Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 10 (15.9.1861)
- Date
- 1861-09-15
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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74 und Besseren alle, in Israel upc ver Menschheit! Laßt, unS uns erwärmen, an heiligen Erinnerungen, an Bildern muthvoller Entsagung, freudiger Hingebung. ' ' llnb wenn daS neue Jahr kommt, und den Blick in eine neue Zeit, in eine neue Zukunft eröffnst, laßt , uns mit freudigster Zuversicht sprechen: . . fmo-ai ruü Snn nmbpSpi n:v rbzn Hin sei das Jahr mit feinen Leiden DaS neue komm' und bringe Freuden. II. Wo sind aber die Hindernisse, die sich der Berbesserung und Hebung unserer Berhältnisse entgegenstellen? Wir wol le« hbute einige der bedeutendsten hervcrheben.. Wir hören zu oft die Gleichgültigkeit'der Regierungen für das jütisch-religiöse Leben» beklagen und vergessen, daß wir hier etwas verlangen, was wir anderwärts bekämpfen — Eingriffe in eie Autonomie, der NeligionSgenleinken, in die Freiheit der Gewissen;-daß wir vier für uns wünschen, was andrerseits uns am schwersten drückt.. Tie Staatsregierung soll sich doch nur um daö bürgerliche und sittliche Leben des Ein- ^lneu bekümmern und Jedermann »ach seiner Jai.on selig werden lassen! (Bekanntlich machte Friedrich' der Große in Hinsicht der Jude» jenen seine» Lieblingssatz nickt wahr, weshalb wir ui dd» Enthusiasmus für den philosophischen König nie ganz mit einstimmen kv.npen.) Wir beklagen uns oft uiit? ras mit vollem Rechte über Rohheit und Gleichgültigkeit der Gemeinden, über die beiden Extrcsme, Db|cin\uui'Jittu3' und JndiffcrenlisMuS, die sich unscrtn Wirken 'cindlich enigegeustellcn. »Wir werdiu andcrwarlSnwch manches Wörtchen hierüber sprechen. Doch sind sie eS nicht allein, die unserm Streben nicht immer fördernd, sogar ofl hemmend in den Weg treten. Wir. haben vor Kurzem den ' Rabbinen das Wort geredet. Wir -werden jeder Zeit offen unr ungeschcut -das aussprecbeu, was wir der Sache nacp für Recht halten, auch -wenn wir mit den Personen un zusrieden zu sein das Recht hätten. Daß aber die Rabbinen für uns und unsere Ziel im -Allgemeinen trotzdem nur sehr wenig zethan haben, dürfen wir nicht verschweigen. Wir haben uns für dies Blatt die edelste- und -erhabenste Aufgabe gestellt: Waruin bleiben die Rabbinen hartnäckig still, wenn sie nicht vielleicht sogar im Geheimen gegen uns azitiren? Ist die Schule nicht die Wurzel des Volkslebens, und sind die Raibbinen nicht berufest, das. religiöse Volksleben res Juden lhume; zu heben und zu kräftigen? Ist es nickst eine Thalsache, haß rer Mangel an Lehrern und der Lehrermangel, die schlechte Stellung derselben ein Krebsschaden ist der gedeihlichen Entwicklung jüdischer Zustände? Welche Fülle von Kraft würde liegen in der würdigest Auffassung des jüdischen BolkSlehrerlebenS! Warum erkennt man dies nicht bereitwillig an? In den Städten ist das Wirken der Rabbinen leider ein sehr formale«, äußerliches, das läßt sich doch nicht bezweifeln! und aufs Land kann nur gewirkt werden mit und durch Lehrer! Wenn man Euch dort die Thüren der Schule vielleicht bald verschließen wird'— denn der Fall in Frankfurt wird nicht lange vereinzelt dastehen — warum erhebt Ihr nicht in diesem, der Schule gewidmeten Organe mit Macht selbst Eure Stimme um Euer Recht auf den Religionsunterricht zu vertheidigen?! O, daß Ihr einmal ableget den Gedanken der unnahbaren Höhe, und bedenket, daß erst dann Eure Stellung eine Zukunft.hat,, wenn Ihr den Lehrer, insofern er fachmäßig — pädagogisch — gebildet und seiner Aufgabe gewachsen ist. als geistig ebenbürtig betrachtet, auf daß eine-gesunde Wechselwirkung eintrete. Die Lehrer, daS sind die rechten Verbreiter der geistigen ^ichtsaat, die zuerst Eurer Fürsorge anvertraut ist; ebne sie vermöget Ihr nichts. Die Hand aufs Herz! Wo ist oft mehr wirkliches-Juden lbum zu finden, in den Städten, wo Ihr selbst lehrt, unterrichtet und kcnsirmirt, oder auf dem Lande, wo ein wackerer Lehrer das ganze religiöse Leben seiner Gemeinde auf keinen' Schultern trägt, ihr Lehrer, Borbcter, Prediger und oft auch eigentlicher Vorsteher, Synagogenricner, und Schächter und Gott weiß! was noch sonst ist! — 1 Doch, wir wollten heule keine Vorwürfe machen! In unserm Herze» lebt kein Haß, auch ist bald» 3"» da; und wahrUch, wir kennen eine namhafte Anzahl von edlen Man- .»er unter den Rabbinen, denen wir die aufrichtigste Hochachtung zollen und die «S auch verdienen. Es sind manche .wahre Lchrerfreunde unter ihnen. Um so mehr müssen wir Euch bitten, daß Ihr unser Blatt, daS ein echtes Lchrerblatt werden soll und 'muß -- l es e t und auf. jede Weise unterstützet, damit Ihr unsere Bedürfnisse kennt und nntwirket — zu Eurem, unserm, und. des JudeirthumS Besten. Wir for dern Euch auf. Euch zu uns zu sck'aare», und dann, gewiß, so wahr als Ihr mit uns an den Sieg der lichtvollen Idee» res Judenthums glaubet, die Zukunft ist unsei7! und wir können uns zum neuen Jahr zurufen •nm:ra bnn rrnSpbpi ruD rfan‘ i . in. Und nun noch ein Wort an Euch, meine lieben College«!; Unser Hoffen und Wünschen, unser Streben und Wollen! haben wir heute uns klar gemacht, und so wollen wir auch mit unser» College» und Lesern offen und klar sprechen. Wir können mit den Erfolgen, die wir bisher errungen haben, durchaus noch nicht befriedigt fein. Als wir es wagten, mst einem dem israelitischen Lehrerstande vorzugsweise gewidmeten Blatte in die Oeffentlichkeit zu treten, da war eS unsererseits