Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 4 (15.6.1861)
- Date
- 1861-06-15
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 28 ' dem Gesangunterricht in der Schule der jüdische Lehrer sich . noch nicht befriü>igt fühlet! darf. / Er muß weiter gehen, um den oben angedeuteten Zweck zu erreichen. Sobald er nämlich im Stande ist, mit seinen Kindern mehrere Responsorien »nd kleinere Synagogengesänge beim Gottesdienste aoSzuführen, fange er an, auch die erwachsene Jugend und wenn Möglich, auch die jüngeren Männer heranzuziehen. Er bestimme mehrere Stunden wöchentlich, in denen er Abends Erwachsene und Kinder im Synagogengesange unterrichtet, und dürfte eS ihm bei einiger Mühe nnd freundlichem Entgegenkommen bald gelingen, einen geregelten Synagogen - chor zu Stande zu bringen.. Die älteren Mitglieder der Gemeinde, .die sich allenfalls bei den Gesangübungen nicht bethelligen wollen oder können, werden durch das öftere Wiederholen der Gesänge" beim Gottesdienste sich nach und nach die Melodien zu eigen machen, wenn man namentlich nicht eher neue Gesänge vortragen läßt, bis die früher eingeübten gut gehezi' Auf diese Weise, meine werthcn Herrn Eollegen, könnte ttirch Uns gar Vieles zur Hebung des Gottesdienstes geschehen. / . Was die ftt-wählenden Gesangstücke für den Gottesdienst anbelangen, so finden wir in Ehrlichs liturgischer Zeitschrift, in den Wiener, Münchner, Pariser, Frankfurter, Braun- - schwejger :c. gottesdienstlichen. Gesängen eine Mäste Stoff für-unfern Gebrauch. — Man wähle' sich ja hiervon me einfachsten, weil sie leichter einzuüben sind und für den gottesdienstlichen Gebrauch nur diese sich -eignen (ich habe hier die kleineren Gemeinden im Auge), während die schwierigen 'Ecmpositionen nur für größere Synagogenchöre und auch da nicht immer am Platze sind, weil sich gar Viele eher fürs Theater, als für die Svnagcge eignen. .Nur bei sehr guten ' Stimmmitteln und gehöriger musikalischer Kenntniß des Einzüübende» kann man einen mehrstimmiger? Ehorgesang einführen, im andern Falle ist der einstimmige am besten und leichtesten auszuführen. Die Hauptsache ist übrigens »och die,, daß sich bei einstimmigen Gesängen die ganze Gemeinde eher, betheiligen kann. Kann es dahin gebracht werden, die Gesänge durch Orgel oder ein anderes, die Orgel vertretendes, Instrument, wie das neu erfundene Harmonium» das jetzt sehr billig geliefert wird, begleiten zu lassen, so ist dem Chorgesang eine große Erleichterung verschafft. , Noch. eins darf ich zum Schluffe nicht vergessen anzuführen :. Es wird inir Mäncher der jüdischen- Lehrer crwiedern, daß zum Ertheilen des Gesangunterrichtes Kenntniß und Fähigkeit von Seiten des Lehrers nöthig sei und daß diese gar Biese unsrer Eollegen ohne jljre Schuld nicht besitzen. Wohl uxjhr! — Nicht allein viele jüdischen Lehrer, die kein Seminar besucht, hatten nicht immer Gelegenheit, sich musikalisch puszubildeki, sondern auch'Viele, die am Seminar ihre Bildung genoffen, ermangeln dieser Befähigung (namentlich in unferm Lande) weil die jüdischen Zöglinge von der Teilnahme am musikalischen Unterrichte in unseren hessischen Seminarien befreit waren. Möchte doch dieser Mißstand endlich beseitigt werden! Uebrigens,, meine Herrn College«, lasten wir uns nicht zurückschrecken! Suche Jeder, dem die Musikalische Befähigung abgeht, wo möglich, sich dieselbe anzueignen, wenn auchnicht im ausgedehntesten Maßstabe. — Es wird wol Jeder, dem es um seine eigne Ausbildung zu thun ist, in jedem, auch im kleinsten Orte, bei seinen christlichen College« Gelegenheit finden. Etwas in-dieser Beziehung zu thun. — Ich bin zu Ende! Sollte es mir gelungen sein, durch meine kleine Arbeit auch nur eine Anregung zur Einführung des 'Gesanges in unsrer Schule und Synagoge gegeben zu haben, so würde ich mich dadurch schon reichlich belohnt finden. K Marr in Alsdeim Ueber! das jüdische Schulwesen im Großherzogthum Hessen. i. Die Hoffnungen und Erwartungen der armen hessischen Religionslehrer sind längst wieder zu Grabe getragen*) und die eifrigsten Strebungen haben sich leider als erfolglos erwiesen. Nun ists wieder stille worden; kein Hauch, der vom entschwundenen Leben zeugte. Wem, der ein Herz hat für die heiligsten Interessen des Judenthums, die mit denen der Schule aufs Innigste zusammenhängen, wird dieses Faktum nicht tief schmerzen? ' . Wo mit sie denn aber geblieben. Tic Vbglein alle, bie lieben. \ Tie da sängen erst so schön?! Wo sind sie Alle hingekommen, die vor Kurzem noch so viele und schöne Worte machten? Worte, Worte, nichts als Karte! — Ist Alles gethaü, was möglich war, kann man nun wieder ruhig die Hände in den Schooß legen? — Ach, die^ ganze Hoffnung glich nur einem lauen sonnigen Mittag in strenger Winterkälte; Kälte Morgens, KälteLlbends, selbst die Schneedecke ist nicht dünner worden; — und der Rest Täuschung.-:- *) Dieser Artikel war eigentlich für ccn zu unscrm großen Bedauern ein« gegangenen israel. Volkslehrer r>. Stein bestimmt: derselbe hatte sederzeil besonders regen Antbeil an der Lntwickelung der hessischen Lehrcroerbältniffe genommen. Seitdem den oberhcssijchen Vorständen auf ihr Am'uchen abschlägige Antwort geworden, ist für diese nichts mcbr geschehen. Ich wollte nun in der betreffenden Angelegenheit auch meine Meinung offen äußern, neue Anregungen bringen. Ich erlaube mir zu bemerke», daß, als Msmentarlehrer ■ vom Staate angestellt, ein unmittelbar selbstsüchtiges Jntcreffe mir nicht unterstellt.'werden kann. X. i