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Herzl-Bund-Blätter · 1917-12-01 · 37 (Dezember 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
37 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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502 dessen riesigem Oewölbe und wuchtigen steinernen Pfeilern er mir einmal unsere ganze Zeit deutete und einen langen Vortrag darüber hielt. Bis in den Sommer 1915 war die Bibliothek unser täglicher Treffpunkt. Dann mußte ich ihn meistens im philogogischen Institut aufsuchen. Dort saß er in dem alten Gebäude in der Dorothccnstraße, ich sehe den Tisch noch vor mir, die Bücher, die um ihn herumstanden, und empfinde in der Erinnerung noch die wohltuende Ruhe dieses Raumes, die zur Arbeit wie geschaffen war. Draußen war der Herbst gekommen und hernach der Winter. Der Krieg dauerte schon über ein Jahr, und die unendlich vielen Probleme, die er aufwarf, beschäftigten auch Alfred Wolff außerordentlich. Neben seinen beruflichen, historischen und jüdischen Arbeiten schrieb er damals auch manches über die Zeit und den Zeitgeist, von denen er einiges in Monatsschriften usw. veröffentlicht hat. Im Februar 1916, kurz nachdem wir in sehr engem Kreis die (iründung eines jüdischen Siedlungsheimes in Berlin beschlossen hatten, schloß sich auch er unserer Idee und unserer Arbeit an. Die ungeheure, aber außerordentlich schöne Arbeit, die damals von einer Handvoll Leute geleistet wurde, verband uns von neuem. Bald leitete er die vielen siunden- und nachte langen Sitzungen der Leitung, und wenn auch seine geistige Richtung nie die führende im Heim War. so verdankt man do\.h dort seiner wunderbar organisierenden, die Arbeit unter uns alle teilenden Tätigkeit und seiner intensiven Arbeit in der Ocffentlkhkeit für uns. unendlich viel. Als im Mai 1916 das Heim durch einen Vortrag Gustav Landauers eröffnet wurde, begrüßte er im Namen der Leitung und als offizieller Vorstand des üan/en unsere vielen (iäste. wer Dr. Alfred Wolff nicht gekannt hat, kann sich schwer einr Vorstellung von der Arbeitskraft dieses Mannes machen. Er kam mittags um 1 Uhr aus seinem Gymnasium, hatte oft am Vormittag in seinen Freistunden schon irgend eine Vorlesung an der Universität gehört oder im Institut gearbeitet, dann rpeiste er in dem kleinen Restaurant in der Turmstraße, ging hinüber nach seiner Wohnung und legte sich eine Stunde hin. Aber vor 3 Uhr saß er schon wieder in der Stadtbahn, um den Nachmittag im Institut oder in der Bibliothek zu arbeiten. Wie oft war ich, besonders in der letzten Zeit, in diesen beiden Stunden, meiner Tischzeit, mit ihm zusammen; weil es ganz einfach die beiden einzigen Stunden am Tage waren, in denen wir ungestört zusammenkommen konnten. Jeder hatte dann seine Zettel bei sich, aus denen langsam ein Heft geworden war, und die einzelnen Punkte wurden durchgesprochen. Volksheim- und H.-C.-Geschichten. Man verzeihe mir meine Offenheit : in der ganzen Zeit meiner H.-C. Arbeit war kaum eine Frage, die ich nicht mit Alfred Wolff durchgesprochen, kaum eine Entscheidung, die ich ihm nicht mitgeteilt habe und die er gebilligt bat. Oft kam er abends mit mir noch zuj uns heraufgelaufen, um einen

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