Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- 40 (Dezember 1918)
- Date
- 1918-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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608 Für die zionistische Arbeit ergaben sich daraus eine Reihe von Folgerungen. Einmal die wissenschaftliche Erforschung des Landes, andererseits die Aufbringung der nötigen Gelder nach den Regierungserklärungen durch den Anschluß weiter Kreise der englischen und amerikanischen Hochfinanz begünstigt und Schaffung von Organisationen für die Kolonisation. (Man denke an Oettin- . gers Berechnungen und Kallods Zahlen). Vor allem aber ist eine Neuorientierung weiter zionistischer Kreise notwendig. Man muH begreifen, dall Palästina nicht den privatwirtschaftlichen Einzeliiiteressen einer Anzahl von Kapitalisten und Unternehmern ausgeliefert werden darf. Für sie würde logischerweise nicht das Wohl des Volkes und unser letztes Ziel — die Erneuerung des Judentums sondern nur den Gesichtspunkt der Rentabilität mallgebcml sein und sein müssen. Das alles hat eine straffe Organisation der zionistischen Welt zur Voraussetzung; ein Moment, das ja aus vielerlei Ürunden durchaus zu wünschen ist. (Rußland, Amerika), Oettinger bat auch hierüber in London gesprochen, fü' die nächste Arbeit des National-Fonds ganz bestimmte Aufgaben umschrieben. Auswandererämter in irgend einer Form werden geschaffen werden müssen; alles natürlich neben der politischen Arbeit der Leitung und ihrer sozialen Tätigkeit, die mehr und mehr als dauerndes Arbeitsgebiet des Zionismus erkannt wird. Zusammenfassend ist festzustellen, dall die Neugestaltung Palästinas, deren geistige Grundlagen ich zu zeigen versuchte, nunmehr eine ungeheure Anspannung aller zionistischen Kräfte erfordert. Das ist die Situation, in der sich der Zionismus heute befindet Diesen ganzen Zusammenhang gilt es zu erkennen, wenn man darati geht, von den Aufgaben irgend einer nationalen Jugendorganisation zu sprechen. Es gibt keine Sonderintcrcssen mehr. I rst, wenn ntan so weit ist, kann man an den Kräften, die zur Verfügung Stehen, an den Fähigkeiten, die sie mitbringen, und au dem Arbeitsfeld, das gegeben ist, erwägen, was eigentlich zu tun ist. Ich komme nun zu den Aufgaben des Her/I-Hundcs. Der Herzl-Bund ist im Winter 1912 in Halberstadt gegründet worden und hat ein Jahr später seinen ersten Bundestag nach Berlin einberufen. Ich habenun gezeigt, wie die (iedankengänge seiner (minder zum Teil völlig befangen waren von den vorausgegangenen „Kämpfen" in der jüdischen Jugend und darzulegen versucht, dall diese Befangenheit auch heute noch besteht. Diese Kämpfe aber waren im wesentlichen apologetischer Natur. Auch vom Schulkampf, der nach ihnen die Jugend ganz ausfüllte, gilt das gleiche. Wohl wurde man sich der Einheit mit der palästinensischen Jugend bewußt, aber man Hell ihr die Tat und glaubte hierzulande die Lorbeeren dafür ernten zu können. Dazu kam ein zweites: die damaligen Gründer des HB. standen und stehen heute