Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 6 (15.7.1861)
- Date
- 1861-07-15
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
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r 47 — Herrn Anwalt Frankel aus Kaiserslautern zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Einmütig wurde beschlossen: 1) daß in Bezug auf die Frage der gerichtlichen Beeidigung more .judaico von einer Adresse an die Kammer Abstand zu nehmen, dagegen eventuell der Rechtsweg zu beschreiten und ein bezügliche« Cassalions-Urtheil — wie dies auch in Frankreich geschehen — hervorzurufen sei; 2) daß eine Reform der inner,, und äußern CultuSverhältnisse, sowie eine Revision der staatlichen Obervormundschaftö-Verordnung vom Oktober 1854 anzubahnen sei. Behufs der Erledigung dieser beiden Fragen wurden zwei Commissionen g<wählt. Die BeeidigungS-Commission bilden die Herren Fränkel aus Kaiserslautern, Simon Levi aus Landau, S. Maas aus Frankenthal, Em. Mayer aus Dürkheim und Carl .David aus Speyer. Als Mitglieder der Reform-Commission wudden, folgende Herren gewäh't: Anwalt Fränkel, I. Lehmann aus Neustadt, I>r. David aus Kindenheim, Karl David' aus Speyer, David'Mayer aus Dürkheim, D,\ Grüne- 6a,Im, Rabbiner aus genheim, S. Eskele aus Land»»> Aus Preuhen. Jahres eine große An mit der Bitte gewandl Landau, Bernhard RooS aus Jni aus Zweibrücken und Simon Levi bekanntlich hatte sich zu Anfang dieses ahl Rabbiner an des Königs Majestät ^den für jüdische Soldaten seit 181,8 bestehenden besonderen Fahneneid als oberster Kriegsherr ändern lassen zu Dollen. Im allerhöchsten Aufträge beschied das Kriegsmini terium die Bittsteller, daß das Gesuch erst nach der dem Landtage wegen Aendcriiug der EideSform der Juden gemachten Vorlage feine Erledigung finden werde. Jetzt ist in dieser Anglelegenheit wieder ein Bescheid ergangen, der nach der „Allgemeinen Zeitung der Judenthums" also lautet: „Nachdem, wie Ihnen auS den öffentlichen Blättern bekannt sein wird, d:r von der königlichen Staatsregierung dem Landtage der D Anarchie vorgelegt gewesene Gesetzentwurf, betreffend die Lide der Juden, die Zustimmung des Landtages nicht erhaltm hat, kann sich auch das Kriegsministerium nicht bewogen finden, Sr. Majestät dem König einseitig Vorschläge Wege, Abänderung des Fahneneids der Rekruten mosaischen Glarbens zu unterbreiten. Es muß daher bis auf Weiteres bei der bisher gültigen Eidesformel sein Bewenden behalten." Wie westphälisch, Blätter, melden, ist dem Ober-Rabbiner Sutro zu Münster, der sich durch seine Beharrlichkeit im Petitioniren fiir Gewährung der seinen Glaubensgenoffen noch vorenthaltenen vollständigen Gleichberechtigung mit den Christen bekamt gemacht hat, von dem Könige der rothe Adler-Orden verliehen worden. Dresden. So el»en wird uns eine traurige Nachricht. Einer der edelsten und gelehrtesten Männer der deuffchen Judenheit, I)r. B. Bee r, Gemeindevorsteher zu Dresden, Lebensjahre. — Ruhe un Wir wünschten recht starb am 1. Juli nach einem lurzen'Krankenlager im 60sten Fr eben! sehr, in den Stand gesetzt zu sein, bald einen ausführlichen Nekrc og dieses berühmten Mannes bringen zu können. Aus Ungarn. Die^ EmäncipatioN der Inden scheint einer schlechten Zukunft .entgegen zu gehen. Einzelne Abgeordnete erhalten Zuschriften von ihren Wählern' in welchen sie aufzefordert werden, dagegln zu stimmen. An. der Magnatentafel ward die ganze Frag! noch mit keiner Silbe berührt. Eine andere Eorresponderz sagt: Pcsth, 27. Juni. An kam aus der Stadt Maklar ■v. die Erlauer Comitats-Eommission die 1 lnfrage, ob die Juden nach dem ungarischen constilutionellest G^etz Urbalialgründe kaufen dürfen, denn eS liegt ein Fall lvor, wo ein solcher Kauf beabsichtigt wird. Nach einer längeren De »atte i„o < t contra wurde bescklosscn, dem betreffenden Gtuhl richter Auftrag zu geben, daß er nach-dem Wortlaut des Gesetzes verfahre, das gegen den Ankauf spricht; das ist die neue Ungarische Freiheit, die sie 400,000 ungarischen Bürgern geben, welche sich theilweise in ihrem übertriebenen MagyariSmus sc st' lächerlich gemacht haben. Luxemburg. Bei peili letzten Gemeindewahlen in Sandweiler (eine Stunde von ^uxeir bürg) wurde der Disrgermeister Godchaux von den Wähler, gänzlich ausgeschllossen, weil er (unter anderen Gründer) eir „Jude" ist und und als solcher keine christliche Ehe volljiehen kann. Wie aber dann, wenn die Israeliten gegenübe: den christlichen CivilstandSbeamten für sich dieselben Gründe in Anspruch nehmen? Das ist nicht mehr religiöse Jptole anz, sondern der grasseste Fanatismus! Die Regierurg hat auf Grund des Eommunalgesetzes, welches der Krone las Recht zur Ernennung deS Bürgermeisters außer di m C emeinderathe einräumt. Herrn Godchaux in fei» Amt wilder ingesetzt, worauf sieben anders Gemeinderath^mitglieder il »re Entlassung einreichtey, und zwar in Folge der singreifenden Bor piegelungen deS Herrn Pastors von Sandweiter. Die jungen Männer aus allen Sectivnen der Gemeinde veranstaltetin dagegen eine festliche Cavalcade und setzten Herrn Godchauc eitlen Ehrenbaum. Den einzigen, aber harten Tadel, der Hrn. Godchaux in dieser Angelegenheit'verdientermaßen trifft, ist der, daß er seinen zahlreichen Arbeitern den Besuch der Schenkwirthschaft des PtivatförsterS GroSber in Ham unter '!lndi ohung der.Erwerbsentziehung verboten hat, weil Letzterer (wohl auS andern als religiösen Gründen) bei den Wahlen xegen den Hrn. Bürgermeister agitirte. — Es-istdoch traurig, daß die deutsche Bevölkerung auch da noch intolerant gi gen die Juden ist, wo in dem mit I