Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1861-12-01 · 15 (1.12.1861) · p. Seite 117

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
15 (1.12.1861)
Date
1861-12-01
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4896751-5428754-5431974--0175-4896885
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

117 hüten, durch irgend ein Wort, durch irgend eine Miene die Fakta zu verdächtigen, und so da« kindliche Glauben und Vertrauen zu zerstören — ein unersetzlicher Verlust. Wer kann wisse«, ob da« Kind je kräftigen Geiste« genug sein wird, um einen Unterschied zwischen GotteSglauben, Glauben an die ideale Wahrhaftigkeit der Bibel und den Glauben an historische Thatsachen, die vielleicht Mythen sind, zu begreifen! Und dann kommt es im Grunde gar nicht darauf an, ob die Fakta geschehen sind, wie sie dargestellt werden, wenn sie nur innere ideelle Wahrheiten verkörpern, das Gcmüth de« Kinde« ergreifen und zur Basis sittlich-religiöser Ideen werden können. Für da« Kind ist Fakta und Inhalt Ein«, und die verkörperte Idee weit kräftiger, weil anschaulicher, al« die durch Abstraktion und Reflexion gewonnene. Darum erzählen wir also die biblischen Geschichten, wie sie in1 der Bibel un« vorliegen, ohne Hinweglafsung von Passendem und ohne Hinzuthun! Die Schale diene zur Aufbewahrung des köstlichen Kerne« — auch wenn sie später vernichtet werten muß. Merkwürdig! Die denkendsten, llehrer verschmähen es nicht, ihren Schülern Fabeln, Mährcken u. hergl. zu erzählen, und sie Derartiges lesen zu lassen, und da« mit , Recht! Warum finden die bibischeu Historien in ihrem tvunder- und zauberhaften Gewände, die doch weit höher sieben, nickt Gnade vor den Augen dieser und anderer Richter? Daß wir remungeachtct gegen den Vortrag von faktisch Unglaubhaftem sind und da«, j was offenbar mit dem Gottesgeiste, der in der Bibel wehtl buchstäblich genommen nicht iu Einklang zu bringeri ist. ausgelassen haben wollen, versieht sich von selbst. So z. B. die Geschichte der Hexe von Endor. Diese Erzählung, die an und^ für sich nicht in diese Periode fällt, hat der Lehrer als da« darzustellen, wa« sie ist.— als eine Mystifikation Sauls. Er kann da«, ohne da« Kind in seinem Glauben zu beeinträchtigen, und selbst, nach unserein bescheidenen Dafürhalten* und den Erklärungen anerkannter und frommer Gelehrten ohne dem biblischen Gedanken zu nahe zu treten. Wir schließen mit cer 4. These: - IV. Alle biblischen Geschichten, auch die sogenannten Wundergeschichtcn, wenn sie eine sittliche, wahrscheinliche, mögliche, oder historisch-religiöse Grundlage habe», müssen so gegeben werden, wie sie in der Bibel stehen. Da« Ist, was ick über den biblischen Geschichtsunterricht zu sagen habe. Ter sich hieran reihende Unterricht in Bibelkunde und in nachbiblischer Geschichte, erfordert eine besondere Behandlung. Möge die Hingebung, mit der ich arbeitete, vor meinen lieben Freunden mir Nachsicht verschaffen, während ich die Mangelhaftigkeit meiner Arbeit zugestehcn muß.*) K. •) Wir werden in einer der nächsten Nummern einen Nachtrag folgen lasten. _ von fritffc über das israelitische bayerische Tchulwefe t, I '.1 >> s M i t!k Iftra tt ft«.) 3. Briefs. i. Otl Dispens wollte ich ,be Ordnung der ausgestellten peg genorqmen. Geduld! Gele»« ein und sage Ihnen, wq« bei uu« staatlich in Bezug auf Definitivum und Provisorium üglich meiner Abweichung Zragen von Ihnen erbitabe sie mir in meindm v >rhergehenden Brieft fak ich fahr« nun schon ins rc. angeordnet ist. Der Anfang eines geordneten Schmwesms datirt von dem sonst so verrufenen Edikt vom 10. Juni 1813, das in den 88-32 u. 83 die IudenkindersbAder Geschlechter zum allgemeinen Schulbesuch verpflichtet und die Erri htung eigener is^elitischer Schulen gestattet, wenn die Gcmei iden vorschriftsmäßig geprüfte d ehrer anstelle», denen ein G, halt von wenigsten« 300 st. auszusetzen ist. Das war razumel ein großer Schritt Vorwort« und. Schreiber dieses erinn:rt 'sich neck lebhaft aus sc neu Kinderjahrcn, mit welchen v:rkehrten Augur, man die« jüdisch«rscit« . ansah und wicj ein älterer Bruder mit dem pupier, neu Schulsack unter renlArnn n sich unter rie christlichen Kinder und i, das gefürchtete Schulhaus n cken der Kirche zu rem noch nu hr gefürchtete!, christlichen Schuld neistcr wagen mußte. Allmät lig veranlaßte die Regierung auch einzelne große Gemeinden z»r freiwilligen Errichtung eigene . israelitischer Elementarst ulen, wie z. B. in Oetlingen Hainsfurt u. A. G«1 hieß da meistens nniN PCD ■UN “lüDN'Ii/ 1J?- 2pä:er ward auch Fürth zur Errichtung zweier Rcligionsschuler auf diese Weise veranlaßt, und nieder erinnere ich mich aus meiner Bachurimzeit, wie die £ rthvdoxen und Eiferer dort es mit richtigem Blick als den Anfang des Hereinbrcchcns aller "Neuerungen rc. laut beklagten und den Vorstand, der sich dazu entschloß, al« von den n luen Ideen affizirt — ankiagten. Allgemein geordnet ward aber das israelitische Schnlvesen in Bayern, namentlich der diesseitigen Regierungsbezirke, erst durch die allerhöchste Verordnung vom 28. Januar 1828, welche allen Gemeinden, die ke ne vereinigte Rcligionsuni Elementarschule errichteten, die Airstellung eines eigener ReligionSschullehrer« zur unerläßliö en Pflicht machte. Ta war denn ein gewaltiges Rumore, l in Israel und Auftr itte ser burleskcsten Art kamen vor, seren Anführung hier dich zn weit abführen würde, aber auch :es ProzessircnS, de« Nekui sirenS und AppellireuS war kein linde. Wir hatten damals einen RegierungSrath zum Schu referenten, Hr. von Wünsch war sein Name, und der Man r verdient e«, daß er, in «r Kulturgeschichte der Israeliten Bayerns verzeichnet werl e, denn er hat sich uyr da« Schulwesen derselben, nebenbei g sagt auch um das Rabbiner-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.