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Der israelitische Lehrer · 1861-06-01 · 3 (1.6.1861) · p. Seite 20

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
3 (1.6.1861)
Date
1861-06-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 sten Religionswahrhetten darlegen sollen. Da bei dem früheren Austritte aus der Schule, namentlich bei der Barmqwa unsere Töchter leer ausgingen, so verdient die Confirmaticn schon' deshalb ihre volle Berücksichtigung, weil sie das weibliche Geschlecht in dieser Beziehung emancipirt, so daß wir unseren Söhnen und unseren Töchtern beim Einuttd Austritt der Schule mit den Worten der Bibel Zurufen: „Sei gesegnet bei Deinem Eintritte, und gesegnet bei Deinem Austritte." Was das Chukoth Haggojim betrifft — , mit welchem Ausdrucke die Zeloten Und Dunkelmänner gegen die Eonfirmatien eifern, — berufen wir uns auf die in einer Predigt gegebene Erläuterung dieser Worte des Rabbiners Herrn I»r. Aub, nach welcber laut ^ore Den das Verbot „die Sitten anderer Völker nachzuahmen", nur in den Fällen seine Geltung habe, wenn in diesen Sitten Unsittliches liege ■— rnä'TS — oder eine schwache Spur des Götzendienstes daran bemerkbar ist." Der vorliegende Fall schlägt ater gerade in das Gegentbeil über. Haben doch die Zionswächter Predigt und Gesang, welche sie Anfangs ebenfalls als Ehnkoth Hagojim verschrien, in ihren Gottesdienst ausgenommen und denselben einen ehrenvollen Platz angewiesen! Air sehen hieraus, daß.das wahrhaft Zeitgemäße und Religiöse sick> trotz des Widerstands Bahn bricht und sich geltend macht, unk bedarf es nur, um Wubzel zu fassen, des rechten Anstoßes unk der scrtgehendcn Begeisterung. Außer dem oben genannten Zwecke übt die Ecnsirmaticn eine tief gemütbliche Einwirkung sowohl auf die »linder, als auch auf die Erwachsenen aus. 1 Die Eoufirmaiitcn freuen sicb lastge vorher darauf, und lernep mit viel größerem Eifer und inst mehr Liebe an ihren Religicusaufgabcn. Das Verlangen [darnach ist jetzt in Deutschland auch ziemlich allgemein. Selbst Rabbiner vom alten Schlage ertheilen der Confirmatjcn jetzt ihre Zustimmung*). Liegen des guten ^tsecte* unk wohlthätigen Einflusses also, welchen diese Haiidlung aus die Gemütber ausübt, ist es wünschenswerth, daß sie überall,, wo cs thunlich und die Verhältnisse es nur' einigermaßen gestatten, eingcführt werde, wozu die Herreu Rabbiner, wenn sie ihre Haud bieten .-nicht wenig beitragen können. —; Wir gehen nun zur zweiten Frage des Referats über: Wie soll und muß der EonfirmationS-Unterricht ertheilt werden^ wenn er nachhaltig und segettsvoÜ wirken soll? Pelbst die llltraneuorttzodoren halten thatsächlich Confirmatsonen. Oder find die feierlichen Schulentlassungen in der der Religionsgesellschast in Frankfurt; angehörigen Schule, über die in Kleins Kalender und rm Jeschurun ganz vortreffliche chedichte gebracht wurden, an sich etwas Anderes, als der Anfoing um sie später auch in die Synagoge einzuführen? D. 9». An der Jugend, welche die Schule bereits verlassen, macht man die traurige Erfahrung und die betrübende Wahrnehmung . daß der Einfluß der Schule überhaupt, und nainentlicb der des Religionsunterrichts nicht nachhaltig genug [ei. Man hörrgar oft die Klage' laut werden, daß das neiste auswendig Gelernte wieder verloren gehe. Diese Laentationen sind nicht ganz ohne Grund; aber'die ganze chuld auf den Lehrer oder Geistlichen zu werfen, wäre höchst ungerecht. Die Ursachen sind zum großen Theil ttef in der Ratur der Sache und in den Zcitverhältnissen begründet. £as Kino, die Zzigenr überhaupt, gar häufig auch der Erichscue.folgt dem Einfluss^ des Augenblicks. Die Zeit, in Welcher der Austritt aus der Schule erfolgt, ist die der körperlichen Entwicklung und des WachSthumS, die Zeit wo die Leidenschaften erwachen, di? Zeit der Hoffnung, wo die Phantasie sich Bllkcr der Zukunft schafft, die Zeit wo der Verstand und die Einsicht noch gering sind, und doch soll der junge, noch unerfahrne Mepsch sich-selbst leiten. Zn diesem Stadium res Lebens sucht sich der Mensch auch neue Unter Haltungen und Vergnügungen. Das Mädchen muß nach dem Austritte aus des Schule bei den häuslichen Beschäftigungen mithelfcn, oder ist den Dienst treten. Der Knabe muß einen Perus erlernen oder verdienen helfen. Die Fremde, das böse Veispicl, die Verführung, Alles stürmt auf den jungen Menschen lcS, um ihn in seinen gefaßten Vorsätzen wankend zu Wacken. Wgbrlich, lauter Einflüsse, um daS in der Religion Erlernte wirrer zu fck>wächcn,-;u vergessen und zu verwischen. Daber müsse» wir unsere ganze Aufmerksamkeit und unfern Fleiß karanf vcrwenren, diese 'Einflüsse von innen und außen einigermaßen zu paralysircn. Auf welche Weise dies von Seiten der Schule geschehen kann, darauf sollen folgende (Pwankcii Hinweisen. Die erste und unerläßliche Beringung in subjectistcr Beziehung zur Vorbereitung der Ecnfirmation ist richtige Ausbjldung des Geistes und die [Fähigkeit der Schüler zu denken und richtig zu urtheilen.. 'Dieser Geist muß vor allem reif stin. Dies kann aber nicht in wenigen Jahren oder kur; vor der Confirmaticn geschehen, sondern die ganze Schulzeit vom Anfänge bis zum Eudc, wie ich in der Einleitung zur formalen Bildung scbon bemerkt, hat auf dieses Ziel hinzuarbeitcn. Man kan», zwar den Kindern den Unterricht;uwristm in kurzer Zeit ins Gedächtniß einprägen; dies ist aber nicht genug: das Kind muß auch ein eigenes Urtheil fällen können. Mit einer zu frühen Eonftrmation kann man ein Abrichten, aber keine dauerhafte Bildung des religiösen Sinnes bewirken. Eine zweite Bedingung beim Confirmanden- Unterricht ist die, daß derselbe von Seiten des Lehrers oder des Geistlichen mit einer ernsten, frommen und feierlichen Stimmung ertheilt werde, um seinen Schülern eine ähnliche - Stimmung und Begeisterung beizubringen und eigen zu ma-

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