Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- 40 (Dezember 1918)
- Date
- 1918-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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603 H.-B. Stellung genommen, sondern von der ganzen Arbeit des Hundes gesprochen werden, und zwar als Glied der Zionistischen Organisation, als ein Teil der jüdischen Bewegung. Wir müssen in unserer Betrachtung über den engen Rahmen unseres Bundes hinausgehen und erst, nachdem wir die bestimmenden Momente der zionistischen Arbeit und Entwicklung kennengelernt haben, versuchen den H.-B. in diesen Gesamtkomplex einzugliedern; seine Arbeit so zu gestalten, dal) sie m i t dem Strom dieser Entwicklung fließt und sie mein -- wie tatsächlich durch die aller Entwickelung fremde, viele Tatsachen einfach übersehende, oft naive und vorsintflutliche Auffassung der Dinge seitens mancher Bundesbrüder zu befürchten ist — eine Hemmung für ihn darstellt, oder gar ihm entgegenläuft. Der Mittelpunkt der ganzen zionisTischen (iedankenwelt ist nach wie vor Palästina, das Baseler Programm oberstes Gesetz aller zionistischen Politik und Arbeit. Das nahe Interesse, das einerseits England in seinem genialen Orientprogramm der zu erreichenden Landverbindung zwischen Aegypten und Indien, und andererseits Deutschland bei einer zionistischen Besiedelung des Landes, die den Handelsbeziehungen mit Deutschland und den von ihm gewollten wirtschaftlichen Aufstieg der Türkei zugute kommt, (Endres) an Palästina haben, hat im vorigen Jahre zu den bekannten Sympathieerklärungen der Ententeregierungen geführt, denen sieh die Mittelmächte wie auch die Türkei selbst, bald darauf anschlössen. Uns interessieren hier nicht die weltpolitischen Folgen dieser Ereignisse, auch nicht ihre Einwirkung auf die Gesamtpolitik der Judenhciten oder des Zionismus, sondern nur die Tatsache, die sich für die rein zionistische Arbeit daraus ergeben bat. Diese ist, daß uns über kurz oder lang die Möglichkeit gegeben ist, in grölleren Massen und unter weit besseren Umständen als bisher nach Palästina zu gehen, da« andererseits die Welt aber auch an unsere Siedlung Erwartungen knüpft, deren wir uns, soweit sie auch auf unserem Wege liegen und mit unseren Zielen vereinbar sind, unbedingt würdig zu erweisen haben. Hiernach ergaben sich für die zionistische Arbeit zwei Kragen von brennender Aktualität: wie schaffen wir die Menschen für die Besiedlung des Landes und wie soll sich die Neugestaltung Palästinas vollziehen? Die ganzen k'tzten Monate sind erfüllt mit den Diskussionen über dieses Thema. Der völlig überlasteten Leitung sind die Jugend und die „Intellektuellen" in Deutschland zu Hilfe gekommen. Sie haben in ihren Tagungen und Zeitschriften, in Briefen und Gesprächen Antwort auf diese beiden Fragen, die einen ungeheuren Komplex von Teil- und Linzel Problemen in sich schlierten, TU geben versucht. Das ist keine „Mode", Freund Rabinowitz, sondern eine tiefernste Sache. Die Jugend und ihre Führer beginnen hier in einem besonderen und höherem Sinne politisch zu werden, bestimmenden Einfluß auf