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Der israelitische Lehrer · 1861-05-01 · 1 (1.5.1861) · p. Seite 6

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
1 (1.5.1861)
Date
1861-05-01
Page
Seite 6 (sequence 16)
Language
German
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6 Die Werthschätzung. Bei den Verhandlungen in der j zweiten Kammer des GroßherzozthumS Hesien über die Schulfrage äußerte der den Lehrern' günstige Abgeordnete Thuvichum Folgendes: „Man tadelt auch bei manchen Lehren eine gewisse Ueberschätzung ihrer Wirksamkeit; man sollte ihnen um ihrer Mühen uiid Sorge» willen diese klciire Entschädigung gerne gönnen.". Diese»' Ausdruck hat uns, so wohlwollend er von dem wackeren Lehrerfreunde auch gemeint sei» mochte, tief betrübt; er giebt usis ein Bild der allgemeijien Anschauung, die die Grundlage jzu den Ausdrücken-von Ueberschätzung der L^hrerwirksamkeitz von Lehrereitelkeit u. s. w.. giebt. -Wenn dem Lebrer lichen Der Jung, dom finstere Zeloten, wenn heuchlerische Kopfhänger d'aS bekannte Lied von der Verwerflichkeit menschkens und Streben?, von Demuth und Unterwerfrommen Knechtssinn, von der Ertövtung des Fleisches und Beugung des Geistes unter, anerkannte Autoritäten Vorsingen, — „wir wollen? nicht hoffen, koch geschiehtö", auch bei den Inden — so hat das an und für sich wenig zu bedeute^. Wir sinds gewohnt. Wennsdann eine andere Sorte von Leuten sich ein wegwerfendes Urtheil über - Leh'rcrwirksamkeil erlaubet, weil sie keine -Ahnung hat von getreuer Pflichterfüllung um geringen Lehn, so schmerzt unö dies, aber — auch das sind wir gewohnt. Lsir sind gewohnt, daß diese Leute uns hinlänglich bezahlt glaiiben, wenn sie so und so viel jährlich zu unserem Gehalte besteuern; einen' anderen Lohn von ihnen erwarten wäre zü viel verlangt; sie selbst kennen nur kiesen. Aber ILehrerfreunre sollen und müssen anders urtheilen. ES.ist dies rie allererste ihrer, Aufgaben, wenn sie Mitwirken westen, daß es anders werde mit der Schule, dem Lehrer und der Jugendbildung. , Wir kamen eben von dem Grabe eines anerkannt tüchligen Lehrers. - Fast die ganze Gemeinde war bei der Bcgräbnißfeierlicchkeit zugegen. Kein Auge blieb thränenleer; wir haben, noch nie ein so allgemeines lautes Weinen gehört, am Grabe eines Mannes, der schon bejahrt nur lange krank war, der eine kleine wöhlversorgte. Familie hinterließ. Es war nur die unendliche Liebe, die diese Thränen entlockte, die Liebe zu hem Manne, den sie mit Recht den Vater ihrer Geister und ihrer Herzen nannten , der aus die gegenwärtige und kommende Generation der Gemeinde, einen unabsehbaren Einfluß ausübte, und weithin gelebt hatffür alle Zeiten. Wo gäbe es noch einen Beruf, der so vielen Segen zu verbreiten im Stande wäre? Welcher Stand noch kann so viel Heit aussäen, so viel Liebe erndten? Nur der Lehrer kann mit wahrem Rechte sagen: „Mein sind die Herzen, mein die Geister". .... Und ein solcher Beruf sollte den Mann nicht beglücken, in seinem Bewußtsein erheben und stärken? Sollte nicht den Menschen, der ihn mit Treue und Hingebung erfüllt, hochstellen in seinen eigenen und der Welt. Augen, obgleich- odergerade weil sein Lohn fast überall nur der dürftigste ist? Nur derjenige vernmg Großes zu wirken, der hoch denkt von sich und von seinem Lebensziele. Je höher er dies steckt, desto mehr wird er ^erreichen. Je größer die eigene Werthschätzung, desto eifrigere BernfSerfüllung. Möge der Lehrer seinen Berus als den erhabensten auffassen, und dies allüberall geltend zu machen suchten; eS kann ihn nur gewissenhafter, begeisterter und hingehender machen. — Eine Ueberschätzung des Lehrberufs kann es nicht geben. Der Lehrer, der sich nicht den Besten und Würdigsten gleichzustellcn sucht, kann nie segensreich wirken. Es schließt dies die wahre Bescheidenheit, die Ungenügsamkeit mit dem thatsächlich Errungenen nicht aus, sondern naturgemäß ein. Wir werden auf diese Frage, die mit der von der gesellschaftlichen Stellung des Lehrers aufs Innigste zusammenhängt, bald und oft znrückkcmmeu. . K Nachrichten. Aus Westfalen. Aus zuverlässiger Duelle erfahren wir, daß das Statut des israel. Lehrer-Vereins für Rheinland und Westfalen dje.Genehmigung deS hohen Ministeriums erhalten hat. Somit ist das nächste Hauptziel dieses schönen im Jahre 1856 gestifteten Vereins, dessen Zusammentritt am -12. Mär; 1856 zu Hamiy an der Lippe stattfand, erreicht. Möge die auf Grund des Statuts zu errichtende Lehrcr-Persorgnngs- und' Wittwcnkasse erstehen und sich des reichlichsten Segens stets zu erfreuen haben, der Verein Mittel und Wege finden, dieselbe außer den in den Statuten festgesetzten regelmäßigen Beiträgen zu erweitern. ' Die allg. Z. d. I. bringt eine Einladung zur Versammlung des Vereins ans deg 20. und 21. Mai nach Hamm. Herr V. Philippson, Lehrer zu Hoverstadt bei Soest, hat die Lehrerstelle zu Werl angenommen und bereis angetreten. Die Gemeinde Werl hat jedenfalls in dem tüchtigen und bernfStreuen. Lebrer eine gute jAauisition gemacht. Die Synagoge zu Werl, obgleich schon sehr alt, kann zu den schönsten in. Westfalen gezählt werden. In Rhsda ist man im . Begriffe, eine neue Schule mit Lehrerwohnung zu bauen. In Elberfeld soll, Tank den Bemühungen des Herrn Di-, Engelbert, eine Synagoge errichtet werden. Die christlichen Mitbürger haben sich bei der Zeichnung von Beiträgen lobenswerth betheiligt. Leider fehlt es noch in dieser

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