Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 12 (15.10.1861)
- Date
- 1861-10-15
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
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92 und Forscher von neuen Versuchen jtbf H recken und, die Schule zum General-Mechanismus herabwürt igen.. Ein jeder Autor, falls er im Dienste der Wahrheit zr wirken glaubt, muß feierlich gegen eine Protektion, die fein Werk obligatorisch machen will, sich erftären. — Allen Lehrern eine gleiche Methode, Lehrweise, Disciplin rc. vorsfl reiben und ab — verlangen zu wollen, würde noch unnatürl cher und unvernünftiger sein, alb;u wünschen,. „dN allen Bäumen eine Rinde wachse." C X ~ : II. ' i Ehr Blick in die Menschennttnri, nämlich da, wo sie ihrer Quelle nabe sieht u»d noch weiyg verkrümmt und verkümmert ist, zeigt dem sinnigen Beobachter die Strebungen der Individualität im schönsten Lichte Temperament, körperliche Zustänre, Umgebung rc. wirken r on Außen ein und fübren den inneren! Menschen auf all di, verschiedenen Bahnen, worauf-wir und unsere Brüder und Schwestern im Leben auseinanrcrgehfn; aber sind diese Anregungen von Außen allein durum Maßgebend? Wohl sagi. man mit Recht: „der Mann wird esst im stampfe mit den Leben." „Die Umstände, Pie LebenSverhältniffe haben ihr dazu getrieben!" Wo aber liögt tiej erste „Spur"? Was trieb diesen hinaus, i.ud ihm ^en Antrieb sich in die Welle muthig zu stürzen und den Tkanwf mit dem Leben aüfzr nehmen, während sein. Bruder-gemüthlick daheim sitzt, die D.i nnerwoiken über seinem Hause hinweg ziehen läßt und irn ka ten Wiüter bequem am häuslichen Hwrde vom väterlichen Erbe^ zebrt?— Den langsamern leiblichen Wackstlfum haben wir nicht als Ursache, sondern^ elwr/ als Folge derigeistigxn E, twickluug zu betrachten, welche hortn ährend eine gewisse Besch chliknug ans 'die leiblicke ansübt. D e höhere Pollkcminenheik der menschlichen Seele kann dciunao nickt bloß «ine äußeresondern muß eine in nere und Qualitative sein, das innerste. Wesen ihrer Urkräst^ selbst treffen.*)!—'Zwilli>,ge, die unter gleichen Verhältnissen und Unistänven aufwachsen, dieselbe Erziehungsweise genießen, von kersölbcn Muttermilch genährt werden, geben dennoch in ihren Neigungen und Strebungen auseinander. Die Forderung der Individualität an den Erzieher macht tasBiljeungS- und Erzieh ungsgeschäst zwar interessanter aber zugleich auch^ schwieriger, denn von-den „allgemein gültigen Sätzen, die Jedem gelten sollen" ^veiß die "Pädagogik nur da zu sprechen, wo°^e? sich um das'allgemein Menschliche handelt. — In dem Hause wie n der Schule leitet den Erzieher Liebe zum Menschen, Acht» ng-vor seiner Natur und deren Erscheinung, Forscherblick iw d da« Gute und Rechte erzielender Wille am sichersten. D,mit sei jedoch keineswegs gerade ^em Lehrer dgS Studium, päd igogischer Werke und den *) Äeneke, Lehrbuch der Psychologie. Vergleiche: Schützes Phy. solche Sntropologie. Eltern das aufmerksame Lesen von Erziehungsschriften als etwas Ueberflüssiges abgerathen; im Gegeytheil: wer Andere erziehen und bilden will darf in der Erziehung und Bildung seiner Selbst keinen Augenblick stille stehen, für ihn haben die großen Meister in ihren Werken GeisteSsaat und Gedan, kenkeime ausgestreut, — und die Jungfrauen und jungen Mütter würden sick verdient machen, wenn sie einen großen Theil der Romanliteratur zum wenigsten mit guten Erziehungsschriften vertauschten. - Hk. In jedem Menschen sollte uns ein sittlich freies Wesen, das wir um seiner Selbst willen hoch zu achten und als solches zu betrachten verpflichtet sind, rntgegentreten. Das Individuelle in ihin ist cd eben, was ihn zu einem selbstständigen geistig-freien Wesen stempelt. Der Autoritätsglaube im Bunde mit der Despotie unterdrückt selbstverständlich das Individuelle in Lehre und Leben, weil beide nicht die Wohlfahrt des Menschen.und seines Geschlechts zu fördern suchen, sondern die Menschen den selbstsüchtigen Plänen Einzelner zu opfern das Recht sich anmaßen. — Der Schüler ist nicht des Lehrers und her Schule halben da, beide sollen für ihn und durch ihn füd die Menschheit wirken, der Lehrer ist blos ein Diener am heiligen Altäre, und fordert Freiheit im heiligen Dienste— er fordert sie nach bestem Willen und freier Ueberzeugung. Ter Gedrückte' und Unterdrückte kann nur Sklaven abrjchtcn -ierziehen! darf er nicht. Die Freiheit des Individuums im Schüler jzu wahren und zu pflegen hat. rer weife Sälcmon tem Lehrdr in einem sehr wichtigen pädagogischen Lehrsätze dringend ans Herz gelegt, die Regel lautet: *£ b'J «Leite den Knaben nach seine» Weise."' Diese, seine Weise zu erforschen und danach zu handeln, daö ist das schwere Werk des Erziehers, der somit ein umgekehrter Sün'scher Rodin zu werden die Aufgabe erhält. Während Rodin zu seinem verab scheuungöwürdigen, schändlichen Ziele dadurch zu gelangen strebte^ daß er die Leidenschaften' der von ihm zu Opfern Ersehenen in Trieb setzte, hat der Erzieher die individuellen "Neigungen und Strebungen im Dienste des Wahren, Schönen und Guten zu lenken, durch sie zu. erziehen. — Jede Strebung sucht Befriedigung; diese kann durch Gewährung oder Ersatz bietende Ableitung zu Wege gebracht werden. Wer ihr aber aus Mißtrauen gegen die Menschennatur oder gar aus. Verachtung derselben entgegen tritt, der zerstört die aufkeimende Saat, oder erregt im andern Falle Mißtrauen, Eigensinn, Trotz aus bösem Willen, hervorgerufen durch Voraussetzung des bösen Willens. — Das Gleiche sucht sich, im Andern sucht man sich selbst zuerst. Das Sprich-