Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 3 (1.6.1861)
- Date
- 1861-06-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428754-5431950--0060-4896782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 f mach« nun noch ferner aufmerksam, daß ich eS wohl ebenso wie der Referent für nöthig halte, daß die Schüler durch feste Einpräguug von Namen «nd Data des Bedeutsamsten in der jüdischen Religionsgeschichte feste Anhaltspunkte bekom- - men; aber mit Bezug und jim Hinblick auf neuere Erscheinungen kann ich doch nicht umhin zu erklären, daß es für den Bestand und das religiöse Leben des Judenthums ungleich wichtiger ist, daß daS Kind in Ermanglung von Zeit für beide Disciplinen mindestens h.ebräisch lesen lernt; und daß hiergegen die Kenutniß, wann Tiglatpileser Eroberungen in Israel machte, Joram und Joachas lebten, wo Pelusium und Memphis liegt, weit zurücksteht. I)r. Aub: Ich bin verhindert ein mir zugewiesenes Referat vorzulegen und. will darum hier ins Einzelne der vorliegenden Frage eingehcn. — Was zuerst das Geschichtliche betrifft, so ist eS nicht ganz richtig, daß Jakobson im Jahre 1814 zum ersten Male die Confirmgtien in die Synagoge einführte. Schon das Kasseler (westphälische) Consistorium hatte solche angeordnet; dort war sie sogar obligatorisch^), was in Berlin nicht her Fall war. Was der Ausdruck Cönfirmation cketrisft, sp ist dieser, wie ich in Klein's Kalender (1857) nachgewie^en, durchaus nicht unjüdisch, vielmehr als von continnarv-(bestättigen, bekräftigen), herkcmmend, gleicher Bedeutung mit bei „O "ITjS- *) **) Der christliche Ausdruck ist Communion. ***) Die Confirmaticn ist-natürlich nicht obligatorisch, keine Aufnahme inS Jukentbum, sondern ein Eintritt inS Leben, Uebergpngsmvment aus dem KindheitSaltjer, Eintritt in die Gell eiude der Selbstverpflichleten. Der Jude ist ein solcher d rrch die Geburt, s-) Der Rabbiner ccnfirmirt nur da, wo er auch den Confirmandeuunterricht ertheilt. Ohne solchen Unt> rricht ist die Confirmation blos eine Parade; desgleichen, «oder Lehrer unterrichtet, der Rabbiner aber dann bloS hinzutritt, um ohne Kcnntniß vom Standpunkte des religiösen' *) Demnach wäre also dar in Jost'- Geschichte le» Judcntliunis 111, 353. dierüder Gesagte berichtigen. D. Berichterstatter. **) Auch lebren. belcbren. D. B. Die katholiiche .Kirche verstehet unter f-onfirmatic» eigentlich da« firmeln. D. B. ' f) Diese seiner Zeit im BolkSlebrer vielfach ventilirte Frage hat ein besonderes Moment, auf das ich mir -aufmerksam zu machen erlaub«. Der selige Holrheim batte gelegentlich der ersten Rabbiner- Versammlung mir besonderem Nachdruck dieselbe Ansicht ausgesprochen, die er späterhin mit so scharfer Dialektik bestritt. Ich , habe augenblicklich die Protokolle nicht zur Hand: erinnere mich aber deutlich, daß das Wort Holdheim» „die Geburt macht uns^zu Israeliten" dort mit so fetter Schrift gedruckt ist, wie fast, keine andere Stelle in den Protokollen. Auch erinnere ich mich, daß die unmittelbare Veranlagung nicht vorlag. Ansichten sind , veränderlich: die Welt ist rund, sie muß sich drehen. Wissens der Kinder den äußerlichen Akt zu vollziehen. Ueber □UH mpn habe ich mich in dem Aufsatze „Blumen auf Gräbern» (Volkslehrer, Augustheft, 1858) ausgesprochen, woselbst ich (Seite 233) nachwies, daß man die von den Weisen ihnen mittelst Ueberlieferung bekannten und von ihnen aufgezählten Sitten, welche wegen Nachahmung götzendienerischer Gebräuche verboten sin^7 nicht nach eigener Ansicht vermehren darf. — Wenn der Herr Referent, allerdings mehr ai/f den gesammten Religionsunterricht Bezug nehmend, von Biblischer Geschichte und Dibelversen spricht, so setze ich diese beim Confirmandenunterricht voraus. 'Der Confirmandenunterricht stellt das ganze Lehrgebäude zusammen, und führt das Kind ins Allerheiligste ein. Er gebe noch recht viele und wichtige Bibelverse, Sprüche fürs Leben, um das Kind zu befähigen, im Leben festzustehen; er mache es aufmerksam auf die Weisheit Gottes in der Fügung der Lebenswege, auf die Kämpfe im Leben, und wie diese Kämpfe im Einklang stehen mit der göttlichen Gerechtigkeit und Liebe, damit wir nicht wieder einen --Acker" bekommen. Was die Klage anbelangt, daß das Kind das in der Schule Gelernte vergißt, so sollte dem allerdings durch fortgesetzten Unterricht --- Sabathschule — entgcgeugewirkt werden. Uebrigens hat dieselbe Aufgabe auch die Predigt, "der Religionsunterricht für die Erwachsenen«, die aÜerrings, wenn sie nickt nur ein Parade machen sein soll, allsabaihlich sein muß. So war es in alter Zeit, wo der Methurgeman jede Thorarorlesung erläuterte. Erst in den finsteren Zeiten des Mittelalters verlor sich diese Sitte, und schrumpfte auf Sabath haggadol und Sabath Theschubo ein. Herzog: Sie sagen, allsabathliche Predigt! ist dies, aber Iluch in den kleineren Gemeinden möglich, wo der Lehrer den ^Prediger abHeben muß? und ist also die Predigt des Lehrers, weil selten, auch nur Parade? 1)r. Aub: Wenn auch nicht gerade jeden Sabath hier eigentliche Predigt sein kann,'so gebe man Erklärung eines Bibelabschnitts, der Sidra oder Haphthara, wenn ein solcher Vortrag auck nur 10 Minuten währt. Die Tagesordnung führte nun auf das Thema: »Der Gesangunterricht in der jüdischen Schule." Da.s betreffende Referat von Herrn Marx werden wir später bringen. Die Versammlung beschließt hierauf noch: -Michtrheinhessische Mitglieder des Lehrerlesevereins bezüglich aller Rechte im Verein gleich;» stellen.» . Als Themata für die nächstjährige Versammlung sind bestimmt: 1) Ueber das Verhältniß der Schule zum Hause. Referent: Herr Hirsch. D. B.