Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 13 (1.11.1861)
- Date
- 1861-11-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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103 gigtm Aufenthalt wiegt gar schwer in vem Budget eine» Lehrer» mit dem Gehalt und dem Verdienst eine» Handwerker» und zwar, gerade in einer Zeit, in welcher den Meisten Gelegenheit zu einigem Nebenverdienst gegeben ist. Und woher soll die Begeisterung kommen? Ueber Ueberfluß an Dankbarkeit hat sich kein Lehrer zu beklagen und die israelitischen, trotz mancher erfreulichen Erscheinungen, im Allgemeinen gewiß schon nicht. Drum wenden wir da» Wort de» deutschen Dichter», GötheS, an: Da» Beßte in der Welt ist ohne Danks Gesunder Mensch ohne Geld ist halb krankt Die» vorläufig mit dem Versprechen baldiger Fortsetzung von Ihrem bayerischen College» R. E. Märk. Zur Belehrung für Gemeinden und deren Vorsteher. (Äu« Westphalen.) Die Lehrer der neuen Schule haben außer dem Uebel der unsicher» Stellung, de» knappen Salair», de» Stellenwechselfiebers, grober Schulinteressenten auch noch eine Masse namhafter Etcet'ra», deren eine» diesmal mit einem leibhaftigen, lebendigen Beispiel vor die Äugen de» Publikum» geführt werden soll. In manchen Gegenden, die in der Kultur und Bildung fortgeschritten, hat der neue pädagogisch gebildete Lehrer sich schon de» leidlichen Kredit» zu erfreuen und die von Dunkelmännern, die sich die Frommen nennen, auf ihn geschleuderten BerdammungSurtheile verlieren an Zugkraft; in andern Gegenden dagegen hat er noch einen sehr schweren Kampf: „und wäre englisch auch sein Wandel, und wäre jüdisch auch sein Handel, und hätte Gott ihn selbst geadelt, er bliebe doch nicht ungetadelt, vor der arglistig bösen Welt, die nur mit Heuchlern Markte hält." —- Da sind e» gottgelehrte Männer, so den Himmel allein gepachtet zn habe» und vergeben zu dürfen glauben, die nur die Religion in der Derdammniß suchen, baar aller Menschen- und Nächstenliebe, welche die Vorurtheile de» gemeinen oft harmlosen Mannes zum Fanatismus gegen jeglichen Fortschritt entflammen. Noch kürzlich schwebte in großer Versammlung GotteSgelahrter von den Lippen eine» rheinischen Freunde» des Mainzer Israeliten da» VerdammungSurtheil: „die neuen Lehrer sind die Gemeinden M’tamme", und „Beifall wurde genickt". Solche» Gebahren richtet sich selbst, und wir haben für derlei Aussprüche und Ausbrüche der Rohheit keine Kritik. Da» zunächst verderbliche ist aber, daß dadurch das Aufkommen ordentlicher Schulen gehindert wird, die ChederS werden begünstigt und zw deren Verwaltung werden meist aus Polen kommende RebbeS herangezogen. Wir haben gegen die Polen nichts. nichts taugen wollen, sich dienen. Wir wollen keine und sind überzeugt, daß die eigentlichen Polen sich herzlich dafür bedanken würden, in dieser meist ihren Frauen entlaufenen Individuen, die daheim repräsentirt zu sehen. Zwei solcher von einflußreichen Männern Begünstigten mögen hier als warnendes Beispie Namen zur wahren Sache nennen Cin junger wandernder Po e wird in einer ziemlich großen Gemeinde eines mittelrche nischen Städtchens für die Schule aquirirt, obgleich der juitge Mann nicht einmal deutsch sprechen kann. Ueber seine Gellhrsamkeit und Frömmigkeit weiß er Erstaunliches zu verbreiten. Ein edeldenkender Mann ist ihm behülflich zum Studium der deutschen Sprache wie zum lateinischen rc. Ter Pole fühlt sich nach und nach, wandert in eine größere Stadt am Rhein, wohin er seinen Ruhm weislich vorausgeschickt hat, wo er lich einen Anhang verschafft, Chebras gründet rc. Das Haupt der Gemeinde (gleichviel ob Rabbiner oder Verstand) durchschaut die sittliche und deliziöse Tragweite unsere» Helden und läßt ihn unbeachtet. Das verdrießt'den frommen, er wandert nach der noch größeren dritten Stadt und wird nach richtiger Berechnung von dem dangen Rabbiuer mit offenen Armen ausgenommen. Da» nächste Werk aus dieser Verbindung ist ein Frontmachen gegen einen allgimein geachteten Lehrer, der eine Musterschule hat; der soll n cht gelehrt genug sein, und der Pole ist ohne alle Pegim i und Sracha, nämlich — koscher. .Jener Rabbi ist ja heilig — bi nn, bei einer Festlichkeit in einer Nachbargemeinde besuchte <r alle Wohnungen Israels — uin die Kochheerde zu inspiciren. Solches zieht. — Dem Ortslehrer werden sch >n die siebenjährigen Knaben entzogen, denn der fromme Polake soll mit ihnen Raschi knelle». Jener verhält sich wostweislich passiv. Nachdem der Fremdling seine Schafe gefliwren, macht er sich ab, die Gemeinde kommt zur Einsicht und auf den tüchtigen Elrmen tarlehrer wieder zurück. Der Wanderer, begibt sich nieder zur zweiten Stadt, um gegen den dortigen wähernd der Zeit engagirten Religionslehrer, einem ehrwürdigen Menschen mit umfangreichen falmudischem Wissen und klassisch r Bildung, zu intriguiren. Undank' gegen Wohlthäter und ein von jedem ordentlichen Menschen verabscheutes Treiben bezeichnen noch des Frommen Spur. „Weiter gibts Holter nichts Neues mehr von ihm." Ein anderer schon m die I ihre gekommener Pole erbält in derselben Gegend ein Lehrera nt. Alle- Herzen mit Schaalas (Ritual- und Gesetzesfragen strömen ihm zu, so daß eS ihm warm und wohl wird. Jni Laufe einiger Jahre ist er so weit gediehen, daß er seine .£ and nach einer jungen Dame auszustrecken wagt, und die beglückte Familie ist mit ihrem „Ja" durchaus nicht bedenklich Alles geht in Herrlichkeit und Freuden. Die HochzeitSkuch en sind gebacken, die Sauer-