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Der israelitische Lehrer · 1861-07-01 · 5 (1.7.1861) · p. Seite 35

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
5 (1.7.1861)
Date
1861-07-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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. — 35 f seiner Zeit in diesen Blättern veröffentliche». Ob vann ein oder mehrere miteinander gehende Vereine, ob eine Collekte über gaihj" Deutschland, oder eine solche über einzelne Theile deö Vaterlandes stattfindeil soll, das mag abermals späterer Entscheidung Vorbehalten bleiben. Wir haben nichts mehr hinzuzufügen. Wir senden diese Worte hinaus in die Welt, auf daß sie wie der befruchtende Llaub aus der Baumblüthe, da und dort lebensvoll sich entwickeln mögen. Wir nehmen gern die Verkennung und das Lächeln der Gleichgültigkeit als etwas Unabänderliches hin; „Ein Plan, zum Wohl des Ganzen ersonnen, darf, hundert Mal vereitelt, nicht aufgegeben werden." . Gottes Segen mit unserem Unternehmen! Odernheim. . p"E"b N"D“Tn non m lieber das jüdische Schulwesen im Großherzogthum Hessen. (iu'rticßintjj.) II. Das Herz erbebt in uns, wenn wir solch hohlem unlauteren Treiben begegnen, wenn wir in unsere religiösen Zustände hineinblicken. Werfen Sie einen Blick in die größeren Städte unseres Landes. Während einseitiger Confessionalismus erwiesenermassen die öffentlichen christlichen Lehranstalten beherrscht, -besitzen die Juden fast' keinerlei Anstalten für den religiösen Unterricht; die wenigen Stunden, die der Rabbiner oder ReligionSlehrer hier und dort e?- theilt, sind kein genügendes Gegengewicht gegen pietistische und ulträmcntane Influenz auf die zarten Herzen der Kinder. Eine gesunde harmonische Entwicklung ist unmöglich, wenn der Geist des gesammten Unterrichts getragen wird durch Anschauungen, die dem jüdischen Leben und unseren religiösen Principien schnurstracks entgegenstehe». Der Rabbiner oder ReligionSlehrer sollte in wöchentlich zwei-, oder wenn es hoch geht drei Stunden dem. Schullebeneiner ' ganzen Woche, mit den tausend Anknüpfungspunkten für tendenziöse Gegenstimmungen entgegenwirken, und dasselbe unschädlich machen können? Roch mehr; in bissen Religionsstunden werden zumeist Begriffe, Ideen entwickelt, weil zu einer gemüthlichen Einwirkung die Zeit nichs hinreicht; sollte inan nicht so viel psychologische Erfahrung - haben, daß Begriffe und Ideen der psychischen KindeSnatur kein Aequivalent sind für Stimmungen» Spuren, die durch Gefülsschwärnierei, (GemüthSduselei) eingesaugt werden, und wären jene noch so warm und begeisternd entwickelt? Weiß man nicht, daß für Kinder die meisten und den einfacheren Grundvermögen entsprechenden Spuren, wennsie zugleich kräftjg sind, die größte Evidenz haben, nie die Psychologie sagt? Und gerade diese dem Judenthum feindlich-, seiner innersten Ratur widerstrebende, weichliche, empfindende Pietisterei, dies barmherzige Schwesternwesen — wir wisse» kein passenderes Wort —.ist es nicht'das.geliebte SchooSkind so vieler Lehranstalten der jetzigen Zeit? Stiehlt es sich nicht so weich^ und zart in das für ursprüngliche Gefiihle reizvolle kindliche Gemüth? Wollt Ihr Eur: Kinder diesem Treiben aussetzen, wollt Ihr diese Stimmung, diesen Ton, diese Färbung ihrem Leben, Eurem Leben in Euren Häusern gebend selbst wenn dabei nicht, — txempla sunt odiosa —;-so viel Proselytismus mit ainteiliefe?! . . i Aber auch auf dem Lande siehts, zwar in anderer Weise, doch fast ebenso aus. Zwei Orittheile der Gemeinden haben Jahraus, Jahrein gar keinln Lehrer. Die Kinder wüchsen^ fast ohne jedweden religiöser Unterricht auf; von religiöser Durchbildung kann keine Rde sein. , Wie da die finsteren Mächte Gewalt bekommen, und die Rohheit jene Rischus- Jrreligiosität erzeugt, .die d:n Denkenden, für die Religion ' warm Fühlenden zu so zürnendem Schmerz verleitet! In den Städten wird diesem durch weltliche-Bildung theilweise noch zuweilen entgegengewi >kt! Aher was soll aus dem Judmthume auf dem platte! i Lande werden? Von Jahr zu Jahr werden allüberall in den kleinsten Orten, in Miniaturgemeindeli neue Synagogen gebaut, selbst in Orten, die nur 5 — 6 jüdische Einwohner zählen. Man weiht diese Häuser ein mit schönen Festlichkeiten, holt den Rabbinen und einen fremden Vorbeter, wohl auch einen Chor von auswärts her, hält schöne Reden, Bälle und Gastmähler; und am nächsten < vabbath stehet dieses Gotteshaus leer, man hat kein Geld ür einen Lehrer und. Borbeker, die Schulden und Zinsen müssen bezahlt sein, und das geweihte Gotteshaus wird eniweiht durch eine» weiheja andachtlosen Gottesdienst; bei Vorbeter ist ein armer Mann aus der Gemeinde, nicht immer der Achtungswertheste, der leinen Begriff hat vcii dem, was eS betet, wenn sich nicht sogar Mehrere im Gottishause mn-die Ehre des Vorbetons zanken und s hlager — Alles schon dagewesen! — Von der geringsten z ritgem ißein Reform kann natürlich keine Rede sein; Alles ist! in der heiligsten Unordnung conservirt. Die Kinder aber, o die Armen, die wachsen auf, ohne Zucht, ohne Sitte, sselbst ohne. Kenntniß der äußeren Formen religiösen Lebe iS, t:r Grundlehren unserer, heiligen Religion,-obwohl die Altin orthodox sind für ihre Person und gegen freidenkei de un> > nach wahrhaft religiöser Ueberzeugung handelnde i ehrer; während sie christliche Lehranstalten besuchen, die hüifig in Geiste hlr preußischen Regulative und der Maii zer Hickenbriefe, selten aber-im Geiste der die wahre Hmm nität a tstrebende Anstalten geleitet werden, mit denen auch wir uns rcht befreunden könnte», wenn sie

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