Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 8 (15.8.1861)
- Date
- 1861-08-15
- Page
- Seite 62 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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62 erheben, wie sie sind, sie uns.auf-einer sittlichen Höhe zeigen^ die wir vergebens zu erstehen uns bemühen. Ich will Euch h er nicht erinnern an die Frauen unserer Erzväter, die!den Schmuck uud die Zierve unserer frühesten Geschichte bilden, veil es gerade hier schwer sein möchte, zu ermitteln, wa^ wi ' davon den Erzvätern selbst als Verdienst zurechnen müssen, von denen es heißt: Wer sich ihnen näherte, wurde k geheiligt. Aber die Schwester ^unseres Lehrers Moses darf ich jEucins Gedächtniß zurückrufen,, deren schwesterlicher Sorgfalt wir es zunächst zu verdanken haben, daß unser größter Prophet am mizraitischen Hofe -erzogen worden ist, und! die Prophetin Debora, die eben so gerecht auf dem Richterstuhle, als tapfer im Feldzuge war, und die fromme Harpia, von der wir nach dem AuSsprmhe unserer Rabbinen die Bor'chriften des Gebetes gelenzt haben, das Beten selbst aber noch immer lernen könnten. Ich will Euch erinnern an den Anspruch des weisen Salomo^rm-seftr^Lied von dem Biederwnbe, das weither sei, denn alle Perlen. Aber gerade so erhaben das Weib vor uns steht. in seiner Gottesfurcht und seiner Sittenreinheit', und wie es von Ihr heißt: „Ihr Mann rühmt sie am Thore", eben .so niedrig steht das Weib, das »ur eine schone Gestalt ist, und auch-nur eine solche sein! wil und darauf stolz und hosfärtig ist 5 das sich geschmeichelt fühlt, wenn du ihm das sagst/ivas du von -so vielen Dingen sowohl leblosen als lebenden sagst, daß eS nänftich schön-sei; das anstatt seine Zeit seinem Gotte und seinem Hauswesen zu widyien, sie dem Götzen der Mode wpipt, v, r rem es kniet und den es anbetet,' derseinen Geist gefangen hält, ^aß er keinen Gedanken für das Hohe und Erhaben! erübrigt. Und wie könnte ein solches Weib, d.aS zugleich Diuttcr ist, das so schwere Geschäft der Erziehung, so ganz ioie eö nöthig wäre, versehen?.' Erziehung ist keine Motesache und die Modeerziehuilg ist keine Erziehung; Erziehung lömmt nicht'von Galliens'Hauptstadt'herüber, im Geiste und Herzen ist ihre Geburlsstätte.? Erziehung ist kein Mittel zur Erhaltung der körperlichen Reize, wer sich zu sehr mit Letzterer beschäftigt, könnte .sogar zu frühe altern. U»d wie könnte da von den Kinder« Gehorsam gefordert Wirten!? die Liebe der Sinter muß erzogen, kriui nicht erzmupgen ind nicht erkauft werden. Wenn -sich die Mutter zu eirjeis Zierpuppe herabwürdigt, so., gewöhnen sich die Kinder auch eicht daran, "in der Mutter.eine solche Puppe zu sehen, ihit der sie zu spielen pflegen und - die sie nach ihrem Taillen behandeln, aber-nicht — ihr gehorchen. Wollest du aber der „schönen Frau" wirklich den Ungehorsam rer Kinder , zur Last legen, dann begehst du doch ein Unrecht, denn wenn das Weib zur Zierpuppe geworden ist, trägt der Mann die Schuld. Die Liebe des Mannes zu gewinnen, soll das Streben der Frau sein und dies Streben macht! ihr Ehre. Weiß der Mann an der Frau nichts zu schätzen und nichts zu achten, keinen Seeleoadel, keine Seelenhkjhe, keine Sitte und keine Zucht, nichts als blos das Nichtige und Vergängliche, nichts als die äußere Schönheit, dann, ist es natürlich, daß'ihr auch diese daS allein Werthvolle zu . sein diinkt. Die Bibel gebietet ihm hingegen, wenn er ei» hübsches Weib sieht und Wohlgefallen an ihr hat und er mit ^Lhr den heiligen Bund der Ehe schließen will, daß er sie ablegen lasse das Gewand, wodurch sie ihn gefangen hält, t4n Putz und den Flittertand, und daß er sie empfänglich mache auf den wahrhaften schönen Schmuck, gegen den jeder andere erbleicht und schwindet, nämlich auf den Schmuck der kindlichen Liebe: „Sie weine bei dir, sagt uns die Bibel, um ihren Vater und ihre Mutter, sie rufe sich ins Gedächtniß zurück, was Vater und Mutter den Kindern sind, damit sie es auch einst ihren Kindern sei." Hast du das in deiner Ehe versäumt, so hast du deine Pflicht gegen deine Frau nicht erfüllt, utzd es ist dir selbst zuzuschreiben, wenn die Erziehung vern!»chläßigt wird und dein Sohn weder deiner noch deiner Gästin Stimme achtet. Das wärs der erste Grund, warum Kinder oft mißrathen und der Stimme des Vaters und der Mutter nicht gehorchen. Den zweiten Grund müssen wir schon mehr der Frau .zur Last legen. Die Bibel gibt ihn uns ebenfalls dadurch an, baß sie das Gesetz dem des widerspenstigen Sohnes unmittelbar' voranstellt. Die Bibel gibt uns nämlich eine Vorschrift, wie es der Mann zu halten habe, wenn er zwei Frauen hat,, die eine-liebt und die andere haßt, und beide Frauen ihm Kinder gebären. Wie oft mochte damals, da es dem Manne, wenn es ihm auch nicht so sehr gebilligt, wurde, doch nicht verboten war, zwei Frauen zu haben, die Erziehung, die doch nur eine einzige sei» darf, dadurch, daß jede der beiden Frauen ihre Erziehungsweise geltend machen wollte, verfehlt worden sein, oder dadurch, daß die Kinder der Geliebten ebenfalls geliebt, die Kinder der Gehaßten ebenfalls gehaßt wurden. Wir haben ein warnendes Beispiel, wie "weit es kommen kann, wenn ein Kind vor dem Andern bevorzugt wird, am Erzvater Jakob »/der dem Josef nur ein Gewand gab, das vorzüglicher war, als das, welches feine übrigen Brüder erhalte» hatten. Nun ist zwar die Vielweiberei verboten, und kann man nicht im Wortsinne geradezu zwei Frauen haben, jedoch ist es nicht selten der Fall, daß Jemand nur eine Frau hat, in dieser einen Frau aber dennoch zwei, wovon die eine liebenswürdig, die andere Hassens- und verabscheuenSwerth und treten dabei in -der Erziehung dieselben Fehler hervor, die damals nicht ausblieben, wo ein Mann wirklich zwei Frauen hatte, in diesen zwei aber nicht mehr und nicht weniger denn zwei. Denn könnte wirklich ein Unterschied sein, ob zwei Frauen in der Erziehung neben elnänder stehen, oder zwar eine Frau die