Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- 38 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4895413-5934810-5934930--566-4895947- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
540 dort einlaufenden ins Deutsch« besteht, erinnern wir uns femer, welche Mühe sich der Staat gibt, Dolmetscher für seine Zwecke in allen möglichen Sprachen heranzubilden, so wird uns bald klar werden, daß wir hier vor eine sehr wichtige Frage gestellt werden. Diese lautet genau formuliert: wollen wir nach der Türkei gehen, ohne die dortige Landes- und Regierungssprache zu beherrschen, entweder auf Dragomane angewiesen, die immer zuerst auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, können wir mit englisch und französisch, falls wir seiner genügend mächtig sind, durchkommen, einer dritten Sprache, die ein neues fremdes Qlied sein soll in der Kette der Verständigungsmittel und die Möglichkeit des Irrens und Mißverstehens noch vermehrt, oder sollen wir selbst türkisch lernen, um sofort beim Betreten türkischen Bodens mit jedem Menschen, der uns <lort unten begegnet, uns unterhalten zu können? Die Sprache ist das Produkt einer Volkskultur, und eine Uebersetzung aus einer Sprache in die andere ist ein Kompromiß zweier Volkskulturen, dio durch geschichtliche Entwicklung von (iruml auf von einander abweichend, zusammengepreßt werden sollen, wozu die eine die Form, die andere den Inhalt hergeben muß. Junge sagt in seiner Flugschrift, wir sollen uns im Verkehr mit den Türken selbst als Türken fühlen. Ist es aber möglich, ein Volk und noch dazu ein solches, für das wir als Juden das größte Interesse haben, in seinem ganzen Fühlen und Denken /u verstehen, wenn wir nicht einmal seine Sprache beherrschen? Die Sprache ist der Schlüssel zur Seele eines Volkes. Und wenn wir die türkischen Sitten und (iebräuche, türkische Volksart und türkische Politik begreifen lernen wollen, so ist die aHernotwendigste Vorbedingung dazu eine gründliche und tiefe Kenntnis der türkischen Sprache. Ferner zitiert Erich Roth: Prof. Dr. Blankenborn: „Syrien und die deutsche Arbeit, ein Buch, das sich sehr eingel>end mit syrischer Wirtschaftspolitik, sowie syrischen Qegenwarts- und Zukunftsfragen beschäftigt und die Mitarbeitsmöglichkeiten der Deutschen beleuchtet. Dieser schreibt unter anderem auf Seite 24 und 23.: „Ob es so in absehbarer Zeit den vereinigten Anstrengungen der Türken und Deutschen gelingen wird, die Kenntnis des Deutschen in der Türkei so zu verbreiten, wie es mit der französischen Sprache gelungen ist, bleibt der Zukunft vorbehalten. Unbedingt ni erstreben und zu erhoffen ist das für das Verkehrsgebiet der B;ii>dadbahn, Kilikien, das nördlichste Syrien, Mesopotamien und tur Palästina. In Mittelsyrien wird man vorerst nicht ohne das f ranzösische auskommen. „Natürlich ist andererseits für die Deutschen die Kenntnis der einheimischen Landessprachen eine Notwendigkeit und die ist