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Herzl-Bund-Blätter · 1918-12-01 · 40 (Dezember 1918) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1918
Issue
40 (Dezember 1918)
Date
1918-12-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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610 Das aber sind Dinge, die man in kein „System" bringen kann. Als ich seinerzeit in meinem Briefwechsel mit Georg Israel (HB.-Blattei im4) Freundschaft forderte als Grundlage für den HC., Freundschaft eines zum anderen, die sich wie „eine Kette" durch den HC. ziehen sollte und alle zu gleicher Liebe zueinander umfassen, da verglich man die Erfüllung solcher Forderung mit einem Kaffeekränzchen, einem Kranzchen schöner Seelen und lehnte sie unter meinen wiederholten Protesten bis auf den heutigen Tag ab. (Siehe Roscnblüths Artikel.) Man sah nicht, dali unsere eigene Not unsere jüdische Not war. Man hörte nicht, daß aus dem Rufe nach Freundschaft der Wille zur Gemeinschaft klang. Und man verstand schließlich nicht, dali man sehr wohl ideale Zustände wünschen kann und deswegen noch nicht den Boden unter den Füfkn zu verlieren brauchte. Der das Wort damals prägte, verurteilte solchen Idealismus, weil er seiner Meinung nach alle realen Grundlagen verloren hatte, dufür ihn Programm waren. Und er vergalt, dali man auch für das materielle Leben seine Ideale haben kann, auch für Handel und Geldverdicnen, wie sie Ruskin gefordert hatte und sje heute unter seinem und William Morris' Einfluß in einem Zweige der Gütererzeugung, in der Entwicklung des modernen Kunstgewerbes sich zu erfüllen scheinen. (Dürerbund, Werkbund, Hclleräu), Wie es in einem anderen Sinne die Entwicklung des Genossenschaftswesens gezeigt hat, dali in der Synthese der Realisation des Alltags, mit der „idealen Forderung" trotz Ibsens grausamer Ironie die Kunst und das Glück zu leben liegt. Erziehung zur Gemeinschaft, Erziehung zu sozialem Geist kann nicht durch Unterrieht allein erfolgen, Damals zitierte ich Ibsens Rede an die Dr,>nthehncr Arbeiter. Man muli den Respekt vor der Wahrheit als oberstes Prinzip als etwas ganz Absolutes hinstellen, „dem gegenüber der Respekt vor Personen oder gesellschaftlichen Tatsachen nur relative Bedeutung haben kann." (Wyneken) Lockert diese Tendenz scheinbar den festen und einheitlichen Bau unseres Bundes, der eine Voraussetzung unserer Arbeit ist, so soll eben die Freundschaft, die uns alle umgibt, der gemeinsame Wille zu unserem Werk und die seelische Abhängigkeit von ihm, das Band sein, das uns eisern hält. Worauf es ankommt, das ist nicht Gehorsam und Disziplin, sondern das einheitliche Gepräge unseres Bundes. Auch die jüdische Erziehung unserer Jugend kann nicht durch Unterricht und Kurse Zustandekommen. Man hat das vielfach empfunden. Die soziale Arbeit allein (1°14), Bucher, Bibel und I este haben uns nicht geholfen. Die haben uns nicht jüdischer gemacht, Wir müssen versuchen, irgendwie wieder in ein Verhältnis zu Gott /l1 gelangen. Früher einmal sprach ic!h von der Natur: „wie oft spüren wir das Wirken (iottes in ihr, ehe wir ihn in uns selbst erleben". Durch seine Offenbaiungen, im Umgang mit reinen Menschen, mit der Natur, der Kunst und Musik, werden wir zur Erkenntnis Gottes gelangen. „Dann muH einmal

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