Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 13 (1.11.1861)
- Date
- 1861-11-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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99 sein. Er erzählt von dem Segen Isaaks an Jakob und nur die schlimmen Folgen eine« Hintergehens, eine« Betrüge«, insbesondere gegen den Bater auSgeüb:, könnte besprochen werden. Hier von göttlicher Fügung, von der Folgsamkeit Jacobs auf den Befehl der Mutter rc, sprechen wollen, wäre ein Jrreführen der sittlichen Begriffe. Doch, wir können unser Beispiel noch viel früher nehmen. Die Geschichte von der Weltschöpfung könnte einem Lehrer Veranlaffung geben zu sprechen a) von Gotte« Dasein und Einheit b) von seinen erhabenen Eigenschaften, seiner Allmacht, Weisheit, Güte, Ewigkeit, seiner Unabhängig, keit (er ist nicht mit der Welt identisch, denn er hat sie erschaffen, er bedarf ihrer nicht) c) Bon GotteS Willen 1) der Welt zu nützen; 2) thätig zu fein, 3) die Sabathe zu heiligen, von der Ebenbildlichkeit de« Menschen, mithin Achtung vor der menschlichen Persönlichkeit in und außer Dir! Yp pN> würde da« dem Kinde nicht am Ende einen Wust in den Kopf gießen heißen, ein Labyrinth ohne Ariadnefaden? — Da« Kind mit gesundem Menschenverstände sieht an Kain den Neid und seine Folgen. Nur Mißverstand könnte noch von Heuchelei, Opferschuld, Dankbarkeit gegen Wohlthäter, Lieblosigkeit gegen nächste Verwandte, und von allen Folgen des Neides, mit allen seinen Abarten, etwa noch von unseren Pflichten gegen das Leben des Menschen (zuletzt gar noch von den Pflichten gegen da« Vaterland, weil Kain als Strafe unstät und flüchtig in fremde Länder ziehen mußte) als hierhergehörig sprechen wollen. Eine Lehre, und diese nur, soweit sie mit ihren Folgen klar und deutlich am Gang der Geschichte selbst sich erkennen läßt! Nichts verdirbt den Kindern mehr den Geschmack an den schönen Geschichten, als sulche untergeschobene Urtheile, die nicht auf dem eigenen Boden de« Geistes erwachsen, mit dem Gehörten nicht im nothwendigen'Zusammenhänge stehen. Nichts isst unnützer, als die Anpreisnug von Gedanken und Thaten, deren Werth vem Kinde unklar ist. WaS die Kinder diese« Alters ans die einfache Frage des Lehrer« nicht selbst wissen, das ist noch nicht für sie vorhanden; und man gräme sich darum nicht, wenn man einen schönen Gedanken, den man selbst hat, nicht anzubringen vermag, weil sie den inneren Zusammenhang der Thatsachen noch nicht begreifen, weil sie für manche traurige Folge der Sünde, selbst für manche Sünde noch nicht die Erkenntniß gefunden. Sie kömmt zuweilen zu früh. Oder sollte e« nicht psychologisch begründet sein, daß da« Verständniß der schlimmen That, der Sünde, erst mit der Sünde selbst kommt, und daß wir uns darum i freuen sollen, wenn wir mancheharte Ürtheil über geschichiliche Personen vor ihnen verbergen müssen, weil wir den reinen Dust ihrer unschuldvollen Seelen nicht verwischen wollen? Desgleichen ist so manche gute That dem Kind, so selbstverständlich, daß wir e« kaum wagen dürfen, sie hervorzuheben. Ein Beispiel! Die Opferung Isaak« wird bei den Kindern wohl Erstaunen, Ehrfurcht, aber weder >;unoch Abneigung, durchaus kein eigentlich sittliches Gefül l erregen; die Gründe mag sich jeder Lehrer selbst zurecht legen. Doch, um da« Wichtige zu widerholen: Nirgends mehr kann man in der Schule des Guten zu viel thun, und ilichts verleidet den-Kindern chehr den Geschmack am Unterrichte, als wenn ihnen das Selbsteigenste des Menschen — G -fühle — zugemuthet werden, die sie nicht haben, Gedanken, d»en Verständniß ihnen nicht offen ist, wenn sie bei Erzählrngen Liebe und Abscheu, je nach dem Willen eines Anderen« nachempfinden sollen. E« hilft nichts, wenn Ihr den Kiiidern Worte in den Mund leget, die für sie keine Bedeutung haben. In Allem, wa« nicht gegeben werden muß, im Menschenherzen selbst liegt, mendienste.verrichten. Alle« 8Korsagen (Lordociren) Ein blasen ist gemacht, taugt nichts dirht, hier z. B. den Kindern den Geschmack an den schönen Geschichten, —. es fürchtet den geistige Bilder, die e« sich col, rirte nach seiner Weise, die ihm nun verzerrt und verschmiert werden. E« weiß nicht mehr, wgö mit ihnen machen, mit mehr Lust an die Geschicht, terher die Zeit bi« zu einer andern so lange gemacht würde. in Allem, wozu der Keim darf der Lehrer nur Hebamkann nur schaden. E« ver- Nachtrab, — eS waren ihm ES ^würde schon anfänglich gehen, wenn ihm nicht hin- Ündhafte, der älteren und — für gewecktere Kinder, daß Dg« ist da« Uebel, das Z>L neuesten Schule — ein Popant sie dem Kinde anfnöthigen, eimrichtern will) wa« entweder gar nicht, oder doch zur Zeit, I wann eS geschieht, nicht für sie taugt; daß man den kleinen Füßen große Schuhe anziehe», «und dann sagen will: geht, sie sind euch angemessen passend! Wir, die Lehrer der rationell-didaktischen Schule geben nur das, was uns genommen wird, was der Diät des Geiste« angemessen ist, was un« genommen wird'durch den von un« gereizten Geistesappetit unsrer Kinder. — — Will man zuweilen zur Festigung eines sich au« der Geschichte entwickelnden Gedankens einen passenden leichten Bibel- oder LiederverS — wie in Flehingers Geschichte — geben, so haben wir nichts dagegen. Es nag zuweilen gut sein. Es erfrischt die Kinder, gibt Anhaltspunkte. Aber , auch hier ist zuviel ungesund.^ Diese Spricht und Liederverse müssen vorgesprochen, und nachdem sie! verstanden find, durch öftere Widerholung dem Gedächtnisse eingeprägt werden. Wir stellen al«. dritte These auf: III. Die Form des biblischen GeschichtSunterrichtS-ist vorwiegend die erzählende, und jwar die erzählende, durch den Lehrer. Die Geschichten werden in einzelnen Bildern — Geschichten, nicht Geschichte« — gegeben. Eisst nachdem die Kinder durch den Lehrerj mit der Erzählung hinläng-