Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 13 (1.11.1861)
- Date
- 1861-11-01
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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! 01 tunt den meisten Gemeinden nicht schwer fallen, dasselbe zu ihren» Gebrauche anzuschaffen und ihren Gottesdienst dariiach einzurichteu. 2. Die lieblichen „Dudaim" von Sulzer umfassen auf ihren 25 Seiten nur Sabbathgefänge und zwar für den einstimmigen Gesang berechnet, doch sind die zwei Unterstimmen, beigefügt Auch wurde mehreren Gesängen nebst dem hebräischen Tert ein deutscher, dem Urtext frei und zwar ausgezeichnet nachgebildet (von I. S Tauber) brigegeben. Der Herausgeber hofft dadurch, sowie durch Benützung der Unterstimmen als Instrumentalbegleitung auch zur häuslichen Andacht beizutragen und den Sinn fiir religiöse Musik im Kreis der Familie zu wecken. Gewiß würde ihm dies gelingen, wenn nur erst unsre jüdischen Familien solche Werke, deren Anschaffung nur ein ganz geringes Opfer erheischen, auch kauften. Sie würden da wohl Gediegeneres und Kdrnhafteres finde», als in manchen Opernliedchen. Doch cS »st ja eben nicht Mode und befürchtet Mancher sich einen unfreundlichen Blick oder ein Nascnrümpfen zuzuziehen, wenn man unter seiner musikalischen Sammlung einen jüdisch-religiösen Gesang, wenn auch mit deutschem Text unterlegt, auffindet. Die Gesänge, von denen mehrere schon in „Schir Zijon" vierstimmig bearbeitet, sind einfach, leicht ausführbar, von Herzen kommend und zu Herzen gehend, wie wir es von Sulzer gewohnt sind, und bedarf das, was er uns bietet, keiner besonderen Empfehlung. Sehr angefprochen hat uns namentlich die Schlußnummer: Psalm . 144, VerS 1 u. 2, nach der alten Melodie vierstimmig für gemischte» Ehor mit Orgelbegleitung bearbeitet. — Die Gesänge sind nur für Chor geschrieben, und dürfte mancher Cantor die dazu gehörigen Soli vermissen. Gewiß würden Biele es dem geehrten Herausgeber Dank wissen, wenn! er bei der Herausgabe des nächsten HefteS für die Festtage, auf dessen Erscheinen wir unS im Voraus freuen, hierauf Rücksicht nehmen und die Soli beigeben wollte. Möchte das Merkchen seinen Zweck erreichen und recht vielen Eingang in Schule, HauS und Synagoge finden! Alsheim. K. Marx, Lehrer und Gantor. Briefe über das israelitische bayerische Schulwesen. ' (Slu« Mittelfranken.) 1. Brief. Sie haben, verehrlicher Herr Redakteur! der isr. deutschen Lehrerwelt und somit auch denen ans dem,speziellen cngern Vaterland Bayern allerlei Fragen in Nr. 7 Ihres „Israelitischen Lehrers", dessen sich seine College« nur recht herzhaft annnehmen wollen, vorgelegt und roifrn b urv Sd uns zugerufen. HX? DnD will ich nt n durchaus auf diesen Fall nicht anwenden, obfchon mir dieses Axiom, in einfacher Bedeutung aufgefaßt, gar nichts Ler etzeNdcs zu haben scheint. Dessen aber habe ich Sie in Verdacht, Sie wollen so nach Lehrerart, einer Art, in der es uns „Halbgebildeten" manche „Ganzgebildete" nicht gleich thun, d trch Fragen und auf die erhaltene Antworten wieder durch dalrauf basirte neue Fragen zum Denken und Ueberlegen, zur ^Klarlegung der-Begriffe und Verhältnisse, und dadurch zu klarem Verftändniß hinfühfeit. Run, ich will mich von Ihhen auskatechisiren lassen, weil sich, wie es scheint, denn doch kein anderer bayerischer College dazu verstehen will. Ich habe in meiner Antwort die Briefform gewählt, weil sich in ihr doch Manches sagen läßt, was in einem logisch georvmten Schriftstücke nicht so angeht, und weil-das Ganze dadr rch eine für Nichtlehrer genießbarere Zurichtung erhält, wl durch sie sich eher zum Zulangen bereden lassen. Wie n^tswendig uns solche Gäste sind, das will ich in einem ankern späteren Brief darthun, wenn es anders der-Gründe, die, mit Fallstaf zu reden, so wohlfeil wie eie Brommbeeren siid, noch 'bedürfen sollte. Drum bor der Hand keine trocknen Gsfetzesparagraphen und kein noch trocknereS Zifferwesen, obwohl sch sie dem Fachmanne nicht werde ganz ersparen können. Ich will sie! ihm aber theilweise in einer Portion, in Fort it einer Tabelle später auf einmal beizubringen suchen. Röthigenfalls darf er'S ja - nur wie die schlechten Arzneieinneh» icr machen unedle Äugen zudrücken, bis die bösen Pillen verschluckt sind. -—Auch, das sei hier vorher bemerkt, daß meine T arstcllungen zunächst nur die mittelfränkischen Lehrerverhältni se im Äuge haben, obschoir die andern Regierungsbezirke im Wesentlichen dieselbe, ' im Einzelnen aber eine andere Färb mg tragen mögen. Sie sollen, in so weit meine Kenntniß davon eine hinlängliche, mit in meine Schilderungen gezogen werden. Nun zur Sache! E» ist dermalen Friede zwi cheu Israel und seinen Lehrern und wenn auch nicht ein fruler Friede,, der gemeiniglich den Krieg in sich birgt, so d>ch ein todter Friede, ein Friede auf Kosten rechtlicher wunschenöwerther Zustände. Weiland, vor etwa etliche und dreißig Jahren war das anders. Da war ein Leben und 9 egen, ein Kämpfen und Streiten, wobei zwar kein Blut, ol er doch viel Tinte geflossen und wobei das Rechte ttnd Gute, öas Neue und Bessere, der Fortschritt zum Austrag kam. Die neuen Ideen, die besseren Methoden, die „neumodischen" Awchauungen machten sick etwaS breit; so ein, in einem Seminare gebildeter Lehrer wollte etwas Selbstständigkeit bea^! pruchen, wollte die ITTIC/ spielen, den allmächtigen Pärn'eh nicht über sich gebieten lasse», die alten frommen Religion »brauche nicht mehr strickte mitmachen und sie bekritteln; er nullte nicht» mehr von dem bettclhaftcn Roschchodesch-Geld rc. wissen, und seinen Gehall