Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- 38 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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534 Vor dem Kriege war der H.-C für uns. Dort erarbeiteten wir uns unsere Ideen, erlernten unsere Organisation in Theorie und Praxis; mit einem Wort: „wir lernten" und hatten dabei noch die besonders schwere Aufgabe, Lehrer und Schüler zugleich zu sein. Nach dem Kriege m u Ii sich das ändern. Ich sage, es muH! Die Gründe sind mannigfaltig. Rein äußerlich hat unser allgemeines Leben eine zu große Unterbrechung erlitten: persönlich und beruflich. Die entstandenen Lücken erfordern ihre Ausfüllung. Das wird ein Gesichtspunkt zu unserer Stellung im H.-C. sein. Wesentlicher sind die inneren Gründe. Wir müssen der Generation Platz machen, die sich in demselben Stadium befindet, wie wir vor dem Kriege. Sie haben ein Anrecht, sich im H.-C. dieselben Grundlagen zu erarbeiten wie wir. Ich will damit nicht etwa sagen, daß nun der H.-C. für uns erledigt ist. Im Gegenteil: er war unser, und er bleibt es! Du schreibst nun, lieber Rosenblüth, ich soll mich zu dem zugründenden „inaktiven Bund" äußern. Wir verstehen uns wohl. „Inaktiv" (untätig) können wir nie sein. Wir sind das Glied einer Volksbewegung, das ja gerade die Jungen zur Arbeit führen will. Also benötigen wir für die alten H.-C.-er, die dem früherer» Rahmen des Bundes entwachsen sind, ein „Arbeitsamt". Die Richtlinien sind gegeben. Ich erwähnte schon den Uebclstand, daß wir vor Jahren Lehrer und Schüler, Gebende und Empfangende zugleich waren. Das war ein Uebelstand, denn es stellte an uns doppelte Ansprüche in Bezug auf Kraft und Zeit. Manches wichtige Gebiet blieb daher liegen und war der Privatinitiative des Einzelnen überlassen, obwohl es von allgemeiner Bedeutung war. Manch einer aber auch war diesen doppelten Ansprüchen nicht gewachsen. Die Zahl dieser stellt das Resultat unserer Mißerfolge dar. Die künftige Generation soll es im beiderseitigen Interesse besser haben. Wir werden die Gebenden, sie die Empfangenden sein. Dieser Standpunkt umgrenzt auf der einen Seite die Arbeit der alteren Inaktiven. An der Erziehung des kaufmännischen Nachwuchses ist überall gesündigt worden. Nun sind wir zwar kein Handels- und Fortbildungschulenersatz, aber wir haben ein vermehrtes Interesse an einem vielseitig durchgebildeten, vor allem mit unserem nationalen Wesen durchaus vertrauten Kaufmannsstand; denn er ist, -- wie in jedem Volke — ein starker Träger des Wirtschaftslebens. Für uns tritt dies vermehrt in die Erscheinung, weil einerseits die Erfüllung unserer nationalen Ziele ganz besonder» von der Form unseres künftigen Wirtschaftslebens abhängig ist, und anderer-