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Der israelitische Lehrer · 1861-11-01 · 13 (1.11.1861) · p. Seite 98

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
13 (1.11.1861)
Date
1861-11-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 Wisse»» nab nimmt an allen Kämpfen und Bestrebungen der Gegenwart Theil; unser Gemüth wirb nicht mehr so unmittelbar beängstigt unb verwundet, eS verlangt darum auch nicht -mehr so lebendig nach einem.Tröste. Die Abgeschiedenheit, die Verfolgung sind verschwunden, mit ihnen aber auch jum Theile die Wärme, die Innerlichkeit de» religiösen Leben», und Lauheit und Gedankenlosigkeit haben ihre Plätze eingenommen. Sollen wir unser Verhalten $ur Religion in einem Satze auSdrücken, so könnte, er. so. lauten: An die Stelle der früheren Unmittelbarkeit des Glauben« ist die religiöse Erkenntniß getreten; durch diesen Prozeß hat jedoch Uttser Gemüth an Wärme, Tiefe und Innigkeit bedeutend Schaden gelitten. In welchem Zusammenhänge, diese Auseinandersetzung zu unsrer Frage stehe, ist leicht ersichtlich. Ich wollte von vornherein der Meinung entgegen treten. als wäre e» uns überhaupt möglich, eine dahin geschwundene Zeit, eine dahin schwindende Anschauung mit dem Zaubrrstabe >ir Pädagogik wieder in» Leben zu rufen. Geben wir un» überhaupt keinen träumerischen und trügerischen Hoffnungen hin. Der Lehrer vor Allen muß seine Zeit, muß ihre Forderungen, ihre Schatten- und Lichtseiten genau kennen; Di«. Religion will jetzt einmal ihren Weg durch den Verstand in das Herz nehmen. Sir spricht zu ihren BekeNnern: Erkenne mich, prüfe mich, erfülle deinen Geist mit meinen Schätzen, und du wirst mich liebend umfassen, wirft dein Leben heiligen und verschönern durch mich. Dahin geht die Richtung unserer Zeit — klare religiöse- Erkenntniß und au» dieser von selbst kommende warme Begeisterung. Wahrlich, hat unS da» Licht dqr Religion erst recht erleuchtet)" so werden seine Strahlen auch unser Gemüth wieder erwärmen und den kalten Hauch verscheuchen, der uns drückend umfängt. (Fortsetzung folgt.) . . Biblische Geschichte.; Ein Conferuijrestral. - (Fortsetzung.) In der, der Erzählung durch "den Lehrer felgenden biblischen GeschichtSstunde wird von den Kindern erzählt. Eine» derselben, da» will, da» den Finger aufhebt, erzählt;- die andern corrigiren, wenn sie etwa» besser wissen. Sie brauchen nicht stille zu fitzen, .wenn sie ein« Lücke zn der Erzählung i ihre» Mitschüler» bemerken; ja, sie dürfen die Finger aussheben, und selbst, wenn sie nicht bemerkt werden, -«infallen ip die Erzählung. Da» hat nicht» zu bedeuten. Ein guter!Lehrer freut sich diese» Wettkampfe», dieser Regsamkett, biffer lebendigen Theilnahme. Ich bin kein Freund zu großer Stille iu der Schule. Etwa» Lebendigkeit, etwas Beweglichkeit wird Man den Kleinen wohl verzeihen dürfen. Ich erlaube mir hier zu bemerken, daß die DiSciplin nicht daruMer Roth leidet, wenn man hier dem jüdischen Charakter, — dem beweglichen, etwas nachgiebt. — Natürlich darf da» nicht in Wirrwarr aoSarten. Die bedeutenderen Stellen, insbesondere alle von Gott gesprochenen Worte, Sentenzen, werden von der ganzen Klasse zuerst einzeln, dann im Chore nachgesprochen. In der zweiten Periode des für den biblischen Geschichtsunterricht bestimmten Zeitraumes, wo die Kinder schon geläufig lesen können, (im Alter , von 9 — 10 Jahren) kann auch eine biblische Geschichte den Kindern zum Nachlesen in die Hand gegeben werden. Auch in der Schule darf dann zur Abwechslung einmal eine Geschichte gelesen werden. Wir halten jedoch die mündliche Erzählung durch den Lehrer jederzeit fest, sie muß allem Anderen vorangrhen. Nachdem nun der reale Inhalt dtr Geschichte dem Kinde vollkommen bekannt geworden, kann der Lehrer ins Auge fallende Lehren au» derselben entwickeln. Wir sagen geflissentlich ins Auge fallende, weil mit den „guten Lebren", welche aus der Geschichte gezogen, oder besser mit den Haaren in dieselben hineingezogen-werden, zuweilen großer Mißbrauch getrieben wird. Wir halten'e« aber für eine pädagogische Sünde — und da« sind Todsünden — wenn sich der Lehrer nicht zu beschränken weiß. Hier nun z. B. muß dem Lehrer genügen, wenn er auf die Fragen: wa« hat Euch an den Personen, von welchen ich Euch so eben erzählte, (von welchen wir sprechen) gefallen? waS mißfallen? Welche Handlung ist löbenS- und nachahmenswerth, welche verabscheuenSwerth? wie nennt man eine solche Handlung, den, der so handelt? Er lasse dann die Kinder sich aussprechen, hüte sich aber wohl, dem Urtheile der Kinder vorzugreifen, ihnen ein solche» octroiren zu wollen. Die Geschichte hat ihren sittlichen Werth für das Kind verloren, sie ist ihm unnütz, wenn das aus ihr zu folgernde Sittengesetz nicht 'alsbald, auf die erste Frage des Lehrer«, ja schon während der Erzählung, vor die Seele tritt. Dem Lehrer fehlt eS an ^ehr- und Erzählergabe, wenn er nicht im Stande ist, so vorzutragen, daß schon bei der ersten Erzählung des Kinde» Auge aufleuchtet, wenn von einer, guten sittlichen Handlung die Rede ist; wenn es nicht eine gewisse Abneigung verspürt, sobald ein« schlechte Handlung an den Tag tritt. Die» Selbsturiheil de« Kinde« in die rechten Worte zu fassen, eS zum klaren Ausdruck zu bringen, mit andern verwandten Gedankenreihen zu verbinden, da« «ist die Aufgabe der GeschichtS-Katechisation — nichts weiter. Erweisen wir das Gesagte durch ein Beispiel. . Der Lehrer erzählt die Vorgeschichte Jacob» und EsauS. Er erzählt wie Efau dem Jacob die Erstgeburt verkaufte, und nur von dem Leichtsinne Esau» etwa kann da die Rede

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