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Herzl-Bund-Blätter · 1918-12-01 · 40 (Dezember 1918) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1918
Issue
40 (Dezember 1918)
Date
1918-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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607 empfunden wurde und in uns nach Ausdruck und Form rang. Wir können seine Worte nicht oft genug lesen und uns einprägen: „Ein wahrhaft jüdisches Gemeinwesen kann kein anderes sein, als eines, in dem die Uebote Moses für den Ausgleich des Gesetzes, in dem die Aufrufe der Proplieten zur sozialen Gerechtigkeit in einem die Wirtschaftsverhältnisse unserer Zeit bewältigenden und meisternden Form zu Wirklichkeit fordern. Unser erstes Werk muß sein, daß wir mit dem Gemeinschaftsideal des Judentums Ernst machen." Das also sind die beiden Aufgaben* eine Siedlung aufgebaut auf sozialer Gerechtigkeit und Menschen, die sich nicht mehr in verschiedenen Klassen gegenüberstehen, sondern von einer Einheit erfaßt sind, eine den Forderungen unserer Propheten gemäße vollkommene Gemeinschaft. Versteht man jetzt, worum es sich handelt, begreift man die Größe des Gedankens und ahnt man endlich seinen tiefen Sinn für uns und die Menschheit? Es geht um letzte und ewige Werte. Das dritte und höchste Element, dem „eine gebieterische Stimme innewohnt", nach dem der nationalen Befreiung und der sozialen Umgestaltung ist uas religiöse: „daß auch an der innersten (icwalt des Judentums, daß auch an der jüdischen Religiosität in Zion Erneuerung sich vollziehen wirdi dann werden wir Gott finden und dann wird Zion, wie es verlteißen ist, ein (iotteshaus für alle sein." Dieser ganze Gedankenkreis ist nicht mehr ein Eigentum eines kleinen Kreises. In einer Besprechung, die im Frühjahr in Berlin stattfand, wurde im übrigen auch ein sehr reales Motiv erwähnt, den Ungeist der kapitalistischen Wirtschaftsreform nicht zur Grundlage unserer jüdischen Gemeinschaft werden zu lassen. Man wies darauf hin, daß aus den verschiedensten Gründen, insbesondere auf die Einwanderung russischer Juden gesehen werden müsse. Kußland aber wird, wie die Verhältnisse sich auch gestalten möger, eine sozialistische Regierung haben. Und russische Juden werden niemals von einem sozialistischen Rußland in ein kapitalistisches Palästina gehen. Rubaschow hat damals sehr richtig ge. sagt: wenn wir uns nicht auf uns besinnen, werden wir Europa nach Palästina bringen, aber nicht das jüdische Volk. In einem Sammelwerk, das vorbereitet wird und dessen leitender Gedanke ist, in Palästina ein Gemeinwesen auf sozialer (ierechtigkeit aufzubauen, werden zum ersten Mal auch die realen Grundlagen hierfür behandelt werden. Genossenschaft, Erbpacht, soziale Fürsorge usw. Letzten Endes ist unser größtes Finan/unteruchmcn, der Nationalfond, ein soziales Werk in diesem Sinne, und Oettinger hatte in seiner Rede in London mit Recht darauf hingewiesen, daß der Nationalfond in der sozialen Entwicklung der Menschheit vielleicht noch eine wichtige Rolle spielen wird. — „|>r kapitalistische, imperialistische Geist soll an der Wurzel getroffen werden, am nmüsch-rechtlichen Privateigentum von (irund und Boden, am Bodenmonopol."

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