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Herzl-Bund-Blätter · 1917-12-01 · 37 (Dezember 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
37 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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501 Erinnerungen an Alfred Wolff. Von Erich Roth. Utestern abend las ich die Nachricht vom Tode Alfred Wolff*; die Nacht stand ich Posten, und bei dem eintönigen Ruber und Nüber des Artilleriefeuers waren meine Gedanken bei unserem toten Freunde. Die Erinnerung an die vielen Male, die wir uns plaudernd gegenübersaßen, an die Stunden, die uns gemeinsame Arbeit vereinte, tauchte in mir auf; mir iwar, als ob ich von einer großen Reise kommend, nach Berlin zurückkehrte und mich innerlich auf das Zusammensein mit ihm schon einstellte und freute. So vergingen die einsamen Stunden der Wache. Später erst dachte ich wieder daran, daß ich ihn nie wiedersehen würde. Ich weiß nicht, was Alfred Wolff unmittelbar dem Berliner H.-C. und damit dem H.-b. gewesen ist. Ich habe seine Kurse nicht gehör», ich habe auch die Einweihung unserer Wohnung, den Höhepunkt unserer damaligen Entwickhing, nicht mitgemacht. Das lag alles vor meiner Zeit, und später erschöpfte sich seine unmittelbare Mitarbeit am H.-C. in ein paar Vorträgen und einem H.-B.-Blatt-Aufsatz, fcs denen ich ihn auch noch lange genug bitten mußte. Ich weiß nur, wie «unendlich viel er mir und somit indirekt während der letzten Jahre dem H.-C. gewesen ist und was für ein prachtvolles Mensch er war. Davon muß ich jetzt sprechen, und deshalb setze ich mich heute am frühen Morgen hin, um zu schreiben. Vielleicht ist manches zu persönlich, ich kann hier draußen keine abgefeilten Artikel schreiben. Und wer je intensiv zionistisch gvarbe tet hm, wird mich auch verstehen und mir verzeihen. Denn c> ging uns ja allen so: unser persönliches Leben war so eng an unser Werk gebunden; ging es uns gut, so ging auch unsere Arbeit glatt, ging dort etwas schief, so war es such mit unserer Ruhe vorbei Das fließt alles ineinander über, und eins ist vom anderen abhangig. Ich lernte Alfred Wolff im Sommer 1914 draußen im Grunewald bei gemeinsamen Bekannten kennen. Ein paar Wochen später sahen wir uns wieder und sprachen uns. Seitdem waren wir die ganzen zwei Jahre bis zu unserer beiden Einziehung fast jeden Tag zusammen. Im Wintersemester 1914/15 arbeitete Dr. Wolff täglch in der Königl. Bibliothek. Er besuchte damals Jastrows Seminar, und neben den anderen mannigfachen Arbeiten war es ein Referat über die Arbeiter-Schutzgesetzgebung, das ihn damals beschäftigte. Bis gegen 6 Uhr arbeitete er intensiv in dem großen Lesesaal, ganz vom am Eingang saß er immer, in der Nähe der Bocherausgabe. Darm schleppte ich ihn meist hinaus, und wir •aßen plaudernd und scherzend in dem großen Treppenraum. au.

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