Joseph
- Journal
- Joseph
- Volume
- 1 (1879)
- Issue
- 22 (30.11.1879)
- Date
- 1879-11-30
- Page
- Seite 350 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896353-5962427-5962458--387-4896712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
A» 27. Juli 1700 spielte» Abend« zwei Schornsteinfeger der Wohnung de« Hof-Jaftor« Oppenheimer gegenüber auf de« Damenbrette. Die Art und Weise de« Spiel« dieser beiden Wie nerischen Reger verleitete die Dienerschaft de« Hoffaktor« zum laute« Lochen, welche« die Spielenden mit Schimpfwortes erwikdertk». woraus zuletzt Tätlichkeiten folgten. Der Pöbel drüngte sich zuletzt al« Bertheidiger der Schornsteinfeger herbei, die Wohnung de« Hof Jaktor« wurde gestürmt, sein Hau-rath verwüstet, die Laster» erbrochen und geplündert. Einige von der Hauptwache abgesandte Soldaten suchten zwar den Unfug zu hemmen; allein ihre Anzahl war zu schwach, sich der Wuth de« Pöbel« entgegenzusetzen. der in seiner Raserei bereit« beschlossen hatte, alle Wohnungen der Juden zu stürmen. Die Soldaten wurden verstärkt, und e« gelang ihnen dann, die rasende Bolk«menge zu umringen. Ei« aus der Stelle vollzogene« Standrecht, wodurch ein Schornsteinseger und ein Messerschmiedgeselle augenblicklich an die Jenstergitter de« Hosjuden aufgehangen wurden, stillte den Sturm de« tollen Pöbel«. Gleiche Gerechtigkeit und Billigkeit bezeigte die Regierung auch im Jahre I?s«. I« diesem Jahre gerieth rin Jesuit, Ramen« Pater Jüger. welcher Domprediger zu Reustadt war. wo die Juden damal« vermischt unter den Christen wohnten, auf den Einsall. in einer kanzelrrde. die er am L. Jebruar hielt, da» Volk gegen die Juden auszuhetzen und e« vorzüglich zur Zerstörung ihrer Häuser und ihrer gänzlichen Vertreibung au« de« Lande anzuseuern. Er erkühnte sich sogar, seinen Aufruf gegen die Juden mit den Recht«freiheiten der Stadt Reustadt und de« Ve fehl« de« Kaiser« Maximilian I. vom Jahre >496 (!) zu unterstützen. Sri» Pater Rektor rief ihn zwar eiligst von der Kanzel und strafte ihn wegen dieser Kühnheit, allein die fanatischen Ge- «üther seiner Zfthörer waren bereit« aufgeregt. Die Weiber intbesondere schrieen, man müsse die Juden au«jagen und die Jugend verfolgte diese mit Steinen und Prügeln. Der Oberrabdiner wurde in da« Hau« de« Amt«verwalter«. Johann Ohrleim gejagt nnd schon war der Pöbel bereit die Judenhänser zu stürmen; doch wurde auch die«mal die Ruh« durch die Garnison hergeftell» und die Aufwiegler einer strenge« Strafe unterzogen. In Wie» selbst beschuldigte man im Jahre 17 lO die Juden, sie hätte, di« Pest eingeschleppt. Da« Murre» gegen sie war