Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 6 (15.7.1861)
- Date
- 1861-07-15
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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43* Umgestaltung nach den Anforderungen der fortgeschrittenen Zest, sie muß die Aufgabe eines besonderen Standes fein und bleiben. Ein solcher Stand ist der der jüdischen Theologen,!der religiösen Volkslehrer, der Rabbiner. Wenn eine Gemeinde einen Nabbinex wählt, so hat sie "dadurch bethätigt, daß sie das religiöse Leben der Gesammtheit vertrauensvoll der Einsicht des Mannes übergiebt, der ihr als der Höhepunkt religiösen Wissens und Lebens für den Einzelnen erscheint. Sie wird von ihm verlangen müssen, daß er nach bester Einsicht, nach bestem Wissen und Gewissen die religiösen Anstalten pflege, zu deren Pflege eingehende Studien, Kenntniß des geschichtlich gewordenen JudenthumS unumgänglich nöthig ist. Sie wird in ihm nicht allein den religiösen Rathgeber deü Einzelnen, den höchsten menschlichen Ausdruck der Moralität und Sittlichkeit, wie sie sich aus der tiefen Erfassung und Bethätigung der religiösen Quellen ergiebt, verehre», sondern insbesondere auch die religiöse Zu- . kunft der Gemeinde in seine Hand, legen. Sie wird ihn nicht der Laune von Männern übergeben, von denen weder eine Einsicht in diese ReligionSquellen erfordert, noch^ jene Hingebung für das religiöse Leben der Gesammtheit verlangt werden kann, die nur dann möglich wird, wenn sie die volle Aufopferung des Mannes für seinen Beruf, die Erfüllung * einer Lebensaufgabe ist. (Forlsckung folg,.) Gallone berühmtes israelitischer Schulmänner. 1. Dr. Michael Creizenach. Zu den Glanzsterner, welche am Horizonte der israelitischen Schulwelt der Re Grade unstreitig Di'. M würdige Mann erblickte e^uzeit leuchten, zählt in vorzüglichem chael Creizenach. Dieser ehran den schönen Ufern des Main und Rhein — zu Mainz — den 16. Mai 1789 das Tageslicht. Seine Eltern gehörten zu den seit Jahrhunderten wegen - ihres frommen S innes ausgezeichneten Familien und zählten dieselben mehrere Rabbinen zu ihren Gliedern. Sie hatten keinen höheren uich sehnlicheren- Wunsch, als daß einst auch der junge Michael den Rabbinerstuhl ziere und als leuchtendes Vorbild innerhalb jüdischer Gemeinden glänze. Selbst von frommem Geiste beseelt, bestrebten sie sich, auch dem Geiste ihres Sohnes eine heilige Scheu gegen Gott und desien Gesetz, Lust und Liebe zu religiösen Uebungen und Beschäftigungen einzuflößen, unv so erhielt denn auch, durch den Einfluß des würdigen Valersimzes und durch das Vorbild und die Unterweisung einer! sinnigen Mutterliebe, der Geist unseres jungen Creizenach leine unverrückbare Richtung nach dem Höheren und Höchstens Die Elemente des Hebräischen ließen sie ih^ mit dem ersten Erwcchen seines Geistes in einer jüdischen Religionsschule (frS^e: ‘ Glieder genannt) lehren, welche, wie in damaliger Zeit gang und g^lbe, von Männern geleitet wurden, die Kinder- und Rinder schlächter zu gleicher Zeit waren und auS welchen Körper und Geist verdumpfenden Instituten nur wie durch eia Wunder brauchbare Menschen hervorgingen. Der französisc)e Revolutionssturm, der damals die Welt zittern machte und namentlich die Städte am Rhein in Furcht und Schrecken> verletzte, war Ursache, daß er, dieser Schule.entzogen, mit s inen Eltern nach Aschaffenburg wanderte, w/ er jedoch > 7 Jahre alt, eine neue Marterschule besuchen mußte, sich aber durch Fleiß, Aufmerksamkeit und schnelle Auffassungsgabe die vollste Zuftiedenheit seines, Lehrers erwarb und durch jeiiie Gewissenhaftigkeit auch bald die Blicke eine« größeren Publikums auf sich zog. Einst spielte er nämlich am Sä'bathe mit einem Schulgenoffen und zerbrach unvorsichtitzeri »eise ein Glas, was nach dem damaligen altorthodoxen rig, lösen Begriffe der Juden, nach welchem auch das Zerbrtchen eines Gegenstandes zu den am, Sabbath verbotenen Arbeiten gehörte,, eine große Sünde war. Er verständigte sich hierauf mit seinem Gefährten^ daß sie sich zur Sühne dieser Schuld die Hand abhauen sollten und forderte er diesen zugleich auf, mit seinem (Creizenach's) Arm sofort den Anfang zu machen, wozu Jener sich auch nicht lange bereden ließ und gleich wacker darauf loS schnitt. Rur die Ohnmacht, welche ihn dabei übersiel, unv däs darauf erfolgte Herbeeilen fremder Leute rettete seinen Arm, dem jedoch die erhaltene Marke ebenslang verblieb. Nach Mainz zurückgekehrt, setzte er seine hebräischen Studien weiter fort, und wurde bald die Zierde »er Schule und der Stolz seiner Eltern und Lehrer. Obgleih in der Schule religiöse nnd gelehrte Disputationen mit seinen Commilitonen liebend, lebte,er doch meist in still»r Absonderung bis in die tiefste Nacht seinen Studien, zu-welchen sich nun auch die mathematischen gesellten, zu dene i er ganz besondere Befähigung und Vorliebe hatte. Es ist dies eine Eigenheit der sich entwickelnden, dem Moderdufte des- Cheder entwachsenden Charaktere, aus jener Periode, t nd mag wohl darin, seinen Grund haben, daß die Mathematik ein sich berührendes Extrem dqr talmudischen DisciplineN bi dete, intern sie wohl sich auch auf den Scharfsinn, aber n cht auf jenen wesenlosen, unfaßbaren stützt, sondern dix bestimmtesten, faßbarsten Resultate liefert. Andererseits war a lein die Mathematik ein tolerirtes Wisftn schon darum in jenen Schulen-, weil auch das Leben siH der Elemente derse ben nicht entheben konnte. Zu,16 Jahren sing er an, das deutsche A-B-C zu erlernen. Sein Vater sah das mit Unwillei. Er befürchtete, daß die Befreundung mit beutfctyer; öect ire und Wissenschaft der innigen Anhänglichkeit ans Judenthum Gefahr bringe, seine Glaubenstreue bedrohe. Die Kennt! iß anderer Ansichten reizt zur