Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- 38 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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537 Weg gewählt — und wir sind jüdisch geworden. — Und zwar wurden wir es von dem Augenblick an, als wir uns dem Judentum verschrieben. Noch jüdischer zu werden ist unmöglich. Wir sind ja mit Leib und Seele Juden: unser Schicksal ist |a •ranz eng an unseres Volkes (von dem wir den allerkleinsten Teil ausmachen) geknüpft, und da ist die obige Formel falsch, zum mindesten aber nicht richtig formuliert! — Was verlangt wird, verstehe ich wohl; man fördert nämlich (um mit Schülern zu sprechen), wir sollen uns jüdisch intensivieren. Es ist aber ein himmelweiter Unterschied zwischen Sichjüdiedhintensivieren und Jüdischwerden. Sich Jüdisch Intensivieren heißt den Oedanken des gefühlsmäßig Jüdisch-Gewordenen in die Praxis umsetzen; also weiter nichts ajs Lernen! Sich Jüdisch Intensivieren ist eine Angelegenheit des Kopfes, Jüdischwerden aber eine «oteht des Herzens! Zum Anfang meiner Ausführungen will ich nicht zurückkehren, sondern mich mit den letzlptri Gedankengängen befassen. Sicli Jüdisch Intensivieren! - Dazu gehört vor allen Dingen, daß wir die jüdische Geschichte kennen und unsere (d. h. die hebräische) Sprache können. Ich glaube, daß diese beiden Faktoren die Hauptgrundlagen jeder nationaljüdischen Erziehung sein müssen, wie überhaupt jede nationale Erziehung auf Kenntnis der Vergangenherl des eigenen Volkes und seiner Sprache beruht Nur mit Hilfe dieser beiden Werte (Geschichte und Sprache d> h. Vergangenheit und Gegenwart) kann man dem Kinde eine dauernde nationale Grundlage gewähren. Das beste Beispiel hierfür ist das von den Deutschen noch nicht gelöste Problem den Polen in den deutschen Provinzen gegenüber. Die Polen von den Deutschen der Ausübung iihrer nationalen Rechte zwecks Erziehung ihrer Kinder beraubt (d. h. die Schule), versuchen auf alle mögliche Art und Weise, diesen nationale Gesinnung im Eltcrnhausc einzuimpfen, und zwar erreichen sie das am besten durch die Pflegeihrer Sprache um! durch das immerwährende Erinnern an das Schicksal ihres einst so mächtigen Volkes. Es liegt natürlich klar auf der Hand, daß durch ein solches Erde Im n^sprog ramm die jüdischen Kinder auch jüdisch werden. Bei uns H. C.ern liegt aber die Sache ein wenig anders. Dtty» meisten von uns, und zwar meine ich damit in der Hauptsache die jüngeren, sind nicht jüdisch erzogen worden. Wir sind oft in einem Assimilantenhause aufgewachsen. Aus uns selbst heraus sind wir jüdisch geworden; aber jüdisches Wissen fehlt uns. Und die Grundlage eines solchen ist stets das Hebräische! — Ich bin vom Thema abgekommen. In der Hauptsache wollte ich darauf hinweisen, daß Jüdischsein nie verstandesmüßig erfaßt werden kann. Berlin. Marcel Lew.