Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 1 (15.1.1862)
- Date
- 1862-01-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I Frankreich ist der Geist der Regierung von jeher ein centralistischer gewesen, und tS kann heute noch eine Gemeinde am Fuße der Pyrenäen keinen Hundestall errichten lasten, bevor der Anschlag und Plan in Paris eingesehen und gutgeheißen ist. So dürfen wir uns auch nicht wundern, daß die Verfastung der Juden, wie sie 180»> gegeben wurde, die s. g. Eonststorial-Lerfastung war: in jedem Dcpartemente, vas 2000 Israeliten zählte, wurde eine religiöse Behörde, Konsistorium, und in Paris ein Oberconsistorium errichtet. Der Schwerpunkt ward dadurch außerhalb der Gemeinde gelegt, diese war mundtodt gemacht, das Consistorium (aus einem Obcrradbiner, einem Rabbiner und drei Laien bestehend) hatte allein das Wort zu führen. Doch ward dadurch der Anstoß zur Anstellung von Rabbincn und indirekt von israelitischen Lehrern gegeben, und die Synagoge konnte, mußte von nun an einer besseren Zukunft entgegen gehen. Wer den Geist des Volkes, und de« Menschen überhaupt kennt, wird wohl sofort ei »sehen, daß der angebahnte Fortschritt kein io rascher sein konnte, als der Menschenfreund wünschen möchte. Verrottete Zustände, die fast ein rausendjähriaeS Aller hcsttcn, lasten sich durch gesetzliche Einrichtungen, wenn sie auch ganz vollkommen wären, was die Rapoleon'schcn bei Weitem nicht waren, nicht einfach hinweg decretircu. Der Jahrhunderte «lange Druck, der mehr oder minder mit Bewußlseiii geübte Ausschluß von den bestehenden BilduugSanstalten, das gewaltsame Entfernen von jeder ehrbaren, geordneten ErwerbSthätigkcit, die Versagung von Bürger-, ja Menschenrechten mußten nothwen diger Weise einen schlimuicn Einfluß aus unsere Glaubensgenossen äußern, der nur von Innen heraus, nicht durch einige noch so wohlthätige und gutgemeinte Decrcte von Oben herab beseitigt werden konnte, Roch 1808 mußte der Kaiser gegen den Wuclwr der Elsassischcn Juden ein drakonisches „Wnchergesey" ertasten, das in Frankreich nur vorübergehend, auf uns Pfälzische Israeliten bis in die neueste Zeit herab schwer gcorückt hat, jedoch unn auch bä uns glücklich beseitigt ist. Rach demselben ,nutze der Jude bei jeder Einklagung einer Forderung den wirklich „gelieferten Werth" Nachweisen, waü fast eine reine'Unmöglichkeit und in den meisten Fällen mit einer Annullirung der Forderung gleichbedeutend war — und zum Betrieb deS Handels ein von der OrtSbchörde ausgestelltes „Moral-Patent d. h. ein Zeugniß über sittliche Unbescholtenheit — welche Verationcn dies im Gefolge haben mußte, ist Nar — beidringen. In Frankreich ging die äußere Entwicklung iu den Zuständen unserer GlaubeuSgenostcn ihren regelmäßigen Sang, die Restauration ließ das „Wuchercdict von 1808" j fallen, die Juli-Regierung übernahm 1831 die Bezahlung der Rabbinen auf die Staatskasse, und damit war dort die Emancipation der Israeliten in Frankreich eine vollendete Thatsache. , ' I . In der ReujahrSnacht I8l4 15 setzten die/Verbündetcn bei Mannheim über den Rhein, die Franzosen mußten weichen, die Pfalz bildete wieder einen Dcstandtheil deS deutschen Vaterlan >s und ward 1816 der Krone von Bayern unter Verheißung dfr Aufrcchtcrhaltung der gesetzlich bestehenden Institutionen in Besitz genommen. In deu äußeren Fortschritten trat nun bei uns ein Stillstand ein, aber die Gerechtigkeit erheischt er an zurr - kcnncn, daß die k. b^ Regierung um so mehr für die innere Aufbesserung unsrer Zustände tbat, und die Folge hat, denke ich, biwicsen, daß.dieser Weg, w nn auch der längere, doch auch ein guter, ja der einzig richtige war, wenn ihm, die Krönung des Werkes, die vollständige Emancipatiou, folgt, die nicht auSdlciben wird, nicht ausblcibe» kann. . (Fortsetzung folgt.) Lqfen und Lesebücher. > r(T.) ,Di« guten Leutcken.wissen nicht, naäjej einem fit Zeit und Mühe kostet, ntn lesen zu lernen. Ich habe achtzig Jahre dazu gebraucht uib kann s.xt noch nicht sagen, daß ich lwf Ziele wc re," I(Scfermann, Xäe(präehe mit Wötbe.) Es kann unsere Absicht nicht sein, hier c.nssührlich über Methode, Stnfengang:c. des Lesens zu.fchi eiben, wir würden etwas rurchaus UeberflüssigeS unfern) geschätzten Lesern bringen; dieselben würden-nnS mit Recht auf jedes güte Lehrbuch der Pädagogik verweisen. Wir wollten nur unsere, wenn auch schwache Stimmen im Ratbe der Pädagogen gegen eine Richtung erheben, welche zum Racktheile deS guten Lesens und seiner Früchte zu viele Vertreter gefunden xn haben scheint. Wer da« L<sen in den meisten Schulen und das au dasselbe sich sortsctzendc der reif.reu Jugend, ferner die in den letzten zehn Jahre Inverfaßten, und auch mit großer Posaune verkündeten, viel yerbreitetcn Lesebücher beobachtet, wer ferner die St mme gefälliger oder ueid scher Rccensenteu *) gehört, und diese mit *) Bevor wie jedoch das eigentliche tbema netter-fihren, wollen wir ein für adernd einer gewiisen fflafte von Ree.nsenteu, da ihrer gedacht ist, einige Sugenhltife schenken, und bitten daher >elt Leier um Verzeihung. Was Jean P cul cn keinen grönländcschen Prozessen über die Antiker sagt, findet heute mehr denn se keine Anwendung. — Jet Reeensenteni Wenn man sich auf diese berufen sollte, ihnen Wtauben schenken, dann stünde wahrlich die Pädagogik auf ieter schwachen gären; (tarnt hätte di» taufenbjüngige und tausendseitige Theologie da» '«echt emec Herrschaft