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Der israelitische Lehrer · 1861-09-01 · 9 (1.9.1861) · p. Seite 66

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
9 (1.9.1861)
Date
1861-09-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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66 '! sich einen Einfluß auf den Religiynsunterricht zu sichern, so darf dieser Einfluß durchaus kein selbstischer, mehr auf die Perfon als auf dw Sache sich erstreckender sein. Es ist, um uns klar auszudrücken, durchaus unsere 'Ansicht, daß die Steilung des Lehrer« für sich eine geistig freie, für seinen Staad eine selbstständig gegliederte, gegenüber dem Rabbinen deshalb. nicht eine subordinirte-sein dürfe; vielmehr glauben wir. daß, wie z. B. in dem gewählten Synagogenrath, der dem Rabbinen zur Seite steht, wohl auch Lehrer sitzen müßten, weil dies durch die Stellung des Lehrers in der Gemen de uns geboten scheint, also ^auch im Schulrath Rabbiner md Lehrer einträchtig neben einander sitzen und stimmen mögen. Rur da, "wo die« geschieht, werden Schule >md Svn ix oge einträchtig zusammen witken. können zur Hebung und Forderung alles Edlen, wozu^ diese beiden Lebensströme des Zideuthunls berufen sind *)." Es liegt im Geiste der..Zeit — und das echte, wahre Juden hum hat diesem Geiste unbescbadek des religiösen Heiligthur rs immer Rechnung getragen, - wie die Geschichte bezeugt,— dgß einem Jeden in . dem ihm zugewiesenen Berufskqise die möglichste Freiheit zu selbsttbätigem und sachaemajem Wirken geboten werde; daß daS Individuum, sobald es seine Befähigung zu einem Amte oder Berufe genügerd dargethan har, insolange eS seiner.Pflicht getreu lebt, und, vas übrigens bei allseitiger Freiheit selbstverständlich ist, Andere'in ihrem Thun nicht beschränkt und beeinträchtiget, die zur vollen BcthätigiMg seines Ich nöthige Bewegung pake. Es gicbt kein traurigeres Sein, als dasjenige eines Mannes, rem itn heiligsten Berufe die Möglichkeit freien, nienschcubcglückcndcn, ü l> er zeug» ng streuen Wirkens c nommen werken; nichts ist trauriger, als sich sagen zu uiü sen: Du Haft in Tir die Kraft zu wirken; aber kleinliche sewcggrüikde Linden Tir die Hand und verschließen Dir-dm Mund; Du bist'zu geistigem Tode vernrtheilt; — Tm n öchtest ein Eckstein werden im 'heiligen Tempel der Mensc enbeglückung, möchtest wirken durch Erleuchtung des Geiste^ durch die Macht.der.Vernunft und der Religion und bi t ein 1DNC pN) <*> Stein, den unbcrcchkig e Bauleute zur Seite geschoben. Es ist das fast eben so traurig, als lehren-zu müssen', das, was unvereinbar ist mit u iserer heiligen, auf Bernunft gegründeten Uebcrzeugnng. Darum sehen wir, daß in der heutigen Schule z. B. die St mmen edler Wanner weit mehr klagen über die planvolle l Verrenkung des Menschengeisles, die. hier von berufe- Zo eben lesen wir die im vorigen. Jahre entworfenen gcsetzichen Bestimmungen über da« Schulwesen in Zürich in der Schweiz. In, diesem freisinnigsten aller Schulgesetze wird «m Geistlichen ebenfalls der Sitz, in der Schulkommiffion elaffen. Aber — sein Wirken ist gesetzlich normirt, und daS kft die Hauptsache. . neu und doch in Wahrheit nicht berufenen Leiter» der Volksschule befohlen wird, als über' alles andere Lehrermisere; darum ist eS constatirt, daß die Stellung der Lehrer auch äußerlich nicht besser werden kann, so lange nicht tüchtige Lehrer mit der vollen Kraft ihres Geistes wirken dürfen. Und so fordern wir, um deS Heils unseres JudenthumS willen, daß man vor allem trachte, tüchtige Lehrer heranznbilden, und diesen einen freien sicheren BerufSkreiS anweise. Dann wird auch alles andere gut werden. Und so gebührt auch den Rabbinen ein freier gesicherter Wirkungskreis, damit die RabbinatSsitze nicht zu fetten Pfründen werden, damit diesen vielmehr ihr großer erhabener Theil an der' Regenerirung deS JudenthumS von innen, heraus und von unten herauf erhallen bleibe; damit die Synagoge nicht sei, wie ein Baum in der Wüste, — ohne Nahrung und ohne Schatten, — sondern wieder werde, was sie sein muß, eine Dase in der Wüste des Lebens, ein Lehrhaus für die Großen, „damit von den Synagogen das religiöse Leben auSgehe, in die Familien und Gemeinden einströme, dort immer frischer und kräftiger zum Bewußtsein komme." Denn das ist ein großer unheilbringender Jrrthum, daß Rabbiner und Lehrer im. Judenthum als Gegensätze oder als sich nicht berührende Faktoren sich gegen einander überstchen und anfeinden dürfen. Und wenn einzelne Lehrer oder Rabbiner sich dieses JrrthumS schuldig machen, so sind eS solche, denen ihr Judcnthuin abhanden gekommen, denen daS Bewußtsein verloren gegangen, daß rationelle Pädagogik und Judentbuin keine diametrale Gegensätze sind, weil dieses keine dogmatische Glaubenssätze anfstellt, die im Gegensätze zur Bernunft stehen. - Beite sind geschaffen, sich einander zu vertragen- Sic arbeiten beide' ab einem Werke, am Fortschreiten Israels, am Heile der Menschheit. * * - Wir werden noch öfters auf diese wichtige Lebensfragen zurück zu kommen Gelegenheit -finden. Wir hallen es als die vorzüglichste Aufgabe unseres Blattes, sowohl der Schule den ihr im Judenthumc und in der Menschheit gebührenden Platz anzuweisen, an ihrer lebensfähigen Gestaltung und Erkräftigung zu arbeiten, als auck den anderen Faktoren jüdischen Lebens, insbesondere dem Rabbinentbume gerecht zu werden, auch wenn wir nicht sehen, daß dieses uns in unfern jedenfalls dbensö gerechten Bestrebungen unterstützt. Wir haben nun in der, vorliegende» Frage nur noch einige nachträgliche specielle Bemerkungen zu machen, um zu einem vorläufigen Abschlusie zu gelangen; behalten uns aber vor, nach Gestalt der Sache später darauf zurück zu kommen. (Schluß folgt.) J

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