Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 16 (15.12.1861)
- Date
- 1861-12-15
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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122 zu Tage fördert, desto mehr daganze ceremonielle Leben im Schooße de- IudenthmnS in den Hintergrund gedrängt — wenn nicht leider Vieleganz und gar verwischt! Im Allgemeinen möchte ich daher mit dem alten Rabbi ausrufeu: iranens pa*n hy bin- . Daschöne religiös gemüthlicha Leben in Israel ist dahin und kommt in der bisherigen Erscheinung niemals wieder! Doch, was können wir Lehrer' immer noch thun, um zu retten, waS zu retten ist? Oder sollen wir Unsere Hände in den Schooß legen und's gehen lassen, wie's eben.geht? Ich lebe, meine Freunde, der frohen Ueberzeugung, wenn wir Lehrer unsere Thättgkeit allseitig entfalten vollen, fo ist uns in Schule, Synagoge und Haus Gelegenheit geboten, zur Weckung . des religiösen Sinnes, zur Hebung teS religiösen GemüthslebenS in Israel wohl ein Scherfleiu beizutragen. l) In der Schule, a. Wenn schon durch den Religionsunterricht das zarte Ztinderher; für Höhere Wahrheiten, für den Glauben der Väter entflammt werten kann, so dürfte dies in nvch weit höherem Maaße bei einer würdigen Behandlung des Geschichtsunterrichts der Fall fein. Und wenn ein bekannter deutscher Autor sagt: . „Ohne Vaterlanksgeschichte keine Vaterlandsliebe!" so köunen wir wohl auch mit gleichem Rechte sagen: „Ohne Kumtniß der jüdischen Geschichte keine Lieb« zum Iudenthume!" und unsere Weisen haben diese Wahrheit wohl auch erfaßt, indem sie den großen Ausspruch thaten TO"! fHKi"! □ y N^Tl- „Ein Unwissender kann nicht wahrhaft fromm sein!" *) Darum Tobh) TTdSS sei uuser Losungswort im täglichen Beruf, besonders im Geschichtsunterrichte. Kein anderer Lehrgegeustand vermag einen solchen Eindruck auf Her; upd Gemüth der Schüler auszuüben, alö eine beredte warme Darstellung des Lehrers über wichtige Personen und Zeiten, an denen unsere'jüdische Literatur so reich ist. Ja. wer eS vermag, außer den sc sehr zu dem Kindcrherzen sprechenden Erzälstungcn aus dem Leben der Patriarchen, und der biblischen Gestaltungen überhaupt die Heldeigeschichte rer Makkabäer in erhebenden Weise tarzustellen, > die großartigen Scenen . bei dem Untergange res jüdischen Reiches zu schildern oder die Geschicke unserer würdigen Altvordern zur Zeit der Kreuzzüge, die Verfolgungen und Martern im Mittelalter ob,der verleumderischen Beschuldigung vergossenen Christenblutes x. mit Hervorhebung der Opfer, eie sie gebracht; des HeldenmuthS. mit dem sie *) -<£< dürft bei 'dieser «teile da« letzte Wo« vorzüglich betont werben. da e« nikdk" beißt: »der Hjr,“ intern ein ny im bessern Sinn de« Worte« wohl rin schlichter redlicher Mann sein kann. Von einem l^rgnffensrin für da« Schöne aber, von einefr Begeisterung für dar Gute kann bei einem' unwissenden Mettschen nicht die R.de. sein. - gekämpft, da-'Martyrium de-Glauben-, für den sie gelitten und geblutet und i« den Tod gegangen sind, zu zeichnen wer e- »ersteht, die hochfittlichen Gestaltungen unserer Hillel, R. Jehuda, Hanasih, Maimonide-, Raschl, M. Mendelsohn u. A.m. zu beleuchten, der wird gewiß Liebe zum Glauben der Väter und jene Innigkeit, ja Begeisterung und Pietät für die Religion erwecken, die nicht sobald aus dem Herzen der Kinder schwinden sondern noch im spätesten Alter gesegnete Spuren wahrer Frömmigkeit hinterlasfen wird. Denn ftaget sie, die eiteln Gecken, die von schnödem Dünkel befangen, heute so in Masse dem Iudenthume den Rücken kehren, die« mit so unverzeihlichem Frevel aller religiösen Bräuche spotten und gar oft noch mit höhnender Satyre alle- Heilige in -den Staub ziehen — fraget sie: Was sie aus dem Bereich der jüdischen Geschichte in sich ausgenommen haben, und ihr werdet gar bald erkennen, wie kahl und öde es hier aussieht und wie bald das Schatzkämmerlein dieser Herren erschöpft ist. In Bezug auf das weibliche Geschlecht äußert sich hierüber Heine scherzhaft folgendermaßen : „Was lernen unsre Damen jetzt in vielen Pensionaten nicht alles auswendig*) — aber Himmel: „Fragt man sie nach großen Name» Aus dem große» Goldzeitalter Der arabisch-althispanisch Jüdischen Poetenschule. Fragt man nach dem Drcigestirn Nach Jehuda Ben Halevy, Nach dem Salomon Gabirol Und dem Mose« Jb» Äsra —" * Fragt man »ach dergleichen Namen, Dann mit großen Augen schauen Uns, die Kleinen an, alsdann- Stekm am Berge die Lchstniien." Darum sei unser Hauptaugenmerk dahin gerichtet, daß wir zuvLrreichung unseres Zieles nicht allein die sogenannte biblische Geschichte, die alte Zeit mld die Glanzperiode Israels, sondern auch das Wiflenswürdigste aus der nachexilischen Zeit bis zur Gegenwart unsrer Jugend mittheilen. b. Ferner kann der Lehrer beim Gesangunterrichte wesentlich .zur Förderung obigen Zweckes beitragen. Wenn es eine unbestrittene Wahrheit ist, daß dev Gesang nicht allein den Sinn fürs Schöne und Erbabene weckt und bildet, sondern auch auf die Veredlung des GemütheS den wohlthätigsten Einfluß übet, so möchten für israelische Schulen noch insbesondere-solche Lieder zu empfehlen sein, deren Text und Melodie dem jüdischen Boden entsprossen, die, so zu sagen, auf unserm Eigeuthum gewachsen sind. Hierher gehören namentlich Gesänge für Sabbathe, Festtage und Freudenfeste. Vernehmen wir, wie schön sich Herr Rabbiner Stein •) 3a. ja, viel auswendig und fürs Auswendige, aber leider Golles sehr wenig inwendig und für« Inwendige. Die Red.