Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1861-12-01 · 15 (1.12.1861) · p. Seite 118

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
15 (1.12.1861)
Date
1861-12-01
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4896751-5428754-5431974--0176-4896886
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

118 wesen große Verdienste erworben. UnermLdet war er im Erlassen «seif Rescripten zur Errichtung rer' Schulen Und im Abweisen der hunderterlei Eingelenke und Gegenbeschwerren. Mit niecrmüdender Geduld horte er Befchwercen unk Bitten persönlich an und suchte ihnen abzizhelfen und in nur chseiselhaften Fällen durfte der Lehrer, der Gemeinde gegenüber, sicherlich anif Erfolg rechnen. Der Rekurs an die Regierung Seitens rer Gemeinden war dazumal nur formell. Man mußte sich im Voraus abschläglich bescheiden und ging allemal, in ret Regel mit besserem Erfolg, an die allerhöchste Stelle. „D«uS Häuflein Juden macht mir diel zu schaffen!" sagte er einmal zum Schreiber, dieses. Der gute Mann hat es aber in eiiem versehen. Der Gehalt der Lehrer war dem Uebereinkomwen mit rer Gemeinde überlassen und ein Minimum von 150 fl. festgeftellt. 'Das ließ er nun fast überall als Maximn zu, und dadurch entstand das Lehrer-Proletariat in Bayern. Wohl entgegnete er einem sich darüber beklagenden Lehrer: Halbe Arbeit, halber Lohn! Tenn ein RetigionSlehrer hat nur zwei Stunden täglich ». zu unterrichten und hätten sich die Religionslehrer nur daran gehalten oder hielten sich allgemein noch daran und unterrichteten nicht 3 unk 4 Stunden, sie hätten es besonders m größeren Gemeinden zur Errichtung vereinigter Schulen gebracht. Der nur zwei Stunden unterrichtende Lehrer hat aber, dieselben Lebensbedürfnisse ass rer sechs Stunden unterrichtende EleMcntarlehrer. Es bestellen nun in Mittelfranken 32 Religions- und 22 Elementarschul>:n, lercn Statistik in der anliegenden Tabelle *) dcö Näheren an zegeben ist. Sämmtliche Lehrer, die Elementarwie die Religi, nslehrer, werden, von den Gemeinden in der breitest« n Grundlage gewählt,, von rer Regierung bestätigt,'können aber ohne Bewilligung des Königs nicht mehr Entlassen werden. Sie'sehen also, wie rer Mangel einer Definitiven Anstellung an dem allgemein beklagten Lehrermangel keine wesentliche'Schuld trägt, vielmehr in der ärmlichen Besoldung, vornehmlich zu suchen ist. Zn dem Regierungsbezirk Unterfranken besteht bezüglich rer Anstellung rc. rer Lehrer eine ganz andere Einrichtung uns die dortigen Verdältniffe in ihrer Abnormität mit Allem, was noch drum und dran hängt, verdiente einen eignen. Brief, der später folgen soll. Das sei noch schließlich bemerkt-, daß zu jener Zeit der Drganisation res mittelfränkischen Schulwesens i. I. 1828 in der Kreishauptstatt Ausbach eine AnstellungSprüfnng für israelitische Kandidaten abgehalten ward, zu der sich 55 Examinanden emfanren, worunter nur 5 waren, welche ein Seminar besucht hatten. Zch sagte wohleinfanden, aber aus hielten es nicht Alle, denn ihrer ettiche ergriff ein solcher Respett vor den vorgelegten Fragen, die ihnen wie sie sich auSdrückteu, nicht pjTQ vorkamen, daß sie darob sttaks daS Hasenpanier ergriffen und'seitdem nicht wieder gesehen -wurden. Bon den komischen Auftritten hierbei Und von den Beweisen der koloffaken Unwiffenheit namentlich im Pädagogischen Seitens mancher bis dahin als große Lichter in Israel gegolten habender Subjekte und allerlei anderer in dies Fach einschlagenden Erscheinungen will ich schuseigen. Wir sind jetzt Gottlob über derlei hinüber und bewegen uns in normalen Verhältnissen. Als charakteristisch sei noch erwähnt, daß wir Kandidaten, als wir von dem damaligen greisen Rabbiner Hochheimer von dort im nVJE/D geprüft wurden, mit bedecktem Haupt vor ihn unk die Regierungs-Commission zu tteten hatten, während dies bei der Uebersetzung der Psalmen rc. nicht gefordert wurde.*) Wie es jetzt in Ansbach gehalten.würde, wenn dies anders bei dem bekannten erleuchteten Sinne des derzeitigen hochgeachteten Rabbiners Hrn. Grünebaum zweifelhaft -wäre, kann nicht gesagt werden, weil sich seit mehr als 12 Jahren kein Lehrer zur Anstellungsprüfung.mehr, eingefunden hat.— Mit den Zeichen der Achtung, der Hutabnahme, das jetzt Niemand mehr mit rer Religion im Widerspruch erachtet, scheitet für heut« von rer Redaktion und dem „isr. Lehrer." R. E. Märk. *) Folg« na<t. x R. Reccns tonen. Zar jüdischen Geschichte. Unter dem Titel: Laach Haittiai, Zeittafel der bibtischen und nachbiblischen Geschichte der Juden, von der Erschaffung der Welt bis zum Jahre 5560 (1800), von Heinrich Schlesinger — Creuznach. im Selbstverläge des Vs«5fasserS, — in Commision bei Kaufmann in Frankfurta.M. und der Rciff'schen Buchh. in Cobken; — 3.210 — Preis 12 ‘/a Sgr. oder 44 kr. — ist jüngst eine Schrift erschienen, welche wir allen Lehrern bestens empfehlen könne». Sie «vcrden in derselben mehr finden, als sie rem Titel nach erwarten, indem ter Verfasser es verstanden hat, wohlgeordnet, in klarer Uebersicht, einen ungemein reichen historischen Stoff in engem Rahmen zusammen zu drängen und in faßlicher Sprache der Jugend zu bieten. Dieses Büchlein macht die Anschaffung jedes besonderen Buches für die jüdische Geschichte in den Händen der Kinder überflüssig. Wir setzen nämlich voraus, daß jeder tüchtige Lehrer sich zur Geschichtsstunde aus einem oder mehreren der vorhandenen Compendien vorbereite, um diesen wichtigen und interessanten Unterrichts-Gegenstand durch lebendigen Vorttag zu erhöhen und durch Mittheilung der einzelnen Thatsachen und deren Schattirungen zu' würzen. *) In Würzburg wird, jo viel wir wissen, auch jetzt noch bei alum Hebräischen der Kopf dedrctl. R.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.