung aus dem allgemeinen Sustenstat ons- Fond, der bis dahin unter die Lehrer aller Eonfestwnen vercheilt ward, dem jüdischen Lehrer als solchen'entzogen und mit seinen Ansprüchen auf Unterstützung ihn an seine Cultgemeinde gewiesen hat. Und ob die Aufbesserung der Lehrergchalte — wozu die Kammer in München vor Kurzem die nöthigen Gelder bewilligte — von Staatswegen auch auf die iSrael. Lehrer ausgedehnt werden wird, steht noch dahin. Unter den Lehrern selbst herrscht ein recht lebendige« Streben nach Fortbildung, ein recht warmer Eifer für das Judenthum und seine wahren Jntereflen. Zeuge davon sind die zahlreich besuchten, von lebhaften Verhandluagen ausgefüllten Conserrnzkn in Neustadt a. d. Haardt, welche die Lehrer außer den Conserenzen, zu denen sie mit ihren * christlichen Kollegen gesetzlich verbunden sind, freiwillig unter sich veranstalteten, und von denen auch diese Blätter Notiz, genommen haben. Die iSrael. Schulensind, so weit ei un< bekannt ist, und nach dem Urtheile eines competenten Richters*), in sehr beseitigendem Zustand«. „Der Relt- *) Herr Bezirktrabbiner Dr. <Stän6aum in: „Israelitische Äe» meinte, Synagoge und Schule in der bayerischen Pfalz" — einer sehr lesenlwerthen Schrift, auf welch« wir die Leser aufmerksam machen nnd auf die wir noch zurückkommen werden.

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