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Der israelitische Lehrer · 1861-08-01 · 7 (1.8.1861) · p. Seite 53

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
7 (1.8.1861)
Date
1861-08-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 selten schon die ersten Schüler, die er um sich versammelt sah, mit einer solchen bezaubernden Macht, daß sie ihn nicht bloö als ihren'Lehrer, sondern auch als ihren geistigen Erzieher und Vater betrachteten,• unb mit kindlicher Ergebung' sich seinen Anordnungen unterwarfen. Den Religionsunterricht ertheilte er mit ganz besonderer Vorliebe. Wie Wenige wußte er demselben Licht und Wärme zu verleihen, ihn mit fesselnder Innigkeit, Gemüthlichkeit und Gründlichkeit vorzutragen. Die Schüler hingen mit gespanntester Aufmerksamkeit an seinen Lippen, und sein Unterricht hinterlieb den tiefsten Eindruck. Sodann war die Mathematik sein Lieblingöfach und sein Unterricht hierin vom offenbarsten Erfolge. Seine Schüler lösten die schwierigsten Aufgaben spielend, so daß sie die Bewunderung der Prüfungögäste erregten. Es zeigt sich so ganz deutlich, in welch innigem Zusammenhang die Vertrautheit eines Gegenstandes und die Liebe zu ihm von Seiten res Lehrers mit den Fortschritten des Schülers in demselben steht. Wie das Philanthropin durch Creizenach nach außen und innen fortschritt, so hob sich durch ihn noch eine andere mit ihr eng verbundene Anstalt, die sogen. „Andachtstunde", ein Gottesdienst, den der Oberlehrer Heß an gedachter Schulanstatt Anfangs nur für feine Zöglinge in's, Lehen rief, der aber bald auch von Erwachsenen, ivelche im-der damaligen verwahrlosten Synagoge ihrem' religiösen Bedürfnisse nicht genügen konnten, besucht wurde. Mil rem Auftreten Creizcnach'o als Redner füllten sich die Raume derselben. Creizenach 'halte zwar lein gutes Redner - Trzan; allein rer Gehalt seiner Vorträge, die Geeantejisülle derselben, die Innigkeit und Uebcrzeugnngsfcstigkcil, das Fromme, mit welchem er sprach, die scharfen Worte,'die er bisweilen gegen die bei den Juden eingcbrochenen Mißstände anweuretc, mit weiche» er den religiösen Stumpfsinn und die GesiunnngSloslgkeir übcrl'chüttete, verschaffte ihm eine so Zahlreiche Zuhörerschaft, daß man sich bewogen fand, die bisherige Localität mit einem geräumigeren Gebaute zu verwechselt!, welches denn auch am' 23. Dezember 1828 feierlichst eingcweiht wurde. Bald darauf führte Creizenach zum ersten Male die Confirmation für beide Geschlechter —'eine bedeutende Neuerung — in Frankfurt ein und ift diese hochwichtige Institution, die stets ein großes Publikum inleressirte, der Sch ulanstalt bis vor wenigen Jahren, wo sie aus dringendes Verlangen des Rabbiners Stein daselbst zu einem synagogalen Akte erhoben wurde, verblieben. Sein Ruf als Redner verbreitete sich weit über bas Weichbild Frantfurlö; er wurde bei besonderen Anlässe» auch vou auswärtigen Gemeinden als Festredner berufen. ' - Noch einer Thätigkeit des trefflichen Creizenach, außer der streng beruflichen-, habe» wir zu erwähnen. Seine Bemühungen nämlich, in geselligen Kreisen für die Hebung des Judenthums und der Bild rig der Frankfurter Bürger im Allgemeinen zu wirken, wor.ms das Feuer, das auf dem Altar feines Herzens brannte um» ihn trieb und bewegte, so deutlich zu erkennen ist. Mancher JSraelite in Frankfurt war damals eingewiegk in dem n eichen Bette des JndifferentiSmuS, war mit kalt gewordenerl Herzen im Schooße seiner Religion näher dem Tode als feste Boden des Positiven selbst die noch äußerlich zur Religio» geworden. Creizenach benutzte Begeisterung für das Judenthlun zu wecken, dessen Lehre in's. rechte Licht zu stellen und zulegen. Zur Förderung per L ldung im Allgemeinen hielt »cm Leben; ja es war der unter den Füßen derjenigen, hielten, weich und schlüpfrig seine gesellige Verbindung,, er auch von Christen vielbes phische und physikalische Vorlesui soll er das Gute eifrigst zu sör Wenn wir nun überdenk« eren segnenden Einfluß darichle astronomische, geograigen. Auch als Freimaurer ern bemüht gewesen sein, d.aß Creizenach täglich ertheille, wiffenschaftliche 10 — 12 Stunden ilnt^richt Vorträge hielt, di« Confirmanb n vorbereitete, in Rachbargemeinden Festreden hielt, als Meister vom Stuhle vielfache Arbeiten auszuführen halte; wl iiu -wir ferner bedenken, daß er keine Woche hingehen ließ, ohne in der hebräischen Bibel zu forschen, Studien zu machen üeer die syrische» re. ilebcrsrtzungen, über den Talmud, die Cbmmentatoreu und Response» des Mittelalters, mit allen und'neuen Klassikern und . Tagesschrifleu sich vertraut zu , lachen — Gcr.vinuö Literatur geschichte, Strauß Dogmatik uni avarcn seine LicblingSschriftstclle> das geistige Leben der Gegenw. ies, unc in den.Zwischcnstun^^ eit hielt. Cr schrieb außer », Broschüren, Abhandlungen Hoffmeisters Lebe» chillers und daß er dabei a» allen rt oelnudendew Erscheinungen lebhaften Antheil nahm, so schel ll es uns kaum deutbar, wie er noch eine so große Zahl rer gediegensten Schriften zu Tage fördern konnte, selbst wer» wir erfahren, daß er selten Gesellschaften, Coitcerte, Schauspiele mit Festlichkeiten besuchte, nur wenige Stunden sch den in aller Hast seine tl’ialjl; einer großen Zahl von Predigt und kleineren Aufsätze» nacheinästrcr folgende Werke: Versuch über die Paralleltheorie. Mai tz, 1822. Lehrbuch rer darstellenden Geometrie, synthetischer Thcil.' Ebend. 1822. Geist der pharisäischen Lehre. Ebend. 1824, Lehrbuch rer technischen Geometrie. Frankfurt, 1826.. Gebete und Psalmen für Israeliten. Cbend. 1830. Verfüch über die Theorie-derZahlen nach Legendre. lebend. 1830. Ccnfirmationsfeier. Ebend. 1830. lieber di :| jüdische Rationalabsonderung (gegen Di'. W. E. G. Paulus).! Ebend. 1831—32. Thesen über den Talmud.* Ebend. 1631. .Lehrbuch der Algebra. Stuttgart, 1334. Lehrbuch d«r Planimetrie. Franks. 1834, dem ein Lehrbuch der Stereo netrie und' der Trigonometrie folgte. Schulchan ' Aruch odep cncyklopärische Darstellung deS-' mosaischen Gesetzes. Vier Bände. Diese höchst wichtigen

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