Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 2 (15.5.1861)
- Date
- 1861-05-15
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 13 — sein Eigenthum, sein Drängen und Ringen aus Nebel zum Sonnenlichte. Dieser Neugierde soll die rechte Nahrung nicht versagt werden; denn wird sie frühzeitig erstickt, sei es durch Dämpfung oder Nichtbeachtung, so lagern sich dicke, dunkle Wolken vor dem geistigen Tageslichte, die selten die Mittagssonne zu zerstreuen, zu klären vermag; und die Schatten des Kindes begleiten den Jüngling und Mann und sinken am Abende als Schreckbilder mit dem Greise in die Gruft. Aber mehr noch als diese Dämpfung der Neugierde, hat man die Ueberfüttcrung, die nicht selten eine Schaustellung beabsichtigt, zu vermeiden. Das .Kind hat cs sehr bald heraus, wenn seine Fragen gern gehört und angestaunt werden. Dann kommt es leicht zum Fragen aus Confusicn, und der Vernünftige findet in solchen Fragen nur die traurigen Merkzeichen der Zerstreutheit, Gcisilosig.eit und Oberflächlichkeit, wo die eingenommenen Eltern (auch diesen zu V’ieE'C sprechende Lehrer) mn; Klugheit, Witz und Talent „dahinter glauben." Man denke sich einen Knaben, der ob vieler curioser Fragen und altverständiger Redensarten die Eltern in Entzückung bringt, einen Knaben von etwa acht Jahren, 'der wie ein Orakel spricht: „die Zeitung schreibt friedlich"; man denke sich ei» solches Wunderkind vor seinem Lehrer fitzend und daS auf einmal wie aus den Wolken fallend, die Frage aufwirft: „gibt cs wohl auch Schwefelgrubcn?"; eine Frage als Antwort auf die Frage des Lehrers: wie viel denn drei mal vier sei?, obgleich der Lehrer,strenge darauf hält; daß die Schüler ihn beim Unterrichte scharf anschen müssen, und er auch sic nicht aus den Augen verliert. Weber kommt das? ' i "l. Des Kindes Leben sei Lust und Freude, und doch, oder vielmehr, eben teßhalb .hat Jean Paul recht, wenn er meint, daß mau langsam von Freude zu Freude bei Kinderil schreiten müsse. Was bleibt dem Kinde auch noch zu wünschen übrig, woran kann es noch Gefallen finden, wenn die Attitter darüber in Verlegenheit ist, was sic ihm schenken soll, da sie ihm, ehe cö ncch 7—8 Jahre alt.ist, schon ein ganzes Lager Nürnberger Waarcn auögemuftcrt und anSgckanft hat? Aber das Kind eilte so schnell vpn Freude zu Freude, von Geschenk zu Geschenk, daß eS keine Zeit hatte, die auf seinen Freudengang hcrabgesircuten Gaben zu betrachten und 'aufmerksam und dankbar zst beachten. Da fällt die Neugierde zum "Neuen weg — Gleichgültigkeit und Zerstreutheit treten an ihre Stelle, —und wie schwer ist eS blasirte Kinder am llnteiy richte zu intercssiren, sie änzuregen und festzuhalten! Warum zeigen Kinder ans dein niedern- und Mittel-Stande ini Durchschnitte mehr Lernlüst als die viel begabten Kinder (nicht geistig) reicher Eltern? Sicherlich keine bessern, aber in mancher Beziehung toetf>nachtheiligere Folgers hat die Jagd nach Bilderbüchern, di: ein Jugendschriften re., womit gierde ihrer- Kinder anzustach 'Kinde Jugendschriften zum ben; che es denn ordentliche lese; lesene zu verstehen im Stande mit Stolz: „Mein Kind eS nimmt sein Geschichtenbuch Kind weder nach Alter Und gewachsen, so bewirken die gengesetzte von dem, was — abgesehen von der der kung der heut zu Tage absi DaS Kind gewöhnt sich an eir slächlich, träumerisch und zeis verblaßt, Lcrnluft und Lernbl g 'geistiger Thätigkcit stellt.sich tern eine wohlgemeinte Wa Le liej.t Jrg die Pb Eltern die Neu- und Wißbevermeinen. Da werden dem en — in die Hände — gege-;n, noch viel weniger daS Geist. Nun sagt manche Mutter immer hinter den Büchern, mit ins Bett." Ist aber das g listiger Befähigung ver Lektüre;endschriften gerade daS E'ntgeforgenvolle Mutter bezweckt Fantasie höchst schädlichen Wirgenährten Lesesucht. — gedankenloses Lesen, wird obertreut. Die jugendliche Frische gerdc verschwinden, Scheu vor :in. — Hiermit sei allen Ebnung ernstlich ans Herz gelegt. il Mich . lV.! Daß die Werthschätzung »on Personen und Ständen höchst feilten nach dem wahren Verdienst nm daö Genieindewohl bemessen wird, ist eine allbekann:e Wahrheit; dem Lehrer braucht. man sie wohl nicht noch gedt uckt vorzulcgen. Was kann nicht alles aus einem Pfcrdezüchth gs - er im Staate werden? unr dem Erzieher der Jugend? -- Die "Achtungsbezeugung vor dem Lehrer richtet sich nach dem Alter der Schüler. Je jünger die Schüler und je nedriger die Klaffe des Lehrers, desto weniger bringt man ver ihm den Hut aus der Fassung. Wer mißt die Gradneignngeu, so Hut, Rücken und Honnorar abwärts machen durch alle he Instanzen hindurch, welche da liegen zwischen einem Professor der llnivcrsität und einem E^mcntarlehrcr? Und doch, indem wir nach der Abschweifung wieder ans daS The» a kommen, zeigt das 'einfache Wörtchen „Zerstreutheit", daß gerade wo,es gilt, diesem grc- ' ßen Hebel vorzubeugen oder lhisi entgegen zu wirken, dem Elemcntarlehrer der Preis zebührt. Ztvar darf man, nm gerecht zu sein, nicht leugnen, daß sie in den Horsälen vor dm Professoren ihr Wesen nribt und mancher Akademiker an tausend andern Dingen, oder an gar nichts, nur nicht an den Vortrag denkt. — Bringt indcß der Schüler nichts mit ans dem Hörsal, dann hat er seine Zeit verschwendet, vertrunken, verholzt, verliebt. --- Hgt der Elementarschüler fruchtlos die Schule besucht, dach, — taugt rer Lehrer nichts. -Der Professor hat ja! nur vor-;u-lesen, der Elementar- Lehrcr zu lehren, erwecken,; änzuregen — nicht hinein , scnder» heraus zn wirken — fcr Schüler kannnichts, rer Lehrer taugt nicht, nun, das ist in der Ordnung. Die Thätigkeit der Kinder hcrauszufordcrn, den Geist auf einen Punkt zu sammeli digste Aufgabe des.Lchrerö , das ist« die erste und notbwenwonn sein Werk gelingen soll.