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Der israelitische Lehrer · 1861-05-15 · 2 (15.5.1861) · p. Seite 14

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
2 (15.5.1861)
Date
1861-05-15
Page
Seite 14 (sequence 6)
Language
German
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/ 14 Die Lösung ist sehr schwierig, fällt sie aber falsch ans, dann verfällt der Geist der Zerstreutheit, der Stumpfheit, die heilige Flamme flackert auf, hierhin dorthin, ohne Ziel. Tie untersten Elementarklassen fordern in dieser Rücksicht am meisten vom Lehrer. Tas Kind kommt lebensfrisch in die Schule, sein erwachender Geist sucht, will sehen, hören beschäftigt sein. Aber wie beschränkt ist das Feld, worauf der Lehrer sich mit ihm bewegen kann; es kann noch nicht lesen, schreiben, rechnen, sich nicht allein beschäftigen, und der Lehrer muß die längste Zeit den pberen Klaffen zuwenden, es — muß stille sitzen. Wie soll hser der- Lehrer der geistlosen Zerstreucheit, (ein Hebel, das sich in.den ersten Schuljahren zUm.Rachtheil der ganzen später^ geistigen Entwickelung erzeugt) entgegenarbeften? Tie Beantwortung dieser Frage.ist der eigenen Behandlung werth — schließlich daher »ur noch einige Regeln, nach welchen Geistlosigkeit und Zerstreutheit gefördert wird. Es wird um Richtbefolgung gebeten. 1s Tes Kindes Dille und Streben werde als etwas Bö- - , V ses von Jugend auf betraft tet, und darnach behandelt; man halte es-nicht der Mühe werth, das keinen zu! lernen, zu studiren, was in des Kstides Seele vergeht. —i Vorzüglich den bösen Geist auszutreiben. 2) Entzieh' das Kind frühzeitig dem Umgang mit Kindern, dem Spiele, der frischen LufÜ, und laß es in der Stube bocken. [ $rafes den Reden der Alteil lauschen;, beobachte aber . pabei die Vorsicht, daß das! was in der Unterhaltung ' sticht für das Kind hestimlllt > ist, durch Weltbilder, Geheimthucrei und Geflüster ifj|n zum Räthsel werde. 4j Tamir es klug werde, wende! seine Beobachtung immer . ' ~ rasch von einem Gegenstände auf andere. 5) $tr Lehrer gehe unvorbereitet (ohne sich vorher gesammelt zu haben) , in die Klasse. 6) 1 '!änn sehe er in den Leitfaden, nicht den Kindern ins l Besicht. 7) Er bemerke nicht, wenn die Kinder vor ihm. mit den Fingern spielen, an den Rägeln kauen, besondere Rebenheschäftizungen'unter, dem Pulte treiben. > S)\(ir sei in der -Schule der Wandelgcist, unstät und flüchitg/gehe auf und ab, sehe oft nach der Uhr rc. 9) C r liebe beim Unterrichtedie Abwechselung und streue Et den Unterricht allerlei nebensächliche Bemerkungen/ Tcherz und Ernst. in ' 4>) Er lasse viel (Unverskähdenes zumal) auswendig'lernen. lji)^d m die Eltern zufrieden zu stellen, gebe er nur jsehr I -vielerlei) Schularbeiten mit nach Hause. 12)/Um das Maß voll zu. machen, fülle er cs mit geifttödtenden Strafarbeiten, als da sind: Schreibe 150mal raS Wort kommt („weil du es mit einem „m" gej - ,1 schrieben") oder er lasse eineni Psalm 6—lOmal abschreiben. 1 13) Er trage so gelehrt vor, daß die Kinder ihn nicht verstehen und darob den Mund aufsperren. 14) Er spreche selbst viel, lasse wenig sprechen. 15) Er spreche in langen Sätzen. 16) Er gebe den Kindern oft stille Beschäftignng, um dieselbe sich nehmen zu können zum Zeitungslesen und Privatcorrespondiren. Genug der Regeln. ,,il a les yeux fort ouverts mais il ne s’en sert point, fl ne regard ni vous, ni personne, ni rien qui soit au irtonde“, erzählt Bruyere im Caractere d’un diswact. ' T. , Cor^espondenz. ' j Aus Unterfranken. Es dürfte meinen auswärtigen Collcgen von Interesse sein, etwas über die kürzlich von rer kgl. Regierung von Unterfranken ergangene Verordnung „Tas Religionsschulwesen betr." zu hören. Im Eingänge erwähnter Verordnung werden als Hauptursachcn vom »ungünstigen Verhältnisse des Religionsschulwcsens ganz richtig die mangelhafte Vorbildung der Religionslehrer, die Lässigkeit einzelner CultuSgcmeindcn, und die unzureichende Pesolvung'der Lehrer hervorgShobcn! — Allein so sehr wir'auch die Verdienste der kgl.-Reg. dankend anerkennen, müffen wir doch gestehen, daß durch diese neuen Anordnungen diesen Uebcln nur geringer Einhalt gethan wird. Um eine Reform in der Vorbereitung der Lehrer herbeizuführcn wurde angcordnet, daß die Schullchrlinge, nebst den IahrcSprüfungen in den ElementarunterrichtSgegcnständen, auch bei' den betreffenden Rabbinern in den ReligionSgcgenftänden geprüft werden sollen. Wohl wäre damit einem großen Fehler abgeholfen, wenn diese neuen Herren Prüfnngscommissäre nicht ganz verkehrten pädagogischen Principien huldigten, unk die ihnen gelassene totale Freiheit in den Prüfungsobjecten, wie im Voraus als bestimmt anzunehmen ist, zum Rachthcile der Lehrzöglinge ausbeuteten. Der Würzburger Rebbe et Consorten möchten sich gerne Lehrer bilden, die unter furchtbarem Rabengekrächze und Schwindel verursachendem Schaukeln ein Blatt Gemorah, wenn auch ganz ohne Berstänkniß, herplappern können; und wird natürlich Gewicht darauf gelegt, wenn dabei kein richtiges deutsches Wort gehört wird; ja sie möchten Lamdouim, die wever lesen noch schreiben können. Tb sie ein hebräisches Verbum zu conjugiren, oder ein Kapitel aus dem Pentateuch und den übrigen heiligen Schriften zu übersetzen wissen, oder dicht, ist diesen Scheinfrommen ganz egal, wenn dieselben nur Frömmigkeit zu heucheln und — zu schmeicheln verstehen. Was ist aber i

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