Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 13 (1.11.1861)
- Date
- 1861-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4896751-5428754-5431970--0153-4896865- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jährlich 2t Kammern, »m 1. nab 15. jeden Monat«. Prei« t2 kr. «der 12 Lgr. halbjährig. Ein Organ Israelitische für die Schule, die Familie und Lehrer. das Gemeindeleben - des Anzeige« z« 5 kr. oder 1>/r Sgr.die-etitzeUe. VesteLunge» nehme» ale V»chh«»dl»»ße» n»d Postämter an. Judenthums. Herausgegeben von Nr. Emanuel Hecht, I. Klingenstein und A. Treu. N°. 13 D armstadt, den 1. November 1861. Was kann die Schule dazu beitragen, um das religiösgemnthliche Leben im Hause zu beleben ' ' - und zu kräftigen? Ein Eonsercnz-Referal.») * (gut Lehrer« ersaininlung in Kenstadt a. t. H. am 29. kePiember 1961 ) Aus zwei Quellen entsprang der Strom der tief religiösen Innerlichkeit, die das jüdische Haus früher auszeichnete: aus der Unmittelbarkeit des Glaubens nnd der Abgeschiedenheit von dem öffentlichen Leben; zwei heftige Eruptionen scheinen diesen Ström in seinem Laufe hemmen zu wollen: der überall erwachte Drangt aus der religiösen Unmittelbarkeit zur religiösen Erkenntuiß zu gelangen, und das Bestreben, tyi sozialen Separatismus aufzugeben und dem Leben der Völker sich anzuschließen. Es ist' nicht zu leugnen, daß die früheren Geschlechter die Lehre», Gebote und Ueberlieferungen der Religion ganz anders an- und aufnahme», als das heutige. Von einer Prüfung, einem Zweifel, einer Vergleichung des eigenen Religionsshstems mit dem anderer Nationen war bei ihnen gar kein Rede. Die Religion war chnen über allen Zweifel hoch erhaben,.ihr mußte alles Denken sich unterordnen. Aus diesem Grunde erfaßte sie auch den ganzen Menschen mit einer unwiderstehlichen Macht, und breitete über alle ihre Anordnungen einen Zauber, der das religiöse Gemüth elektrisirte. Ganz anders ist eS in der gegenwärtigen Zeit. Seitdem Mendelsohn in seinem Jerusalem den Charakter des Judenthums "anderen Religionen *) Diesem schönen Vertrage de« Herrn Lollegen Frankan« Landau werden wir die nicht zum Borirag gekommene Arbeit . unsere« 8reundr« Singer van Fraukruthal über denselben Gegenstand folgen lassen. Die Frage ist zu wichtig, al« daß eine vielseitige Beleuchtung nicht sehr erwünscht sein sollte. Einzelar« hierüber gelegentlich der Lersammlung Geäußerte« wird da« Protokoll bringe», da« wir »och erwarten. Redaktion. gegenüber zu bestimmen suchte, das Judenthunr mit anderen GlaübenSformen verglich, dasselbe in seiner Eigenthümlichkeif mit wissenschaftlicher Schärfe dar;.»stellen suchte, — war der Zauber der Unmittelbarkeit für immer gelöst und der mächtigste Impuls zur Umwälzung teS ganzen jüdisch-religiösen Denkens nnd Empfindens gegeben. Die Nachwirkung dieses Anstoßes fühlen wir Alle recht lebhaft. Seit einem halben Jahrhundert beschäftige» sich die edelsten Geister der Judenheit mit der Feststellung des Wes mS mnd der Form de» Judenthums. In unseren Lehrbüchern, den kleinen und den großen, auf unseren Kanzeln, unsre» Kathedern selbst in der kleinsten Dorfschule spricht man -von dem Kampfe um und über diese Materie. Dadurch t un, daß die Religion ein Gegenstand der Untersuchung geworden, hat auch die alte Glaubenseinfalt dem religiösen Denken den Platz räumen müssen, und der Schwerpunkt der Religion befindet sich nicht mehr im Gemüthe, sondern im Verstände, eine Erscheinung, deren Rückwirkung auf das' religiöse Leben überhaupt nicht ausbleiben konnte. Erwägen wir nun weiter die soziale Lage unserer Glaubensbrüder, ihre Absperrung von der ^übrigen Welt, die Lieblosigkeit, Verachtung, Verfolgung, die sie zu ertragen hatten, so ist uns wiederum erklärlich ihre Apathie gegen die Bewegungen ihrer, Zeit und die Einseitigkeit, darum auch die Innigkeit, womit sie sich gerade an die Religion anschlossen und in ihr Ersatz suchten für all die Leiden, die sie erdulden mußten. Jemehr di: Drangsale von Außen sich häuften, desto »tiefer verlangte las beängstigte Gemüth nach einem Droste. Und diesen ganz« Trost bot ihnen wirklich unsere göttliche Lehre. Daher nach ihre tiefe Verehrung gegen. sie. Wie ist es nun aber heute? Ich brauch« Ihnen m. H., unsere Zustände nicht n iher zu schildern. So viel steht fest, unser Geist wird nicht Religion beherrscht, er versenkt mehr ausschließlich von der sich in alle Gebiete des