Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- 38 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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549 gewordenes Sein. Das in seinem Leben beschlossene Leben entfaltet sich ihm als das über Zeit iiikI Raum hingestreckte Leben einer * ieschlechterfolge. Und in dem geheimen Rauschen dieses Rhrtes entdeckt er das Volk.. Er findet in sich die Kräfte, die dieses Volk erhoben, lind die es erniedrigt haben, die es groß, und die es unzählig gemacht haben. Er findet aber in sich auch die schhnmuernde, die noch immer unerlöste Urform dieses Volkstums, die es zu erlösen gilt. Und nun weiß er, worauf er sein eigentümliches Verhältnis zur (iemeinschaft aufzubauen hat. Was immer ihn auch mit der anderen, mit der (iemeinschaft der Sprache, der Kultur verbindet, er findet die Kräfte, die einst diese Sprache, diese Kultur geschaffen haben, in sich nicht vor. Er hat diese (ieisteswelt übernommen, er mag an ihrem Ausbau mitgewinnt haben, er mag wahrhaft und rief an ihrem Ausbau mitgewirkt haben, aber die schöpferische Urkraft dieser Seele und dieser Geschichte, das Geheimnis dieses in tausend Wandlungen durch die Zeiten schreitende Volksmythos tragt er nicht in sich. Er steht seinem Ausgang, aber er hat an seinem Anfang nicht gestanden. f:r hat die Götter dieses Volkes kenneu gelernt, nachdem sie zu Ideen geworden sind, aber er hat sie nicht gekannt, als sie noch Götter waren. Er mag den Geist eines Urhebers haben, aber er hat _das Schicksal eines Epigonen. So mußte der westjüdisctie Jüngling, der sich m tiefst auf sich selber besinnt die tiefe Besinnung ist es, die von jedem, von jedem einzelnen allcrwärts gefordert wird, so muß der westjüdische Jüngling, der sich zu tiefst auf sein Wesen, auf sein ursprüngliches Sein besinnt, erkennen, daß er sein eigentlichstes und entscheidenstes Verhältnis zur Gemeinschaft auf seinem Judentum, auf seinem jüdischen Vofkstmn aufzubauen hat. Hier hat sein Wesen am Anfang gestanden. Dieses Volkes Gott hat er gekannt, als er noch ab Wolkcnsäule am Himmel, als Eeuersaule in der Nacht vor dem Volke einherzog. Hier kann er Urheber, kann er Schopfer sein. Aber um das Verhältnis zum jüdischen Volke wahrhaft aufzubauen, genügt es nicht, sein Leben als in diesem Volke stehend zu erkennen. Es genügt nicht sieh diesem Volke bewußt anzuschließen, sich zu ihm zu bekennen. So kann jenes leidenschaftliche Verlangen der Jugend, \on dem ich gesprochen habe, das leidenschaftliche Verlangen der Jugend nach dem Leben und Sterben in der Gemeinschaft und für die (iemeinschaft, kann es nicht befriedigt werden. Es kann dies auch in anderen Völkern nicht,;nn allerwenigsten aber im jüdischen, das so sehr, so sehT des vollen Lebenseinsatzes jedes einzelnen seiner Sohne bedarf, um wieder das zu werden, was es in Wahrheit ist, um wieder m der Wirklichkeit der Tage das zu werden, was es in der Wahrheit der Ewigkeit ist. Von Grund aus falsch wäre es aber auch, nach Art des heute herrschenden Nationalismus anderer Völker die wesentliche Aufgabe in der Durchsetzung des jüdischen Volkes zu erblicken. Das hieße das allgemeine Ziel, das Menschheitsziel,