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Der israelitische Lehrer · 1861-06-01 · 3 (1.6.1861) · p. Seite 21

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
3 (1.6.1861)
Date
1861-06-01
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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21 chen. In andern Disciplinen kann man den Kindern zuweilen etwas spielend und scherzend'beibringen, hier aber muß stets ein religiöse: Ernst vorwalten. Gewiß denkt Mancher von Ihnen, wer in aller Welt wird sich den Eonfirmanden- Unterricht anders verstellen, oder gar anders ertheilen? Und doch ist es in der Wirklichkeit zuweilen anders. Ich war Augenzeuge, wie ein renommirter jüdischer Geistliche diesen Unterricht im Schlafrocke, mit einer langen Pfeife im Munde erthcilte, wobei die Kinder herzlich scherzten und kicherten. Dies wurde unstreitig durch die fubjective Haltung des Geistlichen herbeigeführt. Dieses Beispiel hat mich auch zu vorstehender Bemerkung veranlaßt. Zn den objectiven Gegenständen des Cynfirmanreil-Unterrichts gehören: a. biblische Geschichte, b. die Glauben^- unv Sittenlehre aus dem ReliglonSbuche, und c. eine Anzahl Bibelsprüche. Diese Lehrgcgenstände müssen aber durch die ganze Schulzeit vorbereitet und mcmorirt, vor der Confirmation erweitert und befestigt werden. Für die biblische Geschichte verlange der Lehrer int Allgemeinen,— einzelne Falle ausgenommen — kein wörtliches Auswendiglernen. Dieselbe mußgeistiges Eigenthum der Kinder werden, dann können sie dieselbe auch mit eigenen Worten wicrergebeu und erzählen. Was die Glaubens- und Sittenlehren anbclangt, können dieselben freilich nicht anders als nach einem Religionsbuche auswendig gelernt werden; aber'so, wie die Franzosen das Auswendiglernen nennen: apprendie jwr coeur, mit dem Herzen lernen; savoir i>ar coeur, durch toi Herz wissen. (Die Engländer sagen: l y hcart.) Wo dich nicht rer Fäll ist und die innere Bethciliznng aufhört, da hört auch ras Ge tächtniß auf, und da—wird nur fürs Vergessen gelernt. — Die Bibelsprüche, welche ebenfalls in dem vorerwähnten Sinne mcmorirt und auswendig gelernt werden müssen, sollen als' die festen, unerschütterlichen Grundsteine für das ganze Religionsgebäure auf den festen Boden des Geistes, des Herzens und deS Gedächtnisses, worauf der ganze Bau des bei- -ligen Tempels ruhen soll, gelegt werden. Man wähle aber nur Kernsprüche, und wo es thunlich und möglich ist, solche, die in unscrm täglichen Gebetbuche verkommen. Diese sollen in hebräischer und deutscher Sprache gelernt werden. Tie Erstern tragen zur Hebung mnd Feier der Confirmation viel "bei, und werden von den Eltern gerne' gehört. DSn Hauptzweck den ich jedoch dabei im Auge habe, ist der, daß sic nicht so leicht in Vergessenheit gerathen, weil. die Kinder beim Gehete daran erinnert werden und dieselben auch nach dem Austritt, aus der Schule sich erhalten und befestigen. Unser Gebetbuch ist reich an solchen Stellen. Als Beispiele führe ich hier an: Dm njm ». s. to- HN miC u. s. w. nmrn aio ». s. ». cp-iedd aWn «• f-1 »• e. Der Lehrer verwende Ich lege nach meiner ii idividuellen Ansicht hierauf großes Gewicht, weil ich erfahren habe, daß erwachsene Schüler, ichdem dieselben die Schul! schon mehrere Jahre verlassen, solche hebräische Bibelverse noch im Gedächtnisse hatten, während vieles Andere längst ins Reich der Vergessenheit hinter gegangen war. Zur Befestigung des Memorirstoffes kann die Schule astf folgende Weise beitrage i. Das, was sie gibt, geäe sie in rechtem Maße und des j Stoffes nicht zu viel. b. Der kindlichen »traft lind dem Alter angemessen; keine zu große und lange Phi äsen, wie manches CoNfirmandenbüch deren enthält. c. Taö, was sie gibt, am die rechte Weise, ck. Bei rer biblischen Geschichte unterlasse man die historische Auslegung nicht, lautlich die Zeit, den Drt und die Umstände der Ereigniff: täglich einige Miimten in rer Schule — etwa am Ende derselben für den Memorirstoff des Ecnfirmanden-Unterrichts, damit derselbe festes nnd sicheres Eigenthuu der Kinder werde. Die Meisten lernen die MeniorirW ke erst kurz vor der Schule und find einige Tage nachhe: gewöhnlich nicht mehr im Stance ./ dieselben noch einmal h wzusagen.. Wird das Erlernte aber täglich abwechselnd wererholt, so muß es sich-befestigen und zum geistigen Eig< ittlurm werden. Geschieht das Lernen, unter Mitwir.kun z des Lehrers, gemeinschaftlich, so wird der Schüler lei hier ,, angenehmer und i mit mehr Liebe zum Stoffe lerni n. Dies ist gewiß nicht unwichtig uno seyr zu berücksichtigen. > Endlich mache ich sic Kinder mit den verschiedenen, herrschenden Glaubensart«» uno ihren Differenzen bekannt, ohne jedoch andere Eonfcislouen zu schmähen oder herabzuwürdigen. Dies soll einerseits ein Schutzmittel gegen Menschenjagd — orer gegen ras Miffionswesen —sein; andererseits aber auch Abneigung gegen Anderedenkente, Feindschaft einem Worte zur' Humanität bei tie Jugend durch die Kenntniß aasigem: testomehr lieb gewinnen, in-, , daß die Sittcnlehren aller andern Religionen in rer jüdische n enthalten sind- und ihre Religionsstifter selbst ihre gepriesenen Lehren-(die Bergpredigt« ans jüdischen Duellen geschöpft haben. '! Ich schließe hiermi und bescheide mich gerne zu der jllnsicht, daß ich den Gegenstand were^ erschöpft, noch überall das Nichtige gesundet habe. Ich glaube jedoch annehmen zu dürfen, manchen Gel ankcn angeregt zu haben, rer vielleicht durch weitere Besp! echung und Erörterung seine Würdigung und Anwendung inden dürfte. \-! und Haß verhüten, mit trägen. Außerdem wird derer Coufessionen ihre dem sie dadurch erfährt

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