Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 6 (15.7.1861)
- Date
- 1861-07-15
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
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> 42 — einer *6fcuren Landgemeinde, die ihreri Lehrer verjagt »der mißhandelt, weil er in einem öffentlichen WirthSlocale 2 Zein Md Kife und zwar mit unbedecktem Haupte genossen? es ist Parnel! handelt so. in Rohhen ein Unterschied und znar ein bedeutsamer. Dieser im Interesse deS chm überkommenen Amtes, das, was heilig >»ünkt, zu ccnserviren. tfr macht keinen Anspruch Bildunz; das Gefühl leitet ihr; er weiß es nicht beffer darf <§ espenster scheu. Er hat einen armen Lehrer vor gewöbnt, von Hand zu Mund zu leben, der Morgen andere Stelle findet, vielleicht »esser, selten schlechter. ausgesprochen, und die Klage wahr: Ja, und Unwiffenheit, er weint chm auf er ich, :ioe So ist denn die Solidarität der Rabbinen und Lehrer »er ReligionSbeamten nur zu »er Jude allüberall sieht in ihm (dem Beamten) hjute noch w e ehedem seinen Untergebenen „Meschubad." Aer dieser aus, so viel ich weiß, dreißig Mitgliedern befteherde, als hochgebildet sich brüstende Vorstand, der Pas Princip der Aufklärung zu vei treten vorgiebt und in welschem I iristen, Mediciner, Bangniers rc. sitzen, muß der nicht bochachien das heiligste Menschenrecht, zu dem vor Alllem die Erfüllung, die ganze 6 rfülluitg der Ausgaben des Berufs, des Amtes gehört? Besteht die Aufklärung dieser jüdischen Intelligenz alle n in der Rcgirung alles religiösen. während der ganze straff büreaukratische Vorstands- Körper in allem Weiteren die wehre Bildung verleugnet, seine eigene Ausgabe mi^kennt, die HandlMgSweise seiner Beamten in unwürdiger.Weise inaurrirt und beengt,- kur; das Gegentheil de: Ansklärunsi, der wahren Geistes- und Herzensbildung, des Fortschritts bethätigt?- Wchre Aufklärung ist consquent; aber die Consequenzmacheret ist Sache »er Spitzfindigkeit. Die Furcht vor hirarchischer Beeinflussung ist in heutige Zeit, im heutigen Judentbume -- selbst wenn solche überhaupt im Judenthume möglich wär: — eine ^Gespenstersur ht; und wenn wir selbst für die Schule einen weiter als aus den Religionsunterricht gehenden Ein luß des. Rabbinen mit jaller Kraft .zurückweisen und gegen de «selben ankämpfcn werden, so hat'dies andere Gründe, auf die vir im Verlaufe dieser Beleuchtung zurücklcmmen. Worin bestehtdie Aufgabe deö Vorstandes in einer israelitischen st eligionegemeinde der Jetztzeit? .-Welche Befugniß, welchen Berus hat diese Behörl e? Wir, wissen ihm keine andere Aufgabe zuzumessen, als die in Sem Grundgedanken ein r rel giösen — einer jüdisch- »eligiösen Genoffenschaft ausges »röche «en; er muß Hüter und'Wächter sein der israelitisch« n Lehre und des israelitischen Lebens, Er muß Hervorruf :n und fördern die Anstalten, die als. der Ausdruck des reli ziösen Grundgedankens im Judenthume gelten. Er muß fhtiien und festigen die Synagoge — Lehre und Gottesdienst; mu; sorgen für religiöse Erziehung der Jugend, auf daß sie mit leber diger Theilnahme angehören der Glaubensgemeinde, feste Säulen werdender Synagoge, nicht — tootgeborne Glie der, all dies, da er es nicht selbst ausführen kann, durch die von ihm gewählten Beamten. WaS ist aber der Vorstand einer Religion^gemeind wenn sein Sinn allein gerichtet ist auf die Einschränkung npd Beeinflussung der religiösen Gemeindebeamten? <Wep Sinn hat sein Wirken, sein Thun, seine Stellung? Ist er der Ausdruck des Grundgedankens, welcher in her Verbindung liegt, zu deren Vertretung er berufen? Welche StellMg, welche Befugniß, welchen Beruf hat dann noch sin israelitischer Gemeindeborstand? Darfund kann er vernünftigerweise vergessen, daß er nichts mehr ist, wo das Judeuthum ein Ende hat? Daß all seine AdministrasionSkräfte ja einzig um der Sache willen „verschleudert" werden, deren Werth und Bedeutung ihm abhanden gekommen-zu sein scheint? Wo ein jüdischer Gemeindevorstand ist, da muß auch Judenthum — positives Judenthum sein. Positives Judenthum aber'muß eine'lebensvolle Form haben, und einRabbinep ist der Wächter und Vertreter dieses positiven JudenthuiyS in concreter Gestalwng, nicht des „wesenlosen Scheines.^ Wir haben keine Hirarchie, keine Priesterherrschaft, selbst keine Theologen im gewöhnlichen Sinne des Wortes, als vom Gesammt- Religionskörper abgetrennte Standespersonen. | Der Rabbiner ist Mitglied der Religionsgeineinde. Aber wir haben eine Theologie, eine mosaische Theologie, eine (^otteSlehre des Judenthums.- Eben darum, weil das JudeNthum in fortwährender Entwicklung begriffen, gehört zur Auffassung und Vertretung, desselben tiefere Kenntniß der ganzen geschichtlichen Entwicklung. Wenn auch manche der gegebenen Grundlagen nicht mehr die ganze Bedeutung vergangener Zeiten hahen, wenn z. B. der Talmud mit seinen Copices, Commentatoren, u. dgl. nicht mehr als die alleinige Richtschnur jüdischreligiösen LebeuS gilt, so zeigt es doch eine äußerst flache Auffassung des Judenthums, wenn man glaubt, die Kenntniß dieser historischen Durchgangspunkte durchaus entbehren zu können. Dieses Wissen, das zur klaren Auffassung der Gegenwart und ihrer Berechtigung zur Umgestaltung des Judenthums mibedingt jnöthig ist, das die Grundlage der lebensvollen religiösen Entwicklung bildet, ist nicht Jedermanns Sache. Es ist einx Aufgabe fürs Leben, — ein Lebensberus, sich solches Wiffen antueignen. Die heutige Zeit, die jedem Zweige an dem großen Baume der Menschheit eine große Summe vor vielseitigem Wissen zuweist, die an jedem Menschen erhöhte Anforderung stellt, kann und muß wohl auch jedem Menschenleben die Grundlage und die Bluthe geistigen Lebens, die Resultate dfr religiösen Entwicklung zu eigen machen, aber die Fortführung und Durchdringung der religiösen Aufgabe der Gesausintheit, die Belehrung über diö über die Gegenwart hinauSdagenden Ziele, und wie dstse Gegenwart sich auS der Vergangenheit entwickelte, insbesondere die berechtigte