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Der israelitische Lehrer · 1861-11-15 · 14 (15.11.1861) · p. Seite 108

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
14 (15.11.1861)
Date
1861-11-15
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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108 entwickln«-! de» Schülers bedeutend einwirken kann, sondern der Religionsunterricht, als die Krone der ganzen unterrichtlichen Lhätigkeit, erhält seine liefere und nachhaltigere Begründung, die nicht blo« auf die Schulzeit, sondern auf das ganze Leben des Schülers sich erstreikt. - Besonder» berücksichtige der Lehrer das poetische Element, und der Lehrer pflege angelegentlichst 3. Dse religiöse' Poesie. Wir können in dieser Beziehung bei Unseren Alten in die Schule gehen. Diese haben nicht nur dp! Grundsätze der Religion, sondern auch die Gebote und Pflichten in Poesieen dargestellt. Gewiß thaten sie das aus dem psychologischen Grunde, daß das Schöne — und die Poesie will ja Natur- und Menschenleben Unter besonderer" Einwirkung rer Phantasie und des Gemüthes in verschönerter Redeform darslellen — überall leicht Eingang und Beherzigung findet. ° (Schluß Briese über das israelitische bayerische ' Schulwesen. lüa« 3»i 111 Ifra n f t n. j. 2. Brief. . * L. R! In meinem vorigen Briefe sagte ich Ihnen von dem gebrochhen LebenSmuth der Lehrer ^und wie ihrer gar Viele ob des Nahrungssorgen alle Begeisterung abgestreift haben. „Auch der idealste Trieb scheitert schließlich am .^Hungerleiden", sagte dieser Tage der Abgeordnete Dr. Völk in der 2. Kammer d. Abg. gelegentlich der Debatte über die Gehaltsverhältnisse der' Studienlehrer. So gerne ich nun über derlei Weggehen möchte, weit einem ob so vielen unverdienten UebelS das Herz oft brechen ntöchto, ich kann davon noch nicht schweigen. Nicht um es noch weiter auszumäle», sondern nur die anzuklagen, welche es verschuldet, unsere Reichen, unsere Gemeinden. Der Wohlstand der israelitischen Gemeinden in Bayern hat sich seit circa 30 Jahr« verdoppelt und verdreifacht und das gerade mittelst-besserer Schuibildung erlangte Geschick, die Umstände gebührend auszunützen, richtig zu kalkuliren und einen soliden Geschäftsbetrieb einem gewagtern unk zum Theil weniger ehrbaren vorzuziehen rc. Wir gönnen ihnen dies von Herzen und sagen i"GT P' Dieser gehobene Wohlstand thüt sich in-allen ihren Lebensverhälmissen, in manchem sogar,,wie, in Putz und Kleiderpracht rc. weit über Gebühr, kund. Unverzeihlich aber bleibts, wenn dagegen rer Lehrer keine crhöheten Ansprüche. haben, wenn er sich fortwährend mit 'einem oft den Lohn eines Handwerkers nicht erreichenden täglichem Einkommen bei dem gesteigerten Preise aller Lebensbedürfnisse I begnügen soll, ja wenn bei Stellenerledigungen noch von! dem Einkommen weggezwackt oder für eine Bagatelle die Vorsängerstelle, welche sonst eine Familie ernährte, dem Lehrer aufgehalst wird. — So wird auch seit mehreren Jahren die Aufbesserung aller Schulstellen, freilich nur aus freiwillig fließen.» sollenden Gemeindemitteln in ganz Bayern betrieben. Der christliche Bürgerstand in größer« Städten und gar manche Landgemeinden haben dem Rechnung getragen. Bon jüdischen' Gemeinden hat davon nichts verlautet, ja es kommt nicht selten vor, daß Gemeinden, wie z. B. die gar fromme Gemeinde MönchSroth, welche mit Beihilfe ihres heiligen (?) Vorsängers die „Jüdischkeit" in ausschließlichem Pacht zu haben vermeint, wegen einer dem Lehrer zuerkannten kleinen Wohnungsentschädigung durch alle Instanzen rekursirten und natürlich dabei erlegen ist. Nur eine Gemeinde in ganz Miltelfranken ist mir bekannt, Bayersdorf, welche ihrem Lehrer freiwillig eine jährliche Aufbesserung von 50 fl-, freilich nur in widerruflicher Eigenschaft. gewährte, und gereicht dies beiden Theilen um so mehr zur Ehre als deren Lehrer. Hr. Sichel in solchen pe». kuniären Verhältniflen lebte, daß die Aufbesserung nicht als Erzeugniß der Barmherzigkeit — in welche» Fällen sich manche Gemeinde zu etwas wohl verstehen würde — erscheint. Man zahlt lieber deshalb Advokaten, spendet Summen nach Jerusalem, unterstützt alles finstere Getriebe, wo es sich geltend macht, nur der Lehrer der Gemeinde bittet und verlangt vergebens. Da nichts zu thun, ist Alles, oft Amon und Moab, einig, und da heißt es in gewissem Sinn □SlJD nbtD crzrra erDDn. denn ruft der Lehrer die Hilfe der Gerichte an, dann vereinigt sich Alles gegen ihn und der eingeschüchterte Lehrer will den Frieden um etliches, oft bettelhaftes Mehreinkommen nicht riskiren. So liegt ein, von dem Schreiber dieses mit bewirktes Minifterialrescript vor, inhaltlich welchem die Religionslehrerstellen mit 150 fl. Ertrag auf 200 fl. aufgebessert werden sollen, aber keiner der treffenden Lehrer hat noch die.Geltendmachung desselben gewagt. Man sagenicht, die Gemeinden müffen Alles ans eignen-Mitteln, durch Umlagen bestreiten. Aber abgesehen davon, daß die Bildung eines Schulfonds nur von ihnen abhängt, so vermögen sie gewißohne Ueber» bürdung ein Mehr zu leisten. (Lur Steuer der Wahrheit -muß jedoch bemerkt werden, daß Fürth von jeher seine Religionslehrer — eigne Elementarschulen sollen erst ins Leben treten — anständig besoldete, und Nürnberg, das bei per ersten Anstellung einen Mißgriff beging, bei der deriualigen durchaus nicht knickerte. Auf dem Lanke und in kleinereit Starten jedoch liegt die BesolvungSfrage ttn Argen. Diese Muthlosigkeit und daö Schwinden eines gewissen Nimbus, welcher früher den-Lehrerstand umgab, hat wohl

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