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Der israelitische Lehrer · 1862-01-15 · 1 (15.1.1862) · p. Seite 4

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
2 (1862)
Issue
1 (15.1.1862)
Date
1862-01-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 @.M'tn*tcn Sic mir also,• Ihnen vorerst eine kleine geschichtliche Einleitung zu gebenr die Gegenwart ist nur dann recht zu verstehen, wenn wir die Vergangenheit kennen; e? wirv dies keine Abschweifung, sein nnd uns vielmebr.eas nö'hige Material zur Benrtheilung unserer Verhältnisse an .Händen geben. "2ior der französischen Revolution von 1789 sah es bei uns in der Pial? mit den Israeliten eben aUS, wie überall: es bedarf dies keiner näberen Schilderung. Nur war unsere allgemein tcnischc Misere, die Kleinstaaterei, nebst den liebeln, die ile im Gefolge bat, auf diesem schönen Fleck deutscher (noc noch weit mehr ausgebildct als sonst cho im Baterlande. Auf einem Gebiete von IW Quatrat- Mcilen — so groß ist die jetzige bäuerische Pfalz —'gab eS bis 1793 'nicht weniger als 31>> souveräne Herren und Herrschaften: nicht wahr, das ist des Guten doch ein wenig gar zu viel? 0>tnr Menge von Ortschaften war drei- " oder viertbeilig, d b. gehörte so vielen verschiedenen ,Ba tcrländcrnan, ui'.x diese Diminutiv Herren wachten io cifersiu'.'lig auf ibre Souveränität, als es jetzt Greiz-Schleiz- Lobenstein - Ebersdors. S^anmburg-Lippe, oder fönst eine unsrer 3> - find cs 3.‘>? — souveränen deutschen Herrschaften es khun können, Ja es gab' Anwesen, mw das Wodnbaus;. L sturpfälzisch und' die Scheune Degonfcldifch oder Siichöstich oder d'einingisch *, f. w: war. 'DaS war eine gnre Zeit für strolche und Schelme — mit. einem guten Svrung im ,AuSIande." — So war os bis zur französischen :>ievolution. ' «Urlauben Sie mir, che ich wrnahre, eine* Bemerkung, nm Ml',Verständnissen zu. begegnen. - Ich darf Sie aus eigner Epfabrung und Anschauung versichern, dasi wir bi:r in dieser Trcnlicbcn Grenzprovin; deutsch. ganz deutsch gesinnt nnd; die sog. Fränzoienköpfc gehören bei uns ans dem linden Nbeinuser zu den Selten beiten^ es sind geringe Ausnahmen. Wir kennen auch die Zustände und Verhältnisse in Frankreich zu genau, um Gelüste danach zu trage». Allein wäre. Frankreich auch ein Elvsinm rnld sein Kaller ein Salomo, wir sind Deutsche, wir wünschen mit allen Vaterlandsfrennden.ein einiges nitd nichtiges Dcn'tschland und gönnen dem französischen Volke gerne sc st Glück, seine Fryhcit, seine Macht. Don dieien allgenieineizGestnn'ungen machen unsere Pfälzer /Inden, der eminenten Mebrzadl nach, keine Ausnahme, so wohl wir auch wrsscn, das? 'die französische Versasimig unfern Glaubensgenossen alle die Rechte zngestanden ' bat — auch .die der Anstellniig im, Staatsdienst, auch die! Bczabl.uig rer Raddincn aus der Staattzkasic , um welche * der deutsche Jude noch manchen barten Kamps wird zu j besteh m chabeu. . Wir kehren zu unsrer Schilderung der damaligen Berhältnifse in der Pfalz zurück.' Die Juden erhielten freilich von der Mehrzahl der 300 Miniatur-Souveränen leicht die Erlaubnis zur lltirderlaffuug, waren aber aller Bürgerrechte bar und wurden nur als eine ergiebige Finanzielle betrachtet, zu welcher der Fürst und Herrscher in jeder Noth thcil« unter dem- Titel des Schutzgeldes und der Abgabe, tbeils unter dem fast gleichbedeutenden der Anleihe seine Zuflucht nahm. Bon Ehre und Bürgerthum, Grundbesitz und Zünften, von den meisten Gewerben nnd selbst von vielen Handelszweigen ausgeschlossen, zu Wucher und Kleinhandel gezwungen, von den härtesten Verordnungen gehemmt, mußten sie ihre Eristenz mit erniedrigenden unter mehr als 60 verschredenea Benennungen ihnen aufeplegten Abgaben, erkaufen. Da drangen die französischen FreiheitSniänner 1794 ins Land; ihr Wahlspruch: „Friede den Hütten, Krieg den Palästen,".und der Schreck, den die für die „Aristokraten" mitgcbrachte Guillotin verbreitete, scheuchte die Fürsten und Herren über den Rhein und zvahrlich! ihrer Herrschaft folgte tcin großes Bedauern nach. Zwar zeigten die Franzosen, hier wie immer, daß sie kein Herz und kein Berftändniß für fremde Nationalität hätten, und mit lebhafter Theilnahme hören wir heute noch Greise erzählen, wie die französischen „Commissairos de grijjpe“ — das Raubsystem war von Oben angcorbnet und organisirt — die Keller mit Wein ausleerten, die Speicher mit Getreide auSräu»rten, die friedlichen Bewohner der Ställe wegtricden, wie sie zerschlugen. und vernichteten was nicht fortzudringen war, und das Ländchen systematisch ausplünderten. Die arzgekündigte Freiheit mußte tbener bezahlt werden. Allein als Oester- -reicb,1797 im Frieden zu Eampo Formio und, bestätigend .und wiederholend, 1801 zu Luneville das linke Rheinuser an Frankreich abtrat, als nach ver Brumaire-Revolutiou '5799 Bonaparte's feste Hand die Zügel ergriff und Ruh«, Sicherheit und Ordnung in Frankreich'S vergrößertes Gebiet einkchrten, da traten auch für die Pfalz am Rhein bessere Zustände ein, da« snrchtbarc, von der Natur so reich gesegnete Land erholte sich bald leicht, blühte unter weisen und gerechten, Fortschritt unv Erwerb fördernden Institutionen rasch aus, und auf diesem schönen Fleck deutscher Erde wurden die Juden zum ersten Male inne, daß auch sie Menschen- und Bürgerrechte batten, daß Sicherheit der Person und des Ezgenthums, gleiches Recht vor dem Gesetze bei glcicheii Pflichten auch für i i e eine Wahrheit werden könnte. Am 30.. Mai 1806 bcricf Napoleon ein „Sanhedrin" nach Paris, welches nachhaltigen Einfluß auf unsere Zustände übte, indem eS ein 1800 vom Kaiser bestätigte« Reglement für die Verfassung der Svnagoge entwarf. Ju J

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