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Der israelitische Lehrer · 1861-08-01 · 7 (1.8.1861) · p. Seite 50

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
7 (1.8.1861)
Date
1861-08-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 Gemeint sein soll VedrerS Jugend, dal, der den tiefen Riß, die furchtbare Parteiung und Zerklüftung deS heutigen JudenthumS insbesondere in den gri ßten und ersten Gemeinden aufdeckt, der uns zum Mitreden berechtigt. Was soll aus dem armen Judenthume roerbin,- wenn c«30 so fortgeht? Hirsch verketzert Fränkcl (der gegen die Ref, rmrabbinen agitirt und seiner Zeit aus der Frankfurter Rabbinerversammlung ausgetreten ist, -weil sie den Zeitideei , der Reform einen weiten Spielraum in ihren Berathuigen erkffnete)^ der Streit wird in öffentlichen, politischen (nicht jüdischen) Blättern, nicht ausgetragen, nein, -in roher skandalsüchtige^ Weise fortgeführt. — Und die extreme F irtschrittSpartei kömmt jetzt mit einem andern Skandal, unt nöthigt einen Rabbinen der fortgeschrittensten Riihtung seii c Stelle aufzugeben. — Das sind, in klaren Umrifstii, schon vice sich befeindende Parteien. — Mein Gott, wie s»ll das wert eo? Werden wir nicht zur Schmach und zur Schau c>e in den Augen unserer Zeitgenosien ob des ewige» Hadert? Aber noh insbesondere sind wir als Lehrer aufs Tiefste l ei der vor Legenden Streitsache betheiligt; wir suchen ein:» freien Wirkungskreis, definitive Stellung; Anerkennung unserer tec mischen Berufsthätigkeit; die Möglichkeit freier, n ir durch d e Gesetze beschränktes Einwirkung auf Geist u id .Herz tf“ Kinder; — „wenn aber solches mit nasiem Holze geschieht wie erst mit dem dürren?" — Wir gehen also heute zu einer weitere» einschlägigen Frage über: gebührt dein Ra! biner in der Jetztzeit ein Einfluß auf die Schu e, d. h. den Religionsunterrichte, und welcher? Wir habm in unserdm Porigen "dem Rabbinen seine Stellung in'der angewiesen; welches sein Einfluß auf die Schrle hängt von der Ansicht über die Wirksamkeit d:s ib: sprechen wir uns affezuerst über diese aus. ie Der .Wi knngskreis des Lehrers ist ein festbegraiszter. D ihre Erziehung und Bildung ist. ihm anvertraut; gebung und Aufopferung damit verbunden ist. Wir können keine Genies brauchen; nirgends verderben die Genies mehr, als in dem, einer stetigen Entwicklung der eigenen und Kinderkräfte bedürftigen Lehrerberufe. Aber wir brauchen Männer, die nicht aufhören zu schaffen und fortzuschreiten in der geistige» Entwicklung, so lange es Tag ist. Wir brauchen Männer, denen stetes Forschen - Studium des Kleinsten wie j deS Größten, das die Entwicklung der Kindesnatur betrifft, eine innere Nothwendigkeit geworden. Wir brauchen Männer mit gereifter Erfahrung, oder doch mit dem heiligen Bestreben, eine solche immer u»d immer wieder auf daS Eine sich concentrirende , Erfahrung zu erringen. Wir müssen alles Ernstes für uns x Fach den Dilettantismus zurückweisen. Mit Erziehung und" Unterricht sich nebenbei beschäftigen wollen, anzunehmen, daß irgend welcher, der fich zu irgend einem andern Berufe, er heiße wie er wolle, auSgebilket, ohne Weiteres, ohne lar gjährige Erfahrung und Fach-! studien der Schule ins Handwerk zu pfuschen vermag, ist die! ärgste Bcrsündigung an dem, was der echte wahre Lehrer als - das Heiligste erkennt. Stillestchen wollen. Fertigsein in der Entwicklung, ist der geistige To!, des Lehbers. Klares Den- I ken, offenes Auge, stetes Beobachten des Fortschritts auf allen i LcbenSgebieten, die die Schule mgehen^ könnten, auf daß sie j nicht stille stehe, während aller fortschreitet, das ist deS Lehrers Hochbild. Datum ist es eine Unmögl chkeit, daß irgend ein Stand, der seine Aufgabe anderwärts .;at, so nebenbei die Schule meistern, dem Lehrer, der seine Aufgabe erfüllt, über das „Wie" seines Wirkens Gesetze »orzuschreiben vermag. Darum ist eS eine traurige Anmaßung, sich zum Lehrer der ein höbe» unk wichtiges Amt! De, Beruf des Lehrers, will er seine Aufgabe erfülleil, ist ein s, Icker, rer die Aufopferung, die Arbeit eines ganz ni Lebens e cheischt. Rur der Lehrer, der sein ganze« Sein und Wollen 4» die Erfüllung seines Berufes setzt, inid der in diesem siinem Sein und Wollen sich als ganzer Main bcthätigl wird seiner schwierigen Aufgabe gewachsen sein. Tie gai ze Kraft, die ganze geistige Arbeitsfähigkeit, tie hier mit der körperlichen Hand in Hand geht/ hsird durch das Lehr mit in Anspruch genommen. Wir wollen uns nicht ein Urthiib anmaßen, für welchen Beruf eine höhere Caprcitat notl ig ist, keine Bergleichungen anzustellen wagen; die bekannte Fcbel von den fünf Fingern, die um den Vorrang stritten, sei ins vielmehr stets gegenwärtig. Wir wollen nur d>is über allen Zweifel erheben: die eminenteste Geisteygabe kann ihre gäme und volle Befriedigung finden im einfachsten Elementarlei rerberufe, wenn die volle Berufsfreudigkeit, Hiie aufwerfen zu wollen, wäh- Theorie und Praxis zu er- Lehrer auf ihrem eigenen Gebic rend man in dieser, nur durch werbenden Erziehungskunst niemgls, oder doch etwa nur einmal nebenbei und zufällig lhäthg war. Darum ist es eine schmerzliche Zurücksetzmig des heiligen ErzieherberufcS, wenn andere Stände den Lehrer untcd die Proletarier des Geistes rangiren, ihm nicht volle Ebenbürtigkeitunter den Ständen/ die sich mit geistiger Arbeit beschäftigen, und sich die Gebil^- deten nennen, zugestehen. DarMn schmerzt den wahren Leh^ rer diese gesellschaftliche Zurücksetzung mehr, als die geringe AmtSbesoldnng', weil sie ihn zugleich eines bedeutsamen Bisi dungSmittels beraubt, das kein Mensch ungestraft entbehrt Darum ist es. traurig, wenn selbst Lehrer, etwa weil sie höhere Studien machten, und „in die Klaffe" gehen, während wir einfachen Elementarlehrer „in die Schule" gehen, auf diesen Mit Verachtung herabblicken, ihn als ein Wesen niederer Art weit unter sich rangiren wollen. Darum sieht - es traurig aus "mit dem Unterrichte und der Erziehung durch die Lehrer, so lange es noch unter diesen selbst nies drigdenkende, speichelleckerische, servile Kreaturen giebt, die j

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