Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 15 (1.12.1861)
- Date
- 1861-12-01
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I, 115 kam mir ein Fall vor, daß ein .Knabe auf die Frage seiner Mutter, , warum er venn beute allein zu Bette sich begeben, da er dieß doch sonst aus Furcht nicht zu thun wage, antwortete: Gestern hat uns der Lehrer den Spruch gelehrt: Ist nicht Bater, nicht Mutter bei dir. Fürchte nicht», dein Gott ist hier. Das steht fest, wo das Wahre mit dem Schönen sich verbindet, erwirbt cs sich, insbesondere bei den unverdorbene» jugendlichen Gemüthern, Freunde und Verehrer. Weiß der Lehrer ein rechtes Maaß unv eine weise Auswahl in den Liecern zu treffen, läßt er namentlich solche, die sich auf die verschievenen Feste u. s. w. beziehen, mit Bersiändniß memorircn, so übergibt er den Schülern einen reichen Schatz, an welchem sie noch in späteren Jahren oft sich erfreuen. Auch auf die hebräische Poesie leite er den Sinn seiner Schüler. ' .Keine Poesie der Welt hat ras religiöse Moment mit solcher Kraft, mit solcher Tiefe und Anschaulichkeit verherrlicht, wie die hebräische. Wunderbar ergreift die hebräische Lyra ras Gemüth und trägt es zu seinem Gotte empor. Es ist keine Unmöglichkeit, die gereiften Schüler in das Berständniß eines Psalms einzuführen, denselben in feiner Totalität auffasien zu lassen; und welche Siegcsfreurigkeit die Schüler nach einer solchen Arbeit empfinden, werden alle Lehrer schon erfahren haben, die den Unterricht im Hebräischen mit einigem Takte ertheilen. Warum, sangen unsere Alten so gerne Liecer? Es war die Macht rer Poesie, die sie dazu trieb. Hegen und pflegen wir diese in uusern Schulen, und wir haben ein bedeutendes Mittel, um auf tta Gemüth teo Schülers erfolgreich zu wirken. Mil der Poesie inuigst verbunden sei jedoch 4) rer Gesang, insbesandere der Synagogen-Gesang, rem wir mehr Aufmerksamkeit, als bisher geschehen, widmen mögen. Der Einfluß ves Gesanges, selbst auf taö rohe Gemuth, braucht nicht nähex! erwiesen zu werden. Wir Alle wissen überhaupt, daß rer Jure gerne singt und am Gesänge ein besonderes Wohlbehagen empfindet. - Suchen wir nur, so viel es in unserer Macht steht, riese vorherrschende. '.Neigung von manchen Abgeschmacktheiten zu reinigen, überhaupt zu veredeln. Am Besten wir fangen damit iu der Schule - an. Erlassen Sie es mir jedoch; Ihnen eine, vollständige! Anweisung in diesem wichtigen Tyeile des Schulunterrichts zu ertheilen. Nur einige Punkte möchte ich Ihnen zu bedenken geben. Ueben Sie Anfangs nur einstimmige Lierer ein. Sie bilden dadurch das Gehör, res Kindes, was doch beim Gesänge die Hauptsache ist, am beste»/ und lassen Sie jedes Lied, bevor Sie es einüben, gehörig auswendig lernen. Ihre "Schüler werden nur die Lieder gerne und oft singen, die sie vollständig kennen. Nehmen Sie bei der Auswahl von Gesängen auch Rücksicht auf religiöse Feierlichkeiten im Hause. Lin Lied zum Ein- und Ausgang des Sabbath, zu rOJI"! wird Anfang« von den Kindern und später auch-von den Men gesungen werden. Zieht der Gesa ,g-im Hause ein, so folgt ihm auch wieder die Gemüthlichkei t, die Weihe, die wahre Herzendreligion. Nehmen Sie au h frisch und muthig den Synagogen-Gesang in Angriff. Nur nicht zuviel auf einmal! Iu der ersten Zeit ein schönes Ein- und' Ausheben, die HETIp -c.. Alles einstimmig, da nit auch die Gemeinte an dem Gesänge sich betbeilige. An den hohen Festtagen berücksichtigen Sie wiederum nur di« Hauptmomente des Gottesdienstes. Haben Sie damit" »em Synagogen - Gesänge einen festen Boden gewonnen, so können Sie nach Kräften weiter pflanzen und auch dem mek rstimmige» Gesänge einen Platz einräumen./ Um Eines möcfle ich Sie bitten! Vermeiden Sie all« Gekünstelte und wenden Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit lauf die tief crgre seUden traditionellen Gesänge. Diese leben! im Volke, und st'ö oft sie ertönen, ergreifen sic das. Herl und stimmen jbö zur.Andacht. Was- Sie Neues einführen, habe denselben Eharattcr. Der Jsraelite hat mm eunnal seine befördere GotteSdienstweise und seinen eigenthüsniicmn Synagogen-Gesang. Ich bin gewiß, behandeln wir f auf [tiefe Weise b< n Gesang in Schule unv Synagoge, so! wird eine wohlthätiae Rückwirkung auf das Haus nicht aüsbleiben. Die Sytiägoge» - Gesänge werden auch im Hause gesungen, wie ra > Viele von Ihnen, gewiß schon erfahren haben und der Religion ibpe Wirkung auf ras Gemüth erringen oelfen. Uebcrhauwt müssen auch wir, itheure. Eollegen, dahin zu streben suchen, daß die Synagog, den Einfluß auf die Ge müther wieder gewinnen, den sie frül er gehabt. Einst war sie der Crt, von rem eine mächtige religiöse Anregung ausging, in dem man Triost, Erhebung und Diese Bedeutung nnnß" sie wieder Kräfte dazu /auf!| Es gilt das unsere göttliche Religion. Hat Kraft und Bedemung errungen, haus, ein Lehrhaus, ein Bethauä ran» kann auch/die Schule ihre/'luf gäbe lösen, rann wird sie dazu bcttragsn, daß ras rel^ öfe Leben im Hause belebt und geträfsigt werte. — elehruug suchte und fand, nhalten. Bieten Sie alle heiligste Kleinod Israels, ynagoge : ihre frühere t sie wiederum ein Gottesfür Alle ohne Unterschied, Biblische Ge c Es lieg/ uns nun noch ob Grundsätze uns bei der Auswahl schichten leiton. Denn daß wir •) Fortsetzung au» Rr. >3. kurz anzudeuten, welche unter den biblischen Genicht lab ganze biblische