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Der israelitische Lehrer · 1861-07-15 · 6 (15.7.1861) · p. Seite 44

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
6 (15.7.1861)
Date
1861-07-15
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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44 Kritik derselben, gewöhnt zum Denken und zu eigenem Urtheil i nb führt leicht zur Wegwerfung alles Unwahren und Bedeutungslosen. Der Bibliothekar Lehne zu Mainz, dem die Talentb Creizenach'S nicht entgingen, förderte ihn in seinem Bestrehen bezüglich deS Studiums deutscher Wissenschaft. Bei dem eiyinenten Gedächtnisse, dessen sich Creizenach erfreute — was er einmal gelesen, das blieb für immer sein geistiges Besitztoum — bei seiner schnellen und klaren Auffassungsgabe, ~ bei feigem durchdringenden Verstände, bei seinem unermüdlichen Meiße — er schlief bis an sein Lebensende nur 4 Stunden täglich;—ist es nicht zu wundern, daß er die Elemente Ider Wissenschaften rasch überwand, in 2'* Jahren . alle lassen des Lyceums zu Main; durchlief, und mit sehr guten Zeugnissen entlassen wurde. Sein Professor T erg um wurde päter sein intimster freund. Tabei las er noch Rousseau, d e Encyklopädisten und mit besonderer Vorliebe Kant. Man k mn mit Recht behaupten, Creizenach hat sich größtentheils d urch Lectüre, 'Rachdenken und. Uebung selb st gebildet. Er ist einer jener großen Autodidakten, welche als leuchtende Vorbilder aus jener Entwicklungsperiode des Judenthums hervorleuchten. Sein Ruf -verbreitete sich bald weithin; n an trug ihm eine Professur in Luxemburg an, er -^X^lehute aber diesen für ihn jedenfalls glänzenden Posten ab;! denn sein Ideal war, der jüdischen Jugend seine Kräfte zu widmen, um durch sie das Judenthum und die Judenheit zu hebm. Tief empfand er die Mängel des religiösen Lebens und Lehrrns in der damaligen Judenheil und er kannte kein hö heres Ziel, kein edleres Streben, als dasjenige, welches zuerst Mendelssohn und nach ihm so viele seiner Jünger! begeistn te, seine Religionsgenossen zum Bewußtsein ihres Mensch mwerthes und zur Th.eilnahMe ' an den Culturbestrebungen der Zeit zu befähigen und zu einer vorurtheilsfreien Prüfun g des Ueberkommenen anzuregen. Er war sich aber; bewußt, daß nur durch die Schule ein nachhaltiger besserer Sürmm gebildet werden könne, daß jeder Bau von unten so«d uns haltbar gelegt werden müsse, soll er von Dauer sein, paß alsn in der Jugend die Zukunft'Israels liege. „Die Jugend \ sagte er, „ist unsere schönste Hoffnung; darum sei sie auch der theuerste- Gegenstand unserer Sorgfalt." Er gründete nun unter unsäglicher Anstrengung eine Privat- 4 Anstal!t zu Mainz, die sich bald eines schönen Rufes er- , freute. Dabei vergaß er auch die Erwachsenen seines ' Volkes sticht, deren sittliche Vervollkommnung ihm warm am Herzen lag. - Durch eine von ihm Mröffentliche Monatsschrift : i „Geist der pharisäischen Lehre", an welcher sich Juden und Christen betheiligten, wollte er in die Veste des Thalmuds Bresche schießen, auf ten Grund der jüdischen Geschichte die Berechtigung zur Fortentwickelung des Judenthums Nachweisen und seine Glaubensgenossen, die mit größ- -7 tei Zähigkeit an unzeitgemäßen und die Religiosität darum nicht mehr stützenden und fördernden Gebräuchen und Lehren hielten, für freieren, dem Germanismus mehr zusagenden Satzunge« zu gewinnen. Doch fand dies Unternehmen bei den Juden wenige Unterstützung und Berücksichtigung. Die Zeitschrift wurde unter Juden kaum beachtet, doch scheint es, daß sie um so mehr die Aufmerksamkeit christlicher Theologen auf sich zog. Er gewann in christlichen Kreisen fortwährend an Achtung. Mehre Offiziere und die angesehensten Mainzer Bürger nahmen bei ihm Unterricht. Drei Bischöfe: die Herren.». Geissel, Näs und Weis, waren seine Jünger und bliebtn ihm bis in die spätesten Tagen zugethan. Die Geistlichen zu Mainz, ja selbst der Bischof Colmar standen in freundschaftlicher Beziehung zu ihn;, obgleich er ein inniger Verehrer des Judenthums war. . Nicht minder genoß er die Achtung der Mainzer Juden, für deren Wohl, auch in materieller Hinsicht, er eifrigst besorgt war, wie der von ihm daselbst gegründete Handwe'rksverein beweist. Selbst diejenigen, welche in religiöser Beziehung mit ihm nicht gleichen Sinnes waren, und die ihn ob seiner freieren Auffassung des Judenthums nicht wohl wollten, mußten dessenungeachtet seine Ehrenhaftigkeit und Charakterfestigkeit anerkennen. Wenn die Mißachtung, einer Persönlichkeit am Wirkungsorte auch nicht immer Beweis von Berdienstlosigkeit und Verächtlichkeit derselben ist, so ist doch andererseits die Achtung, die ihr daselbst zu Theil wird, sicherer Beweis der Achtungöwürdigkeit. . (Fonstpung folgt.) Exegetisches. (Bon vr. I. Klein, Gemeinde-Robbiner;u tztlogau.) Im ersten Buche Moses Kap. 38, Vers 14 heißt eS: 1)1 F]biTO rpyiQ D2P1; ich übersetzt den Vers also: „Sie bedeckte sich mit dem Schleier, und schien (stellte sich) ermüdet; und sie setzte sich an den Eingang"der Quellen, der am Wege nach Thimnath ist." — Alle mir bekannten Uebersetzer und Erklärer geben das Wort P^yrO "und sie verhüllte sich." Die LXX. übersetzten freilich: xai ’txaXbuntauTo, und sie schmückte sich; auch Onkelos übersetzt: HSpfTW / und sie ordnete sich; die Vulgata: et mutato habitu, und mit verändertem Anzuge, als stände Pj^nnni; (ähnlich 1. B. Mos. 41, 14). Allein das sich Verhüllbn drückt schon DDD1 aus, und es ist in Prosa nicht gebräuchlich, Synonymen neben einander zu stellen , wie dies bei Poesien geschieht. (niSo2 jlE/S ScD nUIE/i)- Gehen wir aber Wf die Grundbedeutung des

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