Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- 40 (Dezember 1918)
- Date
- 1918-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4895413-5934810-5934933--613-4895994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«20 ist jede Möglichkeit, Kolonisten in Palästina anzusiedeln, auf das Freudigste zu begrüßen und mit aller Macht zu realisieren. Aufs schärfste aber erhebe ich Protest, wenn diese Tendenzen durch Dilettanten und Literaten — zum Teil höchst ehrenwerte Männer -- diskreditiert werden, indem man insbesondere in IXmtschland die Landwirtschaft als das einzig mögliche Betätigungsfeld für jüdische Einwanderer in Palästina erklärt und jedes andere in Acht und Bann tut. Wir wissen, daß es auch in Palästina Golus geben kann (wie es Bodciiwucher bereits gegeben hat), wir müssen aber auch wissen das soll einmal gesagt werden — daß auch im palästinensischen Landwirt die Eigenschaften des (iolus-Juden so stark sein können, wie in seinem städtischen Nachbarn. Diese Klarstellung ist notwendig, da unter der zionistischen Jugend in IVutscbland völlig irrige Anschauungen, über die bisherige Wirtschaftsweise in Palästina, über seine künftigen Ent- \\ ickelungsmöglichkciten herrschen. Es ist eine Tatsache, die jeder Zionist kennt, daß von den hunderttausend Juden, die vor dem Kriege schätzungsweise in Palästina lebten, nur ' ,„ in den Kolonien wohnte. Ebenso ist es bekannt, daß von der städtischen Bevölkerung kaum die Hälfte durch eigene Wirtschaftstätigkeit ihr Auskommen fand, die anderen dei Mulukah zur Last fielen. Es ist wieder eine Binsenwahrheit, daß die Schaffung einer landwirtschaftlich tätigen Kolonisten-Bevölkerung lange Zeiträume erfordert, bei den Juden sich aber noch dadurch besondere Schwierigkeiten ergeben, daß die meisten Neuansiedler erst landwirtschaftlich vorgebildet werden müssen. Ziollisten braucht nicht auseinandergesetzt zu werden, daß wir in den ersten Jahren und Jahrzehnten nach dem Kriege die Einwanderung nach Palästina geradezu forcieren müssen, mit allen Kräften, die uns /u (ichote sieben, unterstützen und das Menschenmaterial auf jede Weise vorbereiten. Realpolitisch gesprochen: Abgesehen von der Vorbereitung für eine landwirtschaftliche Kolonisation, die nur für einen geringen Bruchteil der Einwanderer in I rage kommt, müßten Industrie und Handel des Landes und ihre I ittu akclungsbcdingungen genau untersucht werden. Und was geschieht tatsächlich?! Abgesehen von den Arbeiten des unermüdlichen Davis Trietsch und dem einschlägigen Kapitel in Kuppins Buch Syrien als Wirtschaftsgebiet4' findet sich meines Wissens m der ganzen deutschen zionistischen Litt^atur wahrend des Krieges über diese so wichtigen l*unkte kaum eimr* Andeutung. Ich selbst gehe auf diese trage in zwei größeren Arbeiten ein, die demnächst erscheinen werden und kann mich daher aus Kaumgründen hier nur kurz fassen. Ich will hier auf diese Zusammenhänge nur insoweit eingehen, als ich darzulegen beabsichtige, wie weit der zionistische Kaufmann und Industrielle in den Ländern der