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Der israelitische Lehrer · 1861-08-15 · 8 (15.8.1861) · p. Seite 61

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
8 (15.8.1861)
Date
1861-08-15
Page
Seite 61 (sequence 7)
Language
German
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61 ist ein Schlemmer und ein Säuser. Und alle Leute seiner Stad^sollen ihn steinigen, daß er sterbe." Ob das wohl je vorgekommen fein mag, Sb Vater und Mutter so übereingestimmt haben mögen, alle Hoffnung, den so mißrathenen Sohn je auf besseren Weg zu bringen, aufzugeben und «S beide für gut" gefunden hätten, seinem Leben gerichtlich ein Ende zu machen? Unsere Rabbinen -behaupten, diese Vorschrift wurde nicht gegeben, daß sie befolgt, sondern, daß sie beachtet und berücksichtigt werde und als Schreckbild diene bei der ganzen Erziehung. Die Hinrichtung eines auf diese Art mißrathenen Sohnes kam nie vor und ist nicht geschrieben worden, daß sie Vorkommen solle, sondern daß man ernstlich darüber nachdenke und Nutzen daraus ziehe. Soweit konnte man allerdings Sitte und Zucht in Israel nicht vergessen und hoffen wir auf jene Verheißung Gottes hin, daß das Wort des Ewigen, nie ganz weichen wird a»S unserem Munde und unserer Nachkommen Munde von nun an bis in Ewigkeit; daß es auch nie so weit kommen wird, daß daS Wort, die Stimme der Eltern, so ganz fruchtlos verhalle. daß alle Züchtigungen vergebens wären, daß Vater und Mutter ihren eignen, Sohn hinführen müßten zu den Aeltesten der Stadt, ohne andere Mittel zu finden, und ihn für einen Schlemmer und Säufer erklären müßten/daß Alles und Jegliches nutzlosbliebe, und die Hinrichtung desselben als das einzige Mittel befunden werden müßte, -mn ihn der menschlichen Gesellschaft unschädlich zu machen.. Wenn also Sitte und Zucht so weit in Israel nie vergessen werden könnte, und nie vergessen werden wird, daß das Gesetz nach dem Wortsinne angewcndet werden dürfte, wenn also diese Todesandrohung für Kinder und Eltern in ihrem gegenseitigen Verhältnisse und Verhalten nur als warnendes Schreckbild dienen soll, so können wir auch erwarten, daß hier uns -zugleich wichtige Winke über die Erziehung mitgetheilt werden. In der Thal, so wenig Beispiele wir auch in unserer Mitte haben von einer vernünftigen, von einer Gott und Menschen gefälligen Erziehung, von einer Erziehung, welche die Veredlm^ keS Menschen überhaupt und. dcö Israeliten insbesondere erzielt, so kann ich doch das nicht einer Gleichgültigkeit gegen diesen wichtigen Gegenstand, sondern muß eS dem Mangel an Aufklärung hierüber znschrciben. Wäre es ja auch das Thörichtfte von Euch, das man sich denken könnte, wolltet Ihr rastlos schaffen, rastlos arbeiten, rastlos kämpfen, und das doch Alles für Eure Kinder; — denn daß Ihr selbst .von den Früchte^ nichts in daS Jenseits mitnehmet, wißt Ihr ja Alle r- und. läge das Eine Euch nicht am Herzen, auf daS es doch vor Allem ankömmt, daß nämljch die Kinder auch einst des Segens, den Ihr ihnen hinterlassen wollt, würdig werden, daß sie auch Menschen werden, die diesen Segen zu erhalten und zu wahren verstehen, daß sie einst den Segen verwenden, wie eS einem Genoffen des Glaubens zukömmt, dem wie A hören, wie es einem Israeliten lle mit Leib und Seele angegebührt. Wir hätten so nun zunächst die Gründe aufzusuchen, durch die die Erziehung eine fliese Richtung erhält-, und eS dahin kommt, daß die Kinder der Eltern nicht gehorchen. wiesen; denn von den Elt:rn fahren. Wie überall die mißrathen und der Stiinüie W r sind hier an die Bibel ge» werden wir eS schwerlich ermeiffchliche Schwäche sich darin nach Vollkommenheit zu strezeigt, daß man, anstatt rastlos ben, stets auf seine Fehler aufzumerken und sie nach und nach abzulegen bemüht zu fijiit, lieber einen gar leichten Weg, leider aber auch nicht bloS ifrucKiefen, sondern,auch verderblichen einschlägt, den'^Vcg der Verblendung und Selbsttäuschung, daß man nämlich so lai ge zn sich selbst spricht;. „Ich bin rein von aller Misscthait, ich bin ^chnldfrei und kein Fehl ist an mir"; wie der gewöhnliche Mensch überhaupt den ganzen Tag mit Ab- und Ausladen beschäftigt ist, die Säcke der Mängel und Fehler nämlich in mer und immer von sich abzuladen und crbarmungöloh arf die Schulter des Nächsten zu werfen; so in diesem Pünkti besonders die Eltern. Gehet Ihr zu der Mutter hin und fraget sie, wie es wohl komme, daß die Kinder nicht sind, wie sie sein sollen-, so wird sie nicht lange verlegen sein und entwerten, daß sich der Vater leider zu wenig um die Kinder Müimincre, oder daß er zu nachsichtig und zu nachgiebig gegendieselben sei, oder auch gar zu strenge, sogleich mit Gewalt da Jet, zu viel Furcht statt Liebe einflößte. Gehet 2hr nun zum Vater hin und richtet an ihn dieselbe, Frage, er wird ebensowenig als die! Mutter sich lange auf eine Antwort besinnen; alle Schuld, wird er Euch sagen, liegt an der Mutter; sie weiß nicht mit Kindern umzugehen, .Allei! reizt sie, Alles regt sie auf, Alles will sie wehren und stör m. Oder auch, sie weiß sich nicht in Achtung bei ihnen-zu duld, zu wenig Beharrlichkeit, zu wenig Willenskraft, anstatt mit den Kindbrn ruhig und gelassen zn sprechen, schreit und zankt sie gleich mit den Kindern, cfccr,| — wie die Redensarten sonst heißen mögln. Von den Eltern also köincn wir hierüber nichts Bestimmtes hören und. wir müf en uns daher an die Bibel setzen, sie hat zu wenig Ge- und Thatmit unserer Frage wenden, die wort gibt, welche das Leben lecher auch vielfach besätigt. Die Bibel beginnt nämlich mit dem Weibe von schöi hebliches von den tugendhafte i Frauen und die schichte führt uns häufig Ehariktere vor, die gro;, edel und uns sogleich die r und deutet dannt an, daß solche Frauen, von idinen weiter nichts.nachzurühmen ist, als waö wir von jedem Gebilde aus Holz und Stein auch oft jagen— daß,sie von-schönem Aeußern sind, — nicht selten d e Schuld verfehlter Erziehung in sich tragen. Die Bibel erzählt unö sbnst viel Rühmliches und Erchtige Antcr Gestalt, heilige Ge- 1

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