Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 2 (1862)
- Issue
- 1 (15.1.1862)
- Date
- 1862-01-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 eccr nach zeitgemäßer Lilduug strebender Lehrer ist, so.... eigensinnig sein, daß ' er eine rein objektiv und meistens zufällig ausgesprochene! Ansicht, die nicht gerade die scinige ist, in einem Organe / dem er sonst in der Hauptsache bcistimmt, nicht vertragen könnte? Lassen wir diese AusschließnngSsucht Anderen und gönnen wir unS unsere Urderzeugnng, wenn sie der Ehrlichkeit, der Treue der Persönlichkeit nicht schädlich war; vertragen wir unS einander. Unser geschätzter Kollege*), der selbst nicht eigenllich ein Gegner unserer Ansichten, selbst nicht orthodox ist, wird uns jedoch zugostehcn müssen, daß eben die religiöse lleberzeugung, dies Tiesinncrste und Heiligste im Menschenleden, alle Strömungen des Geistes und des Herzens beherrschend, in den Aestßerungcn de» offenen und wahrheitsgetreuen Menfchcn oft unwillkürlich zu Tage tritt. Wenn wir daher zuweilen ustferc, der Reform des Gottesdienstes und des religiösen Lehens zugcneigtc Gesinnung warm geäußert haben', so. kann das unmöglich vermieden werden, und selbst der vorurtheilssreie orthodoxe Leser wird eS uns nicht verargen. Sind! ja die Gegenstände, die wir behandeln, so innig mit Religion und mit religiösen Anschauungen verknüpft, und wir sonnen uns ein jüdisches Blatt, sei es ein Schnlblatt oder irgend ein anderes gar nicht denken, das io ganz über den Parteien stände, daß nicht zuweilen ein leiser Aul lang persönlicher Anschauung bemerkbar wäre. Indessen habe» wir und werten wir auch ferner die Besprechung esfectivcr Eoulroverscn ferne halten — wenn?ic mit per Besprechen g irgend eines IlnterrichtsgcgenstandeS u. dgl nicht unmittcl!:ar Zusammenhängen, wisiensebaftliche Ansichten freilich, können und müssen sich zuweilen ans streitigen Gebieten bewegen, und werden wir hier gewiß unsere Unparteilichkeit wahreit und ebensowohl orthodoxe als andere Darstellungen, wenn sie in Form, Gehalt und Gestalt dem Principe eines „israelitischen Schulblattes" entsprechen, die Aufnahme nicht versagen. Wir haben dies schon in Vir. 2 drh vorigem Jahrgangs ausgesprochen. Persönlichkeit werden jwir ferne halten. Wen» wir hiervon irgend abzuweichm scheinen, so gilt nur dies am allerwenigsten der orthodoxen Ansicht', sondern den Verketzerungen und An seindungcn, die von einer Partei ausgeslrent werden, welche auch inmitten der wahren und überzeugungStreuen Orthodoxie keinen Boden hat, gilt es, wie in Vir. 14, ihrem Auftreten gegen die Lehrerwelt. Bon Verketzerung und Denunciatiyn um der religiösen Ansichten willen, haben wir einen angebornen Abscheu, einen ticfeil Haß. Wir zählen Lehrer, die ans Pietät oder lleberzeugung der Orthodoxie huldigen, zu unserenbesten und theuersten Freunden. In der Schule vereinigen wir uns ja alle; *) Und mehrere Andere, dir ieither in gleicher Weise schrieben. dort huldigen wir alle dem Fortschritte. Ohne Evolution, Entwicklung — also Fortschritt läßt sich keine gute Schule denken. Laßt uns daher einig sein auf diesem Gebiete, wenn unS auch auf anderen 'so manches trennen 'mag. Versagen wir darum aber Niemanden, seine Meinung hier frei zu äußern. Laßt unS treu sein dem Lichte, treu der gcn'onuoncn llcberzcngnng, ehren die wahrhafte-lieber- , zeugung eines jeden Kollegen, eines icbcu Menschen. Allem Schlechten, allem der Schule und den Lchrcrbestrebungen - aber Kntgegenwirkcnden unsere energische Abweisung, unser-" Haß! Wie wir immer und überall osten und fest die Wahr- . heit und das Rechte gegen Jedermann, so weil es mögllch ist in Schutz nehmen werden, wie wir überall das Schlechte und Niedrige anfeinden werden, wo cs uuö und unseren Wollen und Streben cntgcgcutritl, so werden wir die Lehrer einer jeden Richtung zu vereinigen trachten in dem er- | habenden Gedanken:.die Hebung der Schule,'insbe- ■ sondere hier der «jüdlschcn Schule. Dasür leben! wir, dafür sterben /vir. So gehe denn, mein liebes Blättchen, und beginne! deine Laufbahn aufs Neue. Erwirb dir warme Freunde ' in den Wohnung - n und in den Herzen, insbesondere! aller Lehrer und Lehrcrfrcunde, und gieße Licht' und Hoffnung aus über alle Deine Leser.! Das walte Gott. . ■;> K. 1 . ■ r . j Briefe aus der bavr. Pfalz. Neustadt a. d. Haardt, 1-',. Dez. 1*61. Mein lieber Herr Redakteur! Haben Sie denn keinen Eorrcfpondcnten in unserer schönen, rührige» Rhcinpsalz? -Hat es von nnjeru »ackern Lehrern rwch keiner unternommen, Ihnen Bericht zu -erstatten? Oder dünkt Ihnen Alles, was bei uns vclacht und was sich eben lebendig/regt und bewegt, zu kleinlich, um Notiz davon zu nehmen? Von Woche zu Woche hoffte ich. Ihr Blatt würde ein Wort >in uizsern Angelegenheit,." drein reden, — aber siche da! tiefes Schweigen allumhcr. In unfern politischen Blättern hat man sich wohl etwas berumgctummclt und dadurch den Vortheil gehabt, daß die Sachen rasch unter dir Leute und vor ein größeres Publikum kommen; aber ciucstheils wäre cs bester, „feine schwarze Wasck)c unter sich zu waschen," audeiuthcils hat „der Pfalz. Rouricr" für sich diese Debatten geschloffen, und endlich liegt cs doch im Jntcrcste der Sache, dieselbe ernster nutz eingehender zu besprechen, wozu nur eilt spccisisch jüdisches Blatt geeignet ist; — fo'hoffe ich denn, Sic werken zu einer Anu»ld Ulbexficht nufere Pfälzischen Verhällnisic mir die Spalten JbrcS Blattes nicht uugerne eröffnen.