Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 12 (15.10.1861)
- Date
- 1861-10-15
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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93 wort: „Wie du rufest in den Wald, die Stimme dir entgegenhallt," gilt in der Psychologie wie in der Moral. Der Eigensinn der Kinder zeigt sich da am meisten, wo sie am wenigsten verstanden werden, und wo man sich am wenigsten Mühe gibt sie zu verstehen. Die Unart wächst nnt dem ihr entgegengesetzten Widerstreben und wird zu Trotz und Hartnäckigkeit, besonders wenn aus dem Widerstreben keine gute Absicht hrrv erleuchtet. Je mehr das „Ich" aus seinem Dunkel hervortritt und sich zu fühlen ansängt, desto bestimmter stellt es seine Forderung zur freien Entfaltung und desto stärker agirt es gegen Hemmnisse. Mit leider zu vielen Beispielen aus der Kinderstube, aus dey Neckereien der Großen (Kinder) mit den Kleinen, (nicht auch aus manchem Schulzimmer?) läßt sich die Wahrheit des Gesagten beweisen. Ein Mädchen wird mit einem Kinde, das eben laufen und greifen kann, hinaus in die warme Frühlingsluft geschickt. Den Kleine» lebt Alles, sie wollen selbst mit dem leblosen plaudern. Das Kind greift unterwegs nach Steinchen und nach Blumen, Gegenstände, so der Wärterin kein Interesse abgewinnen, um so weniger, da sie irgend eine Bekannte oder etwas Liebes weiß, womit sie zu plaudern gedenkt. Das Kind will seine Steinchen oder Blumen, das Mädchen will weiter, ärgert sich, schimpft weidlich und schlägt das Kind, reißt eS mit sich fort, während Händchen und Oberkörper rückwärts nach dem Gegenstands seiner Luft — wider— streben. — AuS der Elementarschule werden Lehrer r selbst Beispiele finden.! Angenommen: Ein lehrerlehrender Professor, der die Wurst-Sprachlehre treibt; erhält als Beleg für eine gelernte Regel einen Satz aus irgend einem Lesebuch. Ter Lehrer ist ergrimmt, weil er die Beispielosätze aus dem Wurst durchaus will. Der Schüler wagt schüchtern — jedoch voreilig — die Meinung auszusprechen, daß ein Beispiel nur beweisen solle, daß die Sache verstanden sei. Darüber wird der,Lehrer wüthend —^ und befiehlt, daß alle Beispielssätze aus dem Wurst-Buche der Reihe nach von der ganzen Klasse auswendig gelernt werben sollen, und in der Sprachstunde nur die Beispielssätze aufgesagt werden müßten. — Ein anderer Schüler bemerkt im flehenden Tone, eö würde ihm schwer die unzusammenhängenden Sätze. §. 9. „Feuchter Lehm ist weich," bis „derjenige Griffel ist unbrauchbar" der Reihe nach auswendig zu lernen. Der Lehrer jagt letzteren Schüler hinaus und bleibt dabei, nur die Beispielssätze in der Sprachstunde zu überhören. — Würde ein solches Faktum, wenn auch nur theilweise sich auf unfern Gegenstand beziehend, nicht hinreichend die Macht der Individualität im Schüler und mehr noch diedH wahrhaft individuellen Lehrer« an den Tag legen? In dem Individuellen IV ents ebt sich das Einzelwesen der ruf zu sein, was e« seiner steht gegenüber das Ideal Lattung auf »in Einzelwesen Gattung, ohne dasselbe hört es Natur nach sein sollte. (Ihm des Dichters, der all^Züge ver üherträgt.) Das Individuell eiüer Gegend, eines Gemäldes, eines TonstückeS ist das Chai akte nstische, und ein Mensch dem man „Charakter" beilegt, ist d r Auszeichnung werth. ihm weiß man, was man bät, Handeln läßt sich im Borais stimmen. Wir haben eS h er thun, der aus sittlichen Grund ätzen zu einer freien, festen Selbstbestimmung gelangt i st. Bosheit oder Thorheit wollig Neigungen und Strebmigen allein die Ehrenkrone erhält. An sein Denken, Sprechen und «uS seiner Individualität be- 1 mr mit dem Seltenen zu n^jir uns nicht einlassen, denn „Der Narre gilt zum Bedie Alten-haben schon gesagt: weise nicht." ' Die Schule hat eS nicht m^t dem. ausgebildeten, sondern mit dem werdenden Menscher zu Sinn des Wortes hat sie >ich auch keine Charaktere entlast':», vollende», jedoch muß sie.fir thun, Charaktere im weiteren und kann in den Schülern Das Leben j muß zur Reife das Leben vofbereiten. Aber das Individuell - Charakterif isch e, das sich in des Schülers ünl' lauschen um daraus den Au?ba r des inneren Menschen nach der Menschheits-Idee auSziijühr en, und dadurch das Ihrige zur Charakterbildung beizntiagln. — DaS Wissen allein ist ein' Besitz und zwar ei» köst ich, r Besitz, aber sein Werth ist je nach'der Anwendung imnerhin ein fraglicher; das was der Mensch ist, sein Gesinnt — sei», das entscheidet vor Gott und Mensch über Würde a nd Werth deS einzelnen Menschen und bestimmt seinen ^litz als Glied in der großen Kette. Wissen ohne Charak er leicht zur Handhabe des Bölen ohne gute Gesinnung wird und deS Lasters. Der Lehrer darf eS nimmer zngcbcn, da; ci uf Unkosten deS sittlich Guten im Menschen das Wissen durch oft verderbende Reizmittel die in ihrem Materialismus charakteristisch,, d. h. die nur anerkennt. >oaS sich leicht in Geld übersetzen läßt, was am schnellsten zn Brot^ und S teil: führt, die Eltern auf das praktisch anwendbare Wissen klug und geschickt geht da über gut und recht; zwar steht de: si agliche Gegenstand auf keinem Lexionsplane und der Schule buch in die Schul; zwar feblt auf dem Prüfungsprqgramnl'e Menschen Liegende, das stinc wird vor den Zuschauern k<im darf den Lehrer nicht verführen ein Mann von Charakter und der Schüler zeigt, pm zu übi rsthen das, was, er ist. Und der Lehrer selbst? <r nuß auch ein lganzer Mann. Mit den Charakteren auS gibt, hat f« sorgsam abzu¬ Zwar sehen in unserer Zeit, bpingt für denselben kein Lehrer bei öffentlichen Prüfungen und daS tief bescheiden im Wesenheit äusmachen soll. Prämie erhalten: aber das sich zn freuen über daS, was Gesinnung sein,i er muß wissen