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Der israelitische Lehrer · 1861-12-01 · 15 (1.12.1861) · p. Seite 116

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
15 (1.12.1861)
Date
1861-12-01
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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116 » — i! Gebiet durchwandern können in diesem kurzen Zeiträume, der zwischen bm 6. und 10. Jahre liegt, ist leicht ersichtlich. — Auch die Auswahl ergiebt sich aus dem Zwecke. Der Geschichtsunterricht soll befruchtend wirsen auf die Entwicklung der ersten religiösen Anschauungen und. Gefühle, und so können unter vernünftiger Beschränkung nur solche Erzählungen behandelt werden, welche einen sittlich-religiösen Gedanken besonders vertreten und zur bewußten Anschauung bringen. Wir sagen: unter vernünftiger Beschränkung.' Denn, wollten wir eine jede, sittliche Anschauungen fördernde biblische Geschichte ohne Unterschied erzählen,' so würde unS auch das wieder weit über dir Grenzen hrnäuSführen, die Zeit und Verhältnisse uns gebieterisch verzeichnen. Wir wissen wohl, daß die ganze Bibel ja nur eie Berfittlichung de» Menschen bezweckt unt religiöse« Leben bewirken will. ES müssen dennoch selbstve siändlich solche Erzählungen wegbleiben, bei welchen vaS Verständniß des sittlichen Gehalts.eine größere Berstanresreife erfordert und dürften selbst solche vermieden werten, welche schon öfters kagewcfene Anschauungen wiederholen, obwohl eine solche Wiederholung einzelner sittlicher Züge in rer Bibel nicht gerade sehr häufig ist. Die Bibel ist auch rarin groß, daß sie, trotz rer Einheit unr Einfalt der zur Erst: einung kommenden Gestaltungen reuncch die größte Mannichfaltigkeit de« sittlichen Gehalts hat, unr eine jere solche Gestaltung eine! besondere neue Idee verkörpert. — Der Lehrer wirk au« riesen erhabenen Bittern' die erhabensten herauüziehen unr besonders diejenigen nachdrücklichst betonen, welche tie Grundlage geschichtlicher Feste bilden. Wir. können uuv wollen rarin. feiner Fnrividualität, feinem subjektiven Ueberzeugen nicht ( vergreifen. Dem Einen tiiiikt in Folge besonderer Einflüsse ries, rem Anreni jenes da^. Vorzüglichste. Wir nesjtnert für den Anfang tiefer Periode von 6 — 8 Fahren etroaj 20 Erzählungen an, ric wir bloS lose aneinanrerreilsen. Dennoch sink wir für. eine chronologische Ordnung unr Verknüpfung, wenn auch riese nur in wenige» Anrenkungen bestehen soll«. In 20 Bilrern wirr sich das frühere biblische Leben wohl veranschaulichen lassen.., « ' Für rigi zweite — höhere Periode, (vom 8. bis zum 10. Fahre» wo das Lese» der Geschichten und gcorrnetes Diedertrzählen hinzu kömmt, wird die Geschichte abermals^ mit re^r Schöpfung begonnen mir möge je in einer Woche eine Geschichte rurchgenommcn werden, so daß raS-ganze biblische Zeitalter in etwa 00—7E Bildern ren Kindern vorgeführt wirr.! Dabei sind Wiederholungen und engere Verknüpfimgen nicht zu vermeiden, so daß nach Ablauf dieser Zeit die Kinder mit den sämmtlichen hervorragenden biblischen Personen und Ereignissen einigermaßen bekannt sind. , Daß vor den geschichtlichen Festen die Hauptzüge der betreffenden Erzählung wiederholt werden.', 'ist sehr zu Glpfehlen. Wenn überhaupt diese. Festtage zur. Kräftigung j des religiösen Lebens vorzüglich beitragen können, so werden! sie es um so mehr, wenn sie einen bewußten Gedanken "verkörpern, und Alt und Jung zum Dank für die gütige Leitung der Geschicke Israels, zur innigen freudig - gehobenen FesteSfeier vereinigen. Ein weiteres Eingehen auf dies Thema ist hier nicht unsere Sache. Es ist dies die Aufgabe der Handbücher für den biblischen Geschichtsunterricht, und der biblischen Erzählungsbüchlein für die Hand der Kinder. ’ Wir haben schließlich nur noch eine Bemerkung anzuknüpfen. Es ist in neuerer Zeit öfters die Frage angeregt worden, wie der Lehrer in der Schule die Wundergeschichten zu behandeln habe? Diese Frage kann nicht umgangen werden; sie ist eine solche, die raS Leben uns stellt.*) Wir müssen uUS, nachdem die Unmittelbarkeit des Glaubens in der Menschheit dem rationellen Denken auch in Bezug aus die biblischen GeschichkSerzählungen gewichen ist, die Frage vorlegen: Ist es unsere Pflicht, oder haben wir daS Recht unsere rationellen Anschauungen in diesem Betreffe in die Schule zu tragen? wird die biblische Geschichte, wenn sie sich absichtlich alles Wunderhaften entkleidet, die gehoffte Wirkung auf das kindliche Gemüth haben? Wir glauben die« verneinen zu müssen. Rehmen wir als möglich an, daß eine biblische Geschichtserzählung sich des Wunder gcwandeS entkleide, dürften wir den Duft von diesen göttlichen Blumen wegblasen, und versuchen, mit farblosen Erzählungen das Gemüth der Kinder zu erwärmen, zu erheitern, und für Religion und Offenbarung des göttlichen Geistes in der Bibel empfänglich zu machen und zu begeistern? Wir halten dies für eben so unmöglich als sündhaft, und wenn cs zuweilen versucht wird) welcht Lächerlichkeiten treten da zu Tage! Biblische Geschichte läßt sich ander« nicht als mit i kindlicher Gemüthlichkeit erzählen, und nur so wird sie wahrhaft verstanden. Mag der wachsenden Vernunft manches in diesen Geschichten später als ein mythisches Bild erscheinen, das eben zur Erziehung des israelitischeirBolkes dienen sollte, wie es jetzt zur religiösen Erziehung des Kindes unentbehrlich ist; mag rer gereifte Mensch einen großen Theil des Wunderhaften aus rer biblischen Historie erklären, wie -er will, (wenn es nur mit Unbefangenheit geschieht, was freilich leider nicht immer rer Fall ist!) gewiß ist, daß er dies später wird thun können, ohne seine Religiösität, selbst ohne seinen Glauben an die Wahrhaftigkeit und Göttlichkeit des Bibelgeistes dadurch! zu beeinträchtigen. Aber der Jugendlehrer kann und darf j der kindlichen Verstandes- und GemüthSentwicklung nicht vor- 1 greifen und er muß unbedingt die biblische Geschichte so geben, wie sie in der Bibel dargestellt ist. Er muß sich dabei wohl *J Liehe übrigen« hierüber Stein« Volk-lehrer Nov. 1860 und den diesem Referate folgenden Anhang.

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