Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 5 (1.7.1861)
- Date
- 1861-07-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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thums macht, darf das Beste leisten wollen, er wird nicht im Stande sein, mit seinem Unternehmen vor-die Oeffentlichkeit zu dringen, denn die Preffe ist das Herz der Zeit und ihr bewegender Faktor. Man fordert von einem jüdischen Schriftsteller oder Publicisten nicht ein ausgesprochenes . Für oder Wider gegen religiöse und andere Richtungen, sondern, mehr und mehr eine Parteinahme gegen mißfällige Personen oft gleicher religiöser Richtung. Die fortschreitende Gilbung, rer immer noch starke, ja mehr und mehr sich festigende religiöse Gemeinsinn im Judenthume hat sich Iber verschiedenen Veranlassungen kundgegeben, die 'mit unendlichem Pompe, mit großem Selbstlob und Selbstüberschätzung als wellbeglückende Thaten ins Leben gesetzt wurden. Wir wollen deren Werth hier nicht beurtheilen. Aber wahr in, daß bei alledem die Schule ganz leer auSging. Oder in von all deu . Schriften, «die aus gemeinsamen Mitteln unterstützt wurden, eine einzige, für die Schule und deren Leiter speciell förderliche? Selbst bedeutsame Erscheinungen auf dem Gebiete der^ jüdischen. Schulliteratur wurden mit Stillschweigen übergangen, wenn ihre Leiter mißfällig waren.*) Warum habt Ihr, die Ihr das große Wort führt, das Bolk nickt hingeführt und aufgeforderl zu einer großen Thal für die Schule? Konntet Ihrbezweifeln, daß es sich hätte findeiilassen zu Unternehmungen, deren Werth für die ganze Zukunft des Judenthums so einleuchtend ist, während eS sich finden ließ zu Unternehmungen, die ihren Werth nicht gerade an der Siirne tragen? Ein gro)es tüchtiges israelitisches Schullehrerseminar;. B. wäre doch wohl wichtiger, als wenn das jüdische Lektüre liebende Publikum für wenige Tbaler viele Schriften bekömmt, die zur Hälfte mindestens ungelesen bleiben! Aber, nicht wahr, da hätte man sich nicht selbst an die Spitze stellen, und dann noch sagen können : Sehet. 'ja iTAl ich,'ich bin es, der so Großes leistete für Israel! O, die Heranbildung von Lehrern, welche dem Vdlke den Sinn für Religion und religiöses Schriftthum.eröffnet hätten, wäre doch eine weit größere Thal gewesen! -und dafür hätte schon vor zwanzig'Jahren etwas geschehen sollen pnd können; es ist abe-r heute noch "Zeit. Bethätigt jetzt noch Eure Kraft lind wir wollen uns von Eurem guten Willen überzeugt "halten und sagen: „Ihr kommt spät, doch — Ihr kommt." Man hat für einzelne Lehrer und deren Hinterlassen« Collekten eröffnet, die einen schönen Ertrag brachten. Gut und höchst anerkennenSwerth! WaS hätte aber statt dessen erst eine Sammlung ergeben, die für Alle bestimmt gewesen wäre?! Wenn in einem öffentlichen Organe, das über ganz Deutschland und noch weiterhin in vielen Hunden *) Wir lassen das Alles stehen, auch wenn da- Allerneueste ein Einlenken bethätigt. I Exemplaren verbreitet ist, das fast der ganzen jüdischen Intelligenz, allen Rabbinen und sonst allen Gemeinden zu Gesichte kömmt, eine begeisterte Stimme sich erhoben hätte mit den Worten : „DgS Judenthum, besonders in den lleineren Gemeinden, ist in Gefahr! In vielen Hunderten von jüdischen Gemeinden Deutschlands wachsen die Kinder so zu sagen ohne allen und jeden Religionsunterricht auf! .In vielen Gemeinden ist nur zeitweise ein Religionslehrer; viele jüdische Lehrer ermangeln der genügenden Kenntniß des Judenthnms ünd der Gelegenheit, eine solche sich anzueignen. Wir haben keine Bildungsanstalt für Lehrer, die doch zum Aufbau des religiösen Lebens das Erste und Unentbehrlichste sind! Um eine-solche Anstalt, in der jüdische, ihrer Aufgabe entsprechende Lehrer gebildet werden können, hervorzurufen, bedarf eS vor Allem eines Grundstocks, um die Gebäude rc. zu acquiriren; dann aber auch eine namhafte Anzahl von Primaten and Gemeinden, die sich zu jährlichen Beiträgen verbindlich machen. Israel ist groß und sein Herz ist weit: kommt, laßt uns bauen "einen neuen Tempel, von welchem die Lehre ausgehe für die kommenden Geschlechter." *) f Um aber uuch für diese Anstalt Zöglinge zu gewinnen, müßte damit eine Veranstaltung verbunden werden, wonach den dienstunfähigen Lehrern, sowie deren Hinterbliebenen die Mittel zu ihrer Existenz auS Kaffen geboten wird, welche in den verschiedenen Provinzen Deutschlands errichtet werden, aber unter sich Zusammenhängen. Es ist nichts derart geschehen. Das Erstere,. die Gründüng eines Schullehrerseminars, ist vorderhand nicht unsere Sache. Aber bei dein Zweiten, bei der Pensions-Wittwen- und Waisenanstalt sind die Lehrer selbst unmittelbar betheiligt. ,■— Und so rufen wir denn allen unseren Collegen, allen Ästännern, die für die Interessen des Judenthums Begeisterung fühlen, zu: Wir ivollen einen Verein zu gründen streben zur Unterstützung dienstunfähiger Lehrer und dtren Hinterlaffeuen. Wie ein solcher ins Werk zu setzen und zu organisiren, wagen wir nicht zu entscheiden. Wir fordern alle Lehrer, Rabbinen und Gemeindevorsteher, Alle, die ein Her; haben für die heiligsten und edelsten Unternehmungen zur Mitwirkung auf, und ersuchen dieselben; ihre Ansichten in diesem Betreffe uns demnächst mittheilen zu wollen. Wir werden dann die verschiedenen Ansichten gegeneinander abwägen, mit unseren Collegen berathen, und *) Es gjedt wohl einige solche Anstalten, ihre Mittel find aber zu beschränkt^ um Großes wirke» zu können. In einem mir vorliegenden Programme einer solchen Anstalt auS dem Jahre >858 ist weerr"bon Pädagogik, noch von Methodik oder Didaktik. d. h. von keiner der theoretisch-praktischen, daS eigentliche LebenSprincip der Schule bildenden DiSciplinen di» Rede! Eben so wenig von einer Musterschule, die, soll eine solche Anstalt ihre Sugabe erfüllen, unentbehrlich ist.