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Der israelitische Lehrer · 1862-01-22 · 2 (22.1.1862) · p. Seite 11

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
2 (22.1.1862)
Date
1862-01-22
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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I — 11 mit Kenntnissen und?etffamgtn) fteisich oft noch ärmlich genug hergehr. Allein diese Stellen gehören zu den Ausnahmen. Die i»r. Lehrer find nun, denselben Gesetzen unterworfen, haben dieselbe Stellung wie ihre christlichen. College«. Si: genießen dieselbe Vorbildung, (laut der Verordnung vom 17. Mai 1854, §. 17), bilden sich in demselben Seminar aus (§. 20), gehören denselben FortbildungSanstalten, Conferenzen, an, werden von K. Regierung eben so angestellt, ihre Schulen von denselben Inspektoren beaufsichtigt und geprüft, sie gehören den vom Staate begünstigten und unterstützten Wittwen- und PensionS-FondS an — kurz sie stehen mehr, wie in irgend welchem deutschen Lande ihren christlichen College« ganz gleich, ja, sie sind oft insofern bevorzugt, als ihre geistlichen Obern — wir haben für die ganze Pfalz mit einer i«r. Bevölkerung von eirea l JOOÜ Seelen nur 4 Rabbiuen — weit entfernt sind und sie, wie in Rußland, sagen können: „der Himmel ist hoch und der Czar ist weit." Rechnen wir hinzu, die in der Pfalz sehr herrschende Toleranz, welche unsere politische Gemeinden ohne alle Rothigung von Außen bereits veranlaßt hat; den Gehalt der i«r. Lehrer hier und da ganz, fast überall aber zu einem mehr oder minder großen Theil auf die Gemeindetasse zu übernehmen, so dürften wir zum Schlüsse berechtigt stin: mit dem i-rael. Schulwesen in der Pfalz steht eS gut, bester vielleicht als irgendwo sonst. Daß eS jedoch zu jedem Lichte auch Schatten gibt, daß es für die Lehrer und Gemeinden in der Schulsrage noch gar Manches zu wünschen gibt, dürfen wir auch nicht verschweigen uud wird auS der weitern Skizzirung unseres Bildes hinlänglich hervorgehen. Unfern Lehrern nnd Gemeinden bleibt vorerst als ein gemeinsamer Wunsch: die Uebernahme der israel. Lehrergehalte auf die Gemeindekassen. Der ZSra-lit zahlt zu allen Bedürfnisten der, Gemeinde feinen Antheil, er zahlt für die christliche Schule und Kirche, deren Geistliche nnd zum Theil für ihre Cultbedürsniste mit, und doch überläßt die Gemeinde ihm, zuweilen ganz allein und ohne alle Beihülfe ihrer Seit», die Sorge für seinen Lehrer, seine Schule, seinen Geistlichen. Mehr als eine politische Gemeinde müßte noch einen Lehrer anstellen, oder' ihre Räumlichkeiten erweitern, wenn die israel. Jugend auch die OrtsfchulÖ besuchte. Und so wäre eS ein Akt der Billigkeit und Gerechtigkeit, wenn überall die iSr. Lehrer gleich ihren christlichen College», aus der Gemeindekaste ihren Gehalt empfingen. Diesen Zweck mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu erstreben, ist eine Hauptaufgabe der Zeit für den Pfälzer Israeliten, und nach dem Vorgänge mehrerer Stadtnnd Landgemeinden in der Pfalz, sicherlich keine unerreichbare- Ein zweiter wichtiger Punkt in dieser Frage ist der Mangel an iör<;el. Lehrern. In dem! Pfälzischen Lehrer- - Seminar zu Kaiserslautern kam vor einigen Jahren der Fall vor, daß «mch nicht ein israel. (Zögling sich darin befand^ 4 ist seit langer Zeit die höchste Zahl derselben. Bereits ist durch die Besterstellung der Lehrer und durch die höhere Fastion der' Lehrergehalte e i n Schritt zur Nbhülfe geschehen und gelingt es, den Gehalt der Lehrer auf die Gemeindekaste zn überweisen, jo werden sich junge Leute, die sich dyn Lehrfache widmen, iu hinlänglicher Zahl finden und die Mage über den Mangel an Lehrern schwinden. Bis dahitz geschieht im Bezirke Frankenthal*), daS nach den Umständen einzig Richtige zur Abhülse: man nimmt jährlich! in daS. RabbinatS-Büdget eine gewiste Summe mehr stuf und verwendet hieft zu Sttpenlien oder Unterstützungen!an Schullehrlinge.! Dies führ) uns auf einen twittfn Umstand in der - Lehrerftage, afif die sehr verbreitete Klage, daß die auS dem Seminar tretenden Schulexpectanten, die gesetzlich noch ein Jahr pratticiren sollten, bevor sie als Gehilfen verwendet werden, nach zweijähriger. Dienstleistung eine Stelle als Verweser erhalten, und erst nach Verlauf von | vier Jahren vofn Allstritte au« dem Seminare an gerechnet, nach bestandener Anstellung-Prüfung, als wirkliche Lehrer angestellt werden sollten, aber guS Mangel an Lch« rern meist schon sofort die Functionen leineS wirttichen Lehrers erhalten; >aß diese jungen Letzte, sagen wir, im Hebräischen und namentlich im Vorsängerdienft völlig ungenügend vorbereitet seien. Wir haben Gelegenheit gthabt, ein Referat über diese Frage, welche« dem. für Reorganisation iSraelittscher Bedhältniste gewählte« Ausschüsse (voll dem wir weiter unten sprechen) vvrlag, einzusehen, un > müsten eingestehen, daß die Zustände in dieser Beziehung wirklich zu einem Punkte gelangt sin^ auf welchem sie, ohne großen Schaden der ganzen religiöseN Erziehung nichl bleiben können. „Ich habe die Erfahrung > gemacht, schreib : uns ein wackerer iSraelittscher Lehrer, daß Seminaristen da sind, die weder die täglichen Gebete noch den Pentateuch (im Urtext) verstehen'. . . . Neullch meldete sich solch' :in junger Mann auf eine Lehrerstelle, mit welcher der Vorsängerdienst verbunden ist; er sollte „Sonntag Abend" vorbereitet. »ordeten; er entschuldigte sich, er sei nicht Montags beim Morgen-GotteSdienste sollte er au» der Thora vorlesen: „Ich bin.nicht wvrberei» ') Die Pfalji iß in »ier Serichisbezirke und da nach auch in »<ev Bezirts-Rabbinate abgetheilt: ,Bezirk Frankenthal (Sitz de« Herr» Be» zirksradbiners «er, zu Dürkheim), Bezirk Landau (vr. Vrünebau»), Bezirk »atsertlaui:r» (Hr. Selig mann) und Bezirk Zweibrüiken (Hr. Oppenheimer hat seine« Sitz in Pirmasens.

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