Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 16 (15.12.1861)
- Date
- 1861-12-15
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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123 im Bolkslehrer über den Gesang am Freitag Abend ausspricht: „Semiro«! Wem geht das Herz nicht auf bei dem Worte Semiros. Wer sieht nicht, wenn diese- Wort süße Jugendgefühle in ihm rege macht, einen greisen Vater, von Sabbathlust verjüngt, ein alternde- I Mütterlein von himmlischer Seligkeit erstrahlen, wenn dft Lampe ihr magische- Halbdüster ergossen, die Brüder unv Schwestern aber an- - stimmten den frohen Gesang | „□■nunS "iw nrofcfl nm:tr „Sabbathruh und Sahbathlust Strömen Licht in unsre Brust." ES ist ein gefährlicher Wahn, der gefährlichste den es nur geben kann, daß mit der alten Zeit auch die Gemütblichkeit reS jüdisch-religiösen Familienlebenvirloren, nothwcndig verloren, — daß man I entweder dem Glühofen hyperorthodoxer Schwärmerei, oder rem Eiskeller gottentfremdetem Nihilismn« verfallen fei — Gott bewahre ums vor beiden! . . Der religiöse Gesang ist der Schlüssel, womit an da- Heiligthum de- Kinderherzens angeklopft werden muß, daß es sich öffne, um die heilige Gemeinde der religiöses Gefühle und Gedanken auszunehmen . . . . j." ES sind daher deutsche und hebr.: SemiroS, Pesach-, Simchas Thorah ]•, Chanuka- und Purimlieder rc. sehr;u empfehlen, und her schönste Lohn krönt gewiß unser Werk. j 2) Ein fernerer Wirkungskreis! zur Erreichung obigen Zweckes ist dem Lehrer gegeben in dev Synagoge, besonders da^n, wenn der Lehrer zugleich auch Vorbeter ist. Sorgen wir daher überall für einen, geregelten schönen Gottesdienst. Mögen wir auch Anfangs angefeindst werden, die gute Sache muß endlich doch siegen! Es kann chohl nicht in Abrede gestellt werden,.daß leider Biele schon ber Synagoge den Rücken gekehrt haben und dem JndifferennSmus in die Arme' gefallen sind, weil sie daselbst weder! für Geist noch Gemüth mehr Nahrung fanden. Wir leben! nun nicht mehr in einer Zeit, wie ehedem, da unsere Glaubensgenossen Piutim, Selicho.S Thilim, Schir häjichud u. f. w.! Stunden lang hersagen konnten, selbst wenn sie auch de» . Inhalt nicht verstanden. Unsere Leutchen verlangen jetzt mchr, und an uns Lehrern nnd Vorbetern ist es, den gerechten Wünschen unserer Generation so viel als möglich nachzusomincn. Und wenn auch mit einer gründlichen Umgestaltung des Gottesdienstes noch nicht Alles gethan ist, so ist doch mit derselben sehr viel gethan! 3) Kommen wir zu dem Wirkungskreis des Lehrers inmitten der Familien. Können wir, meine Freunde, mit gerechtem Stolze auf unsere altchrwürdigen humanen Prin» -cipien des Mofaismus Hinblicken, vyn denen es heißt: □nsyn 'yyh DnnrDi oanebn an '2, se dürfen wir auch mit erhebendem Gefühle, jmit der freudigsten Innigkeit auf daS Familienleben in Israel unsere Aufmerksamkeit lenken. Haben auch, wie schon oben bemerkt, im Laufe der Zeit manche Satzungen ihren religiösen Nimbus gänzlich verloren, sind gleichwohl auch Manche religiöse Gebräuche aus unfern Häusern geschwunden^ so stehet Gottlob immer noch das religiöse, weil sittliche Fapnlienleben in Israel groß und Achtung erregend da! Diese! Liebe der Aeltern zu den Kindern, diese Liebe der Kinder den Aeltern □nm by cr:2 2V1 cra. by ni2x. »fr trefft« sie wohl selten in so glühender Hingebung in außer-jüdischt» Kreisen; darauf können wir stolz sein! „Und", um mit einem Autor zu sprechen „wenn wir die1 Gespielen unserer Jugend, - die Genoffen unserer männlichen Heiden in neuen Zerstreuungen nnd fremden Verhältnissen vergessen haben, seiner Aeltern kann doch auch das ungerathenste der Kinder nie vergeffen; es muß ihrer gedenken, sei es mit zärtlichem Entzücken ober mit der Bangigkeit eines zitternden GewiffenS.! Das können wir wahrlich mit Recht sagen von' den Kindern Unseres Polles. «Jahrzeit, Rosch - Haschonoh, Besuchen her Kiwre-OwoS bewahrheiten' dies.) Sorgen wir daher' so weit cs in unsrer Kraft liegt, diese heiligen und heilsamen Institutionen innigen Familienlebens zu erhalten und zu fördern. Lasset uns zu diesem Behufe oft'mit den Aeltern verkehren, und sie bestimmen, uns ihre Kinder zum GotteSkieüste zu schicken. Laffet uns sie ernst und liebevoll mahnen, zu Hause kein religiöses Gebot zu übertreten, damit in dem zarten jugendlichen Gemüthe kein Widerspruch zwischen Schule und Haus platzgreifend werde. Laffet uns aber auch zur Erreichung unseres vorgesteckten Zieles auf dis Verbreitung guter jüdischer Schriften unter den Familien bchacht sein; denn was so recht warm aus einer gemüthlichyn jüdischen'Feder geflossen, das geht auch leicht wieder zu Herzen und haucht den Funken der Begeisterung zur Flamme an. (Zu solchen Schriften gehören z. B. die Erzählungen von Simon Krämer, Sippurim von Wolf PascheleS, Böggele Hamagid und Mendel Gibbor v. Bernstein, die Jahrbücher von Wertheimer, Klein, die Deborah von I)r. Wise (Saron I. u. II. von vr. Ludwig Philippson und die anderennovellistischen Schriften des Literaturinstituts,— R.) *). Wollen wir aber!,, meine Freunde, die Achtung und daö Vertrauen der Familien genießen, die doch unbedingt nöthig sind, so müssen wir auch selbst religiösgemüthlich sein. ( -pnpT "PM21 ^122?? Zwischen unserm Unterricht und unserm Beispiel, zwischen unserm Lehren und Handeln darf auch kein Widerspruch obwalten. „Ich und mein Haus — wir wollen dem Herrn dienen." Diese Worte Josugs seien auch auf unser Panier geschrieben — *) Etwa« Herrliche« in diesem Genre ist in der Jahrg. 1861, „Bei den Kunstreitern" vdnMori« nur 2 Blätter, aber voll mächtiger.Anregung. irtenlaube Nr. 6 Hartmann, zwar Red.